Menu

Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) entstand aus der Fusion der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der Pommerschen Evangelischen Kirche zu Pfingsten 2012. Laut Verfassung gliedert sie sich in die drei Sprengel Hamburg und Lübeck, Mecklenburg und Pommern sowie Schleswig und Holstein. Jeder Sprengel steht unter der geistlichen Leitung einer Bischöfin oder eines Bischofs.
 
Die Sprengel sind in dreizehn Kirchenkreise unterteilt. Im Sprengel Mecklenburg und Pommern gibt es zwei Kirchenkreise: den Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg und den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. Im Kirchenkreis sind die Kirchengemeinden sowie die Dienste und Werke einer Region zu einer kirchlichen Einheit zusammengeschlossen. Der Kirchenkreis nimmt Aufgaben wahr, die den Bereich einer Kirchengemeinde vor Ort überschreiten.

Nachrichten

Bugenhagenmedaille

"Mit Freude und Beharrlichkeit vertritt Wolfgang Banditt die Belange des ländlichen Raumes“

28.07.2018 ǀ Gartz an der Oder.  „Glaube kann Berge versetzen. Das ist mir in meinem Leben sehr bewusst geworden“, sagt Wolfgang Banditt. Der 61-Jährige erhält dieses Jahr mit der Bugenhagenmedaille die höchste Auszeichnung der Nordkirche für ehrenamtliches Engagement.

Am 21. Oktober wird er sie in einem Festgottesdienst in der Gartzer Kirche St. Stephan aus der Hand von Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, empfangen. Die Erste Kirchenleitung der Nordkirche begründet ihre Entscheidung für den langjährigen Synodalen, Präses, Mitglied des Kirchenkreisrats und Kuratoriumsvorsitzenden folgendermaßen: „Herr Banditt vertritt mit Schaffensfreude und Beharrlichkeit die Belange speziell des Südostens des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Die Region, die mehrheitlich zum Bundesland Brandenburg gehört, ringt darum, in einer auf Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ausgerichteten Landeskirche entsprechend wahrgenommen zu werden. Herr Banditt kennt die Belange des ländlichen Raumes aus nächster Nähe. Auf Ebene des Kreises Uckermark ist er im politischen Bereich rege und setzt sich für die Menschen in dieser strukturschwachen Region ein.“

Er hat sich nicht einschüchtern lassen


Wolfgang Banditt hat sein ganzes Leben in Gartz an der Oder verbracht. Als Kind einer christlichen Familie ging er sieben Jahre lang zur Christenlehre und wurde konfirmiert. „Das war damals aber noch wesentlich strenger als heute“, schmunzelt er, „wir bekamen in der Christenlehre sogar eine Note“. Damals bekam er auch die Ressentiments des Staates gegenüber der Kirche zu spüren: „Die Kinder wurden von einzelnen Lehrern richtig aufgehetzt. Eine Lehrerin meinte vor der Klasse, wer heute noch zur Christenlehre gehe, der sei nicht ganz gescheit. Daraufhin bezeichneten mich einige Klassenkameraden als ‚blöde‘.“ Doch wie so oft in seinem Leben setzte sich Banditt mit seiner gelassenen Beharrlichkeit durch. „Da hat mich wohl mein Großvater geprägt“, erzählt er. Dieser hatte während des Nationalsozialismus zu seiner jüdischen Frau gestanden und konnte sie so vor der Deportation retten. „Er hat sich nicht einschüchtern lassen, auch nicht, als die Nazis ihm Aufträge entzogen und drohten, ihm sein Fuhrunternehmen wegzunehmen.“

