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Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) entstand aus der Fusion der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der Pommerschen Evangelischen Kirche zu Pfingsten 2012. Laut Verfassung gliedert sie sich in die drei Sprengel Hamburg und Lübeck, Mecklenburg und Pommern sowie Schleswig und Holstein. Jeder Sprengel steht unter der geistlichen Leitung einer Bischöfin oder eines Bischofs.
 
Die Sprengel sind in dreizehn Kirchenkreise unterteilt. Im Sprengel Mecklenburg und Pommern gibt es zwei Kirchenkreise: den Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg und den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. Im Kirchenkreis sind die Kirchengemeinden sowie die Dienste und Werke einer Region zu einer kirchlichen Einheit zusammengeschlossen. Der Kirchenkreis nimmt Aufgaben wahr, die den Bereich einer Kirchengemeinde vor Ort überschreiten.

Nachrichten

19. Tag der Kirchbau-Fördervereine und Sponsoren

Landesregierung dankt Kirche und Ehrenamtlichen für "klingende Räume"

10.06.2018 ǀ Neubrandenburg.  „Wenn Räume klingen“ – unter diesem Motto stand der 19. „Tag der Fördervereine“ in der Nordkirche. Rund 160 Vertreter von Kirchbauinitiativen und Unterstützer trafen sich am Sonnabend (9. Juni) dazu in Neubrandenburg. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr die Kirchenmusik und die Glockenvielfalt. Staatssekretärin Birgit Gärtner dankte den ehrenamtlichen Helfern für ihren engagierten Einsatz „für die klingenden Räume". Exkursionen führten die Gäste nach Altentreptow und Groß Teetzleben.

„Musik in Kirchenräumen hat etwas Faszinierendes“, so Justizstaatssekretärin Birgit Gärtner in der Neubrandenburger Kirche St. Michael. Zugleich richtete sie im Namen der Landesregierung einen großen Dank „an die unermüdlich ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer in Kirchengemeinden, den Stiftungen und den 200 Fördervereinen in Mecklenburg-Vorpommern“. Nicht immer fände sich ein großer Spender. „Manchmal können Nordkirche und die Kirchenkreise oder auch das Land helfen“, so Birgit Gärtner. Doch oft sei es ein langer, beschwerlicher Weg, bis eine Orgel restauriert oder eine Glocke gegossen ist.

Kirchenmusik schlägt Brücken und ist Türöffner

Landeskirchenmusikdirektor Frank Dittmer (Greifswald) plädierte für „die Öffnung der Kirchen in Verbindung mit musikalischen Angeboten“. Dies sei „die beste Möglichkeit, Menschen dazu zu bewegen, sich ihrerseits für den Erhalt der Kirchen einzusetzen“. Davon konnten sich die Tagungsteilnehmer gleich selbst bei musikalischen Einlagen überzeugen. So begeisterte der Jugendchor unter Leitung von Frieder Rosenow ebenso wie das kleine Konzert des Dabeler Handglockenchors mit Ingrid Kuhlmann oder das Spiel der Bläser und Posaunen aus der Region um die die Vier-Tore-Stadt.

Die landesweit rund 370 haupt- und ehrenamtlich Kirchenmusiker, 6500 Musizierende in Kirchen- und Posaunenchören und anderen musikalischen Gruppen sorgen dafür, dass „unsere Kirche eine Zukunft hat, wenn wir es denn schaffen, Menschen auch weiterhin dafür zu begeistern, in Kirchen zu musizieren“, so Frank Dittmer. Dies sei vor allem in den Sommermonaten zu erleben, in denen sich, die Kirchen mit Urlaubern und Touristen füllen. Dittmer: „Auf den Inseln und in den Seebädern an der Ostsee können Sie nahezu an jedem Abend in einem überschaubaren Radius ein oder mehrere Kirchenkonzerte besuchen.“

Sein bayerischer Amtskollege Landeskirchenmusikdirektor Udo Knörr (München) berichtete wie wichtig musikalische Angebote in Kirchen für Menschen sind, die zum Ausspannen, Abschalten und „die Seele baumeln lassen“ dienen. „Dabei können tiefe innere Eindrücke entstehen, die der Urlauber nach Hause mitnimmt und die seinen Alltag nachhaltig bereichern.“ Denn viele Menschen – ob im Urlaub in Bayern, Mecklenburg oder Pommern – seien auf der Suche nach etwas, das Tragfähigkeit für die Bewältigung des Lebens bietet. „Die freie Zeit zum Entspannen lässt die Gedanken in diese Richtung mehr als im Alltag gehen und Kirchenmusik ist eine gute Brücke und ein Türöffner hinein in den Raum der Kirche und des Glaubens, denn sie lässt Freiräume zu und vermag Herzen zu öffnen“, so Udo Knörr.

