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Bischof Jeremias: "Ein herber Einschnitt"

Nordkirchen-Archiv zieht nicht wie geplant ins Archivzentrum Greifswald

31.08.2020 ǀ Greifswald.  Wegen der Corona-bedingten Kirchensteuereinbrüche wird die Greifswalder Außenstelle des Landeskirchlichen Archivs der Nordkirche nicht wie geplant ins künftige Pommersche Archivzentrum in Greifswald einziehen. Die Kirchenleitung könne den Beschluss für eine Kooperation des Landeskirchlichen Archivs mit dem Pommerschen Landesarchiv und dem Stadtarchiv Greifswald nicht aufrechterhalten, teilte die Nordkirche am Montag mit.

Die Nordkirche hätte sich den Angaben zufolge mit Investitionskosten von gut 1,1 Millionen Euro beteiligen müssen. Hinzu kämen noch anteilige Kosten für das Grundstück und die Verbindung zu dem im Bau befindlichen Stadtarchiv. Nach einer Schätzung vom Juni rechnet die Landeskirche nur noch mit 470 Millionen Euro Kirchensteuereinnahmen in diesem Jahr statt der im Haushalt eingeplanten 536 Millionen Euro.

Nach einem Beschluss der Kirchenleitung sollen nun der Archivstandort Kiel und seine Außenstelle in Schwerin aufgewertet werden. Die Nutzung der Archivbestände und die wissenschaftliche Forschung sollen jedoch in Kiel, Greifwald und Schwerin sichergestellt werden.

Geplant sei, dass die Nutzer pommerscher Kirchenakten diese zuvor beim Landeskirchlichen Archiv anfordern, sagte Julia Brüdegam, stellvertretende Archivleiterin. Die entsprechenden Akten sollen dann zu einem verabredeten Termin nach Greifswald gefahren werden. Eine geeignete Infrastruktur für die Aktennutzung müsse noch gefunden werden.

Bischof Jeremias: "Ein herber Einschnitt"

Bischof Tilman Jeremias sagt: „Als Bischof unseres Sprengels Mecklenburg und Pommern schmerzt es mich, dass sich die ohnehin angespannte Finanzlage der Nordkirche durch die Corona-Krise noch einmal erheblich verschärft hat, denn für den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und die Region bedeutet diese Entscheidung einen herben Einschnitt. Die Kirchenleitung hofft nun, dass der durch den Beschluss aufgewertete Archivstandort Schwerin mit den Archivalien aus der Mecklenburgischen und der Pommerschen Kirche gute Forschungsmöglichkeiten bietet. Eine Außenstelle in Greifswald ist für die Arbeit mit den Archivalien weiter nutzbar. Der Dank der Kirchenleitung gilt allen, die sich für diese Archivkooperation eingesetzt hatten und speziell dem Land Mecklenburg-Vorpommern dafür, dass es für diese Kooperation eine großzügige Förderung in Aussicht gestellt hatte.“

Die Nordkirche will mit Forschern der pommerschen Geschichte einen konstruktiven Dialog führen, kündigte der zuständige Dezernent Mathias Lenz an. Der Landeskirche liege daran, dass das Archivmaterial zur Landes- und Kirchengeschichte Pommerns, auch weiterhin in Greifswald zugänglich ist. Die jetzige Entscheidung sei ein Kompromiss.

Seit Sommer 2018 lagern rund 200 laufende Meter pommersches Archivgut in Schwerin. Dabei handelt es sich um den zentralen Aktenbestand des früheren Konsistoriums der Pommerschen Evangelischen Kirche aus der Zeit von etwa 1945 bis 2012. Etwa 60 Prozent dieser Akten sind laut Brüdegam in den vergangenen zwei Jahren bereits erschlossen worden. Weitere 500 laufende Meter Akten der ehemaligen pommerschen Landeskirche lagern derzeit in Hamburg. Für sie wird laut Brüdegam ein Erschließungsplan erarbeitet.

Das künftige Archivgut der Nordkirche wird in Kiel übernommen. Deshalb soll dort zusätzlich benötigte Archivfläche von etwa 400 laufenden Metern reaktiviert werden. Das wird voraussichtlich rund 640.000 Euro kosten. Ein weiterer Baustein des Gesamtkonzeptes ist die digitale Archivierung.
Quelle: epd/Nordkirche

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