Lies uns mal was aus der Bibel vor

Hartnäckigkeit zeigte Wolfgang Banditt auch in seinem Berufsweg: Mit 17 Jahren machte er im damaligen Petrolchemischen Kombinat (PCK) in Schwedt an der Oder eine Lehre zum Maschinist in der Energie-Erzeugung. „Als Naturmensch merkte ich aber bald, dass es mich aus der Stadt mit den Arbeiterschließfächern, in denen wir untergebracht waren, wieder aufs Land zog.“ So wechselte er in ein volkseigenes Gut in Wartin und Blumberg und arbeitete dort als ungelernter Landarbeiter. 1977 stand er vor der Entscheidung, seinen Grundwehrdienst zu leisten oder als Bausoldat den Dienst an der Waffe zu verweigern. Banditt erzählt: „Der damalige Landesjugendwart Horst Lamprecht riet mir: Mach deine Armeezeit, aber nimm die Bibel mit und sei dort Missionar.“ Es sei eine furchtbare Zeit in der NVA gewesen in dieser heißen Phase des Kalten Krieges, erzählt er. „Wenn eine Übung wieder einmal ganz unmenschlich gewesen ist, dann sagten die Kameraden häufig zu mir ‚Bandito, lies uns mal was aus der Bibel vor!‘. Die waren alle nicht in der Kirche, sie wollten aber die Weihnachtsgeschichte hören oder die Bergpredigt.“ Auf dem zweiten Bildungsweg lernte Wolfgang Banditt anschließend Agrotechniker und machte seinen Meister im Feldbau. Neben seiner Arbeit absolvierte er schließlich noch ein Fernstudium, das er als Diplom-Agraringenieur abschloss. Ab 1987 leitete er drei Jahre lang die LPG Hohenreinkendorf.

Nicht schimpfen, sondern mitreden und gestalten

Seit 1982 ist er ununterbrochen Ältester im Gartzer Kirchengemeinderat. „Dieses Engagement entspricht meinem Naturell“, erzählt Banditt. „Ich bin nicht einer, der schimpft, sondern einer, der mitreden und mitgestalten möchte. Gerade die Kirche, deren Entwicklung ich über die junge Gemeinde durch die Wendezeit bis heute erlebt habe.“ Seit 1983 ist Wolfgang Banditt Synodaler: zunächst in der Synode des damaligen Kirchenkreises Gartz/Oder - Penkun, ab 1997 dann durch die Kirchenkreisreform im Kirchenkreis Pasewalk. Neun Jahre lang war er Präses der Synode dieses Kirchenkreises. Seit Gründung der Nordkirche 2012 ist er Mitglied der Synode und des Kirchenkreisrats des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Banditt steht außerdem dem Kuratorium der Johannes-Bugenhagen-Stiftung seit ihrer Gründung 2008 vor. Allesamt ehrenamtliche Tätigkeiten, für die er häufig lange unterwegs ist. Auch politisch setzt sich Wolfgang Banditt für seine Region ein: Seit 1990 gehört er für die CDU dem Kreistag an. Derzeit ist er Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Uckermark und stellvertretender Kreistagsvorsitzender.

Wolfgang Banditt sagt über seine Region: „Mich begeistern die Menschen hier. Wir sind hier eher bodenständig, und gerade die Älteren sind standhafte und fromme Pommern. Die Leute halten zusammen.“ So hätten in den 1980er Jahren alle mit angefasst, um die im Zweiten Weltkrieg abgebrannte Gartzer Kirche in ihrer heutigen Gestalt wieder aufzubauen. „Alle haben mitgeholfen, egal ob sie zur Kirche gehörten oder nicht. Selbst die LPG-Vorsitzenden haben geschippt und ihre Geräte zur Verfügung gestellt.“ Banditt ist vierfacher Familienvater und hat drei Enkel.
Quelle: Bischofskanzlei Greifswald (ak)

Nordkirche

Annika Woydack wird neue Landesjugendpastorin

23.07.2018 ǀ Hamburg.  Gemeindepastorin Annika Woydack (44) aus Hamburg-Altona wird neue Landesjugendpastorin der Nordkirche. Sie tritt zum 1. November die Nachfolge von Tilman Lautzas (60) an, der das Jugendpfarramt auf dem Koppelsberg (bei Plön) zehn Jahre lang geleitet hat. Woydack ist seit 2009 sowohl in der Paul-Gerhardt- als auch in der Paulus-Kirchengemeinde Altona tätig und arbeitet dort schwerpunktmäßig mit Kindern, Jugendlichen und Familien.

Die gebürtige Kielerin war nach dem Theologie-Studium in Hamburg, Lausanne, Berlin und Bethel (Bielefeld) zunächst Stipendiatin in Belém do Pará (Brasilien). Nach dem Vikariat in Hamburg-Lurup und ehrenamtlicher Pastorentätigkeit in der Region Lurup-Osdorfer Born übernahm Woydack 2005 die Projektleitung von "Schule unterm Kirchturm" bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Sie hat Ausbildungen zur Montessori-Pädagogin, zur Systemischen Beraterin und Supervisorin absolviert. Außerdem ist sie Vorstandsmitglied im Kirchengemeindeverband Altona und im Vorstand des Kita-Werks Altona/Blankenese.