Singen und Musizieren lassen Welt und Leben wacher wahrnehmen

In der Andacht zu Beginn der Tagung hatte der Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn das Thema bereits aufgegriffen und sagte: „Ja, die Kraft, die im Singen und Musizieren liegt, hilft uns, die Welt und das Leben tiefer, reicher, wacher wahrzunehmen. Auch darum sind sie beide so unverzichtbar.“ Kirche kann und soll zugleich gastfrei sein, also Raum bieten – auch mit ihren Kirchgebäuden: für Urlauber und Menschen auf der Suche, für Menschen, die sich nach Stille und Frieden sehnen, für Menschen in den Nöten ihres Lebens, für die Feier des Lebens, wann immer wir Grund haben, dankbar zu sein für unser Leben, für das Musizieren, Gott-Loben für das Fragen nach tieferem Sinn, nach Gott“.

Der Tag der Fördervereine führt die Teilnehmer am Nachmittag auf einer Exkursion zu den Kirchen Altentreptow und Groß Teetzleben. Auch dies regte erneut „den Erfahrungsaustausch untereinander an“, so Nordkirchen-Baureferent Klaus-Peter Gauer. Zudem gab Dr. Claus Peter hier einen fundierten Einblick in die Glockenvielfalt in den Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern. Als ein Klangbeispiel war die große Glocke von St. Petri in Altentreptow zu hören. „Die mehr als vier Tonnen schwere und im Jahre 1431 gegossene Glocke stammt aus der Werkstatt Rickert de Monkehagen, dessen Spuren sich auch anderswo im Norden finden – vor allem in Rostock“, so der Experte, der in den vergangenen Jahrzehnten auch in Mecklenburg vielfältig beratend tätig war, diese Aufgabe jetzt aber auf eigenen Wunsch beendet.

Dank an den Glocken-Experten Claus Peter

In einer Laudatio dankte Bischof Dr. v. Maltzahn herzlich dafür, dass der Glockensachverständige des Landesamtes für Denkmalpflege Nordrhein-Westfalen und der evangelischen Kirche von Westfalen, „sein Herz an Mecklenburg verloren“ habe. Seit dem Fall der innerdeutschen Grenze besuchte Claus Peter insgesamt 224 mecklenburgische Kirchen, inventarisiert detailliert den Bestand an Glocken und Turmuhren und recherchierte ebenso wichtige Daten zu ihrer Geschichte. Zugleich gelangten in dem Zeitraum insgesamt 75 neue Glocken in mecklenburgische Kirchen – und nicht nur das. Auch 25 Glocken aus entwidmeten Kirchen konnte der Sachverständige vermitteln, „die bei uns ein neues Zuhause und eine neue Aufgabe gefunden haben“, berichtete Bischof v. Maltzahn.

Zudem bekannte der Theologe freimütig, dass auch er durch Wirken Peters „unschätzbares Wissen aber auch eine weitere Perspektive bekommen“ habe. Wörtlich fügte Andreas v. Maltzahn hinzu: „Der Anblick der Glocken ist uns ja normalerweise verborgen – aber an ihrem Klang erkennen wir ihre Kräfte. Ihr Klang ist weit zu hören, gibt unserer Freude und unserer Trauer, unserer Hoffnung uns unseren Ängsten Ausdruck und Gott die Ehre.“

Nächstes Treffen 2019 in Sternberg

Der „Tag der Fördervereine" ist eine in Mecklenburg begründete Tradition und fand bereits zum 19. Mal statt. Eingeladen hatten der Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn und das Baudezernat der Nordkirche. Das Treffen soll den Erfahrungsaustausch fördern und ein Dank an die Engagierten sein, die zum Erhalt der Kirchen beitragen. Allein in Mecklenburg kümmern sich mittlerweile rund 145 und in Pommern knapp 50 Fördervereine um den Erhalt der Zeugnisse aus Fels und Backstein. Im Bereich der Nordkirche gibt es rund 1900 Kirchen, darunter 1.092 im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Knapp 98 Prozent der Sakralbauten in MV stehen unter Denkmalschutz. Das nächste Treffen der Fördervereine soll am 29. Juni 2019 in Sternberg stattfinden.
Quelle: kirche-mv.de (cme/dav)

Datenschutzbeauftragter der Nordkirche im Interview

Peter von Loeper: "Die Freiheit beginnt damit, dass jeder Einzelne informiert ist"

05.06.2018 ǀ Demmin/Hamburg.  Kaum gab es mehr Aufmerksamkeit für den Datenschutz als mit der kürzlich eingeführten DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung). Doch für Peter von Loeper, Datenschutzbeauftragter der Nordkirche, geht es bei diesem Thema nicht in erster Linie um Verbotsnormen, sondern um einen Bewusstseinswandel. Darum, dass die Kirche ihre Stimme für die Freiheit erhebt und die Menschen beschützt, die sonst die Verlierer einer zunehmend durch Algorithmen bestimmten Welt werden könnten.