Bischöfin Kirsten Fehrs nannte Woydack "eine sehr offene Pastorin", die ein sicheres Gespür für die Themen der Jugend habe. "Sie ist stets auf der Suche nach interessanten Anknüpfungspunkten und zudem erfahren in Organisationsprozessen." Als Landesjugendpastorin möchte sie daran mitwirken, so Woydack, Kinder und Jugendliche bei ihrer Sinnsuche mit biblischen Geschichten so zu unterstützen, dass die Inhalte in ihrer Lebenswelt ankommen. "Dazu gehört für mich auch, Brücken zu bauen, damit Kinder und Jugendliche Kirche als religiösen Ort für sich entdecken."  

Lautzas wird am 31. August (19 Uhr) als Landesjugendpastor auf dem Koppelsberg von Bischöfin Fehrs verabschiedet. Zu seinen Schwerpunkten zählten unter anderem die Förderung des Ehrenamts sowie die Gründung der Festivalseelsorge beim Wacken-Festival. Er ist künftig Gemeindepastor in Kiel-Elmschenhagen.
Quelle: epd

Leichter Rückgang der Mitgliederzahl – Bildungsangebote stärker gefragt

Statistische Zahlen der Nordkirche für 2017 veröffentlicht

20.07.2018 ǀ Schwerin.  Zum dritten Mal in Folge ist der Mitgliederrückgang in der Nordkirche geringer ausgefallen als im jeweiligen Vorjahr. Das geht aus den jährlich im Sommer verbreiteten Statistiken hervor. Demnach hatte die Nordkirche zum 31. Dezember 2017 genau 2.027.751 Mitglieder. 

Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr von 1,75 Prozent (36.153 Mitglieder). 2016 war es ein Minus von 1,88 Prozent (39.475), 2015 waren es noch 2 Prozent (42.891), 2014 waren es 2,16 Prozent (47.481).

Auch 2017 beeinflussten vor allem demographischer Wandel und Kirchenaustritte die Mitgliederzahl. Drei Jahre zuvor (2014) war die Zahl der Austritte auch in der Nordkirche, unter anderem parallel zum bundesweit veränderten Einzugsverfahren der Kirchensteuer auf Kapitalerträge, überdurchschnittlich auf 36.915 angestiegen. Jedoch sank sie in den Folgejahren erheblich: 2015 auf 27.967 und 2016 auf 25.212. 2017 waren es 25.688.

Mit zeitlicher Verzögerung war 2017 ein Rückgang der Taufen auf 16.500 (2016: 17.331) zu verzeichnen. Zu beobachten sind parallel dazu Veränderungen in der regionalen Bevölkerungs- und Altersstruktur sowie in der individuellen Lebensplanung von Familien. Zugleich erfreuen sich von Gemeinden und im Kirchenkreis angebotene Tauffeste wachsender Beliebtheit bei den Tauffamilien und den anderen Gemeindegliedern.

3.384 Menschen wurden 2017 in die Nordkirche aufgenommen (2016: 3.556), was vor allem auf Wiedereintritte zurückzuführen ist. Ein Wiedereintritt ist in jeder Kirchengemeinde und darüber hinaus in 18 Wiedereintrittsstellen in der Nordkirche möglich.

Verbundenheit der Gemeindeglieder mit ihrer Kirche stärken

Landesbischof Gerhard Ulrich sieht in den aktuellen Zahlen auch eine Herausforderung: „Wie erreichen wir es, dass sich Gemeindeglieder wieder stärker mit ihrer Kirche verbunden fühlen? Jeder Austritt schmerzt natürlich, gerade vor Ort, in den Gemeinden. Zugleich wird von uns als Kirche nach wie vor sehr viel erwartet – zu Recht, leben wir doch aus der Gewissheit, dass jeder Mensch, unabhängig von Leistung, Herkunft und Geschlecht, von Gott angenommen ist. Diese Gewissheit wird in Zeiten, in denen die Unantastbarkeit der Menschenwürde infrage gestellt wird, dringend gebraucht.