Herr von Loeper, Sie möchten nicht, dass dieses Gespräch mit einem iPhone in der Cloud aufgezeichnet wird – warum nicht?

Es handelt sich um personenbezogene Daten und die dürfen nach unserem Recht nicht im EU-Ausland gespeichert werden. Außerdem weiß ich nicht, wer das liest oder mithört und zu welchen Zwecken es ausgewertet wird. Es ist auch nicht erforderlich, das Gespräch kann genauso gut mit einem Diktiergerät aufgezeichnet werden.

Ist denn in Ihren Augen digitale Verarbeitung überhaupt ein Problem?

Die Technologie erleichtert natürlich vieles bei der Verarbeitung und der Bereitstellung von Informationen. Wenn ich daran denke, wie wir als Juristen früher mit Findbüchern, Schreibmaschine und Post gearbeitet haben, ist unsere Arbeit jetzt mit Datenbanken, Smartphone, PC und E-Mail erheblich effizienter geworden. Auf der anderen Seite werden unsere persönlichen Daten gespeichert und hinterlassen Spuren im Internet, die akribisch gesammelt und ausgewertet werden. Da setzt Datenschutz an.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Früher war ein Vorgang in einer Papierakte abgelegt. Nach einer Weile kam die ins Archiv und die Sache geriet allmählich in Vergessenheit. Etwas anderes ist das im Internet. Dort bleiben auch alte Geschehnisse präsent, man wird sie eigentlich nicht mehr los. Zudem gibt es den sogenannten Streisand-Effekt: Wenn ich mich gegen eine Information im Internet wehre, weise ich nur noch mehr auf sie hin und das Problem wird immer größer. Datenschutz gewährt daher unter anderem das Recht auf Vergessen: Daten sind unter bestimmten Voraussetzungen zu löschen oder zu sperren.

Damit scheint der Datenschutz auf den ersten Blick die Möglichkeiten des Internets einzuschränken.

Der Datenschutz ist ein Ausdruck von ethischen Vorstellungen, in diesem Fall dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Es geht um die Würde und Freiheit des Menschen. Jeder Mensch soll selbst darüber bestimmen können, was andere über ihn wissen und was sie damit machen dürfen. Diese Freiheit beginnt damit, dass der Einzelne informiert ist. Schon daran scheitert es häufig. Den Menschen ist oft gar nicht bewusst, was sie von sich preisgeben. Sie machen sich gläsern und damit abhängig und letztlich unfrei.
Sie sprechen von den großen Konzernen, die Daten ihrer Nutzer sammeln, um Profile zu erstellen.

Ich habe einmal eine Auswertung von Google Analytics gesehen, da war ich fassungslos. So viele Informationen über Alter, Kaufkraft, Bildungsstand können da über die Nutzer einer Seite abgerufen werden. Das ist nur möglich durch die Zusammenführung von sehr vielen Daten der Menschen.

Worin liegt da genau das Problem?

Im Moment geht es vor allem um Werbung und wir spüren die Abhängigkeit noch nicht so stark. Vielleicht empfinden wir es sogar als Vorteil, wenn wir nur Werbung erhalten, die uns interessieren könnte. Oder wir empfinden es als Komfort, wenn wir Siri oder Alexa Anweisungen geben können. Es sind aber schon Geschäftsmodelle in der Pipeline, bei denen diese Daten eine zentrale Rolle spielen werden. Durch Auswertung meiner Daten wird zum Beispiel über Ratenkredite in Sekunden entschieden. Die Bewertung erfolgt durch sogenannte künstliche Intelligenz allein statistisch und der Mensch hat keine Kontrolle mehr über den Algorithmus. Es ist nicht mehr nachvollziehbar, wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist und man kann nicht mehr gegensteuern.

Oder wir erleben gerade, dass die von Facebook gesammelten Daten für die politische Willensbildung in den USA missbraucht wurden. Ganz entsetzlich ist die Vorstellung, dass ein Staat diese Daten plus Kameraüberwachung mit Gesichtserkennung nutzt, um seine Bürger zu kontrollieren. Was da auf uns zukommen kann, ist in China schon zu sehen.