Ich bin dankbar für das vielfältige Engagement und den Beitrag so vieler Menschen, die es ermöglichen, dass unsere Kirche ihren Auftrag erfüllen kann. Während zum Beispiel in der Weltpolitik Egoismus und Ausgrenzung um sich greifen, übernehmen immer mehr junge Freiwillige im kirchlichen Entwicklungsdienst konkret Verantwortung in globalen Zusammenhängen. Zahlreiche Kinder besuchen unsere evangelischen Kitas und Schulen, oft unabhängig von Kirchenzugehörigkeit. Sie nutzen unsere Kinder- und Jugendangebote, machen in Pfadfinderstämmen mit, erleben Vielfalt als Bereicherung und lernen dabei, die Würde des anderen zu achten.“

Vielfältige kirchliche Bildungsangebote in allen Generationen

Bei ihren Bildungsangeboten verzeichnet die Nordkirche eine wachsende Nachfrage. So stieg die Zahl der Plätze in den 897 evangelischen Kindertageseinrichtungen seit 2012 um 9,2 Prozent auf derzeit über 64.000 an. Auch religionspädagogische Angebote gehören zur Betreuung. Am evangelischen Religionsunterricht nehmen nach vorliegenden Angaben in Hamburg und Schleswig-Holstein mehr als 90 Prozent aller Grundschüler sowie zwischen 50 und 60 Prozent der Schüler an weiterführenden Schulen teil. In Mecklenburg-Vorpommern sind es fast 40 Prozent aller Schüler; das Land liegt seit Jahren an der Spitze der ostdeutschen Länder. Rund 10.000 Kinder und Jugendliche wurden 2017 in Schulen in evangelischer Trägerschaft unterrichtet – etwa 10 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Fast 2.800 davon besuchen Einrichtungen der Schulstiftung der Nordkirche – Tendenz steigend. Im Rahmen der evangelischen Jugendarbeit haben sich über 6.000 Jugendliche seit  2012 zu Teamern ausbilden lassen. Jährlich erwerben zudem mehr als 1.500 Jugendliche die Jugendleitercard (JuLeiCa). In rund 170 Stämmen sind über 9.500 Pfadfinderinnen und Pfadfinder organisiert.

Auch Kirchenmusik nehmen seit Jahren immer mehr Menschen als Bildungsangebot wahr: Mehr als 34.000 von ihnen wirken in 1.400 Chören mit. Der Nachwuchs wird unter anderem in 395 Kinder- und 121 Jugendchören gefördert. 5.500 Bläserinnen und Bläser musizieren in 330 Posaunenchören, darüber hinaus gibt es 140 Flötengruppen, 40 Orchester und über 80 Bands. Nach Angaben der Evangelischen Akademie der Nordkirche besuchten 2017 rund 7.500 Menschen ihre über 180 Veranstaltungen. 2016 waren es 6.500 in über 170 Veranstaltungen. Seit elf Jahren engagieren sich in der heutigen Nordkirche konstant über 80.000 Menschen ehrenamtlich. 2017 waren es 82.398, fast so viele wie im Vorjahr (83.313), im Jahr 2000 70.667 Ehrenamtliche.

Große Resonanz gab es zum Reformationsjubiläum 2017, zum Beispiel auf das Nordkirchenschiff: Mehr als 30.000 Menschen besuchten die Hafenfeste von Stralsund bis Glückstadt. Die Landeskirche förderte 214 Kultur- und Bildungsprojekte. Zehntausende besuchten Ausstellungen, Konzerte und Veranstaltungen. Zahlreiche Gottesdienste und Veranstaltungen am Reformationstag selbst waren überfüllt.

Weitere statistische Angaben

2017 wurden in der Nordkirche 16.431 Jugendliche konfirmiert (2016: 17.735). Die Zahl der Trauungen blieb mit 3.823 wiederum fast stabil (2016: 3.864). 2017 wurden 767 Gottesdienste anlässlich einer Eheschließung gefeiert (2016: 881), bei denen nur ein Partner bzw. eine Partnerin der evangelischen Landeskirche angehört.

Die Nordkirche gehört zu den sechs größten Landeskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie ist flächenmäßig die zweitgrößte Landeskirche, ihr Gebiet reicht von der dänischen bis zur polnischen Grenze. Zu ihr gehören rund 1.000 Kirchengemeinden mit fast 1.900 Kirchen und Kapellen.
Quelle: Nordkirche
Weitere Meldungen
www.nordkirche.de