Was kann Ihrer Meinung nach Kirche da tun?

Erkennbar ist das Dilemma vor dem Kirche steht. Einerseits will sie neue Medien nutzen, um die Menschen zu erreichen, in ihrer Sprache zu sprechen, nach Luther „dem Volk aufs Maul schauen“.

Und andererseits?

Kirche will sich rechtstreu verhalten und ist nach Bischof Huber auch „Kirche der Freiheit“ und sollte sich in meinen Augen für die Freiheit und Unabhängigkeit der Menschen einsetzen. Wir werden die Entwicklung nicht vermeiden können. Aber wir können uns dafür einsetzen, dass man sich zumindest bewusst macht, was da passiert. Dass man die Menschen vor den Gefahren warnt. Und sich dafür einsetzt, dass solchen Prozessen ethische Maßstäbe zugrunde gelegt werden.

In meinen Augen sollte Kirche als Anwalt an der Seite der Schwachen stehen und das sind die Menschen, die dem Internet und dessen Giganten ausgeliefert sind. Datenschutzrecht in der Kirche als Verbotsnormen wäre dann eigentlich gar nicht mehr erforderlich, weil Kirche dann von sich aus die Menschen schützen will. Mir geht es darum, dass die Kirche ihre Stimme erhebt und schützend in die Gesellschaft hineinwirkt.

Aber was heißt das aktuell für die konkrete Arbeit in Gemeinden und Einrichtungen?

Im Datenschutzrecht ist die Frage nach der Erforderlichkeit und der Verhältnismäßigkeit zentral. Das heißt, es geht darum regelmäßig zu überlegen und zu evaluieren, ob das, was ich tue, den Effekt hat, den ich mir erhoffe und ob es erforderlich ist, um mein Ziel zu erreichen.

Ein konkretes Beispiel ist etwa der Gemeindebrief. An vielen Stellen erlebe ich, dass personenbezogene Daten wie Fotos, Geburtstagslisten oder sogar Lebensläufe ins Internet gestellt werden. Selbst wenn im Einzelfall eine Genehmigung vorliegt, muss ich fragen: Ist das erforderlich? Denn eigentlich ist dieser Gemeindebrief nur für den Kreis der Gemeindeglieder gedacht und die Klickzahlen im Internet sind meistens verschwindend gering. Die Informationen sind aber weltweit offen einsehbar. Lohnt es sich, die Netzgefahren bei so einem geringen Nutzen einzugehen? Um das zu beantworten, muss ich das Datenschutzrecht nicht bemühen.

Das Datenschutzrecht ist gerade erneuert worden. Welche Auswirkungen hat das?

Inhaltlich ist in Deutschland und auch in der Kirche nicht viel Neues hinzugekommen. Der Standard war hier auch schon vor dem neuen Recht im Verhältnis zu anderen EU-Ländern hoch. Der Datenschutz ist im Moment ein großes Thema. Viele wachen auf, vielleicht auch durch die bekannt gewordenen Datenpannen. Wenn zehn Prozent der derzeitigen Aufmerksamkeit erhalten blieben, wären wir einen großen Schritt weiter.

Zurück zum Gemeindebrief: Was ist mit den Menschen, die sich vorrangig über das Netz informieren, was in ihrer Gemeinde passiert?

Man kann doch nur den Teil des Gemeindebriefes ins Netz stellen, in dem keine personenbezogenen Daten enthalten sind. Es ist doch super, die Gemeindeveranstaltungen im Internet zu finden, gerade wenn man auf Land wohnt und dann sonntags schnell schauen kann, welcher Gottesdienst am besten zu erreichen ist. Ich nutze das regelmäßig.

Und was raten Sie für die Aktivitäten in den sozialen Netzwerke? Schließlich sind da sehr viele Menschen unterwegs, die sich auch über ihren Glauben austauschen.

Ich habe auch einen Facebook-Account, den habe ich mal angelegt, um dort eine Adresse zu haben, um angeschrieben werden zu können. Natürlich ist es sinnvoll, Kontaktmöglichkeiten zu eröffnen. Welche Wege für die Kirche zulässig sein werden, wird am 5. Juni diesen Jahres ein Stück weit durch den EuGH geklärt werden. Aber noch einmal: Mir geht es vor allem darum, dass Kirche sich überlegt, an wessen Seite sie steht und ob sie das Geschäftsmodell von Facebook und Co. auch noch unterstützen will. Ich würde mir wünschen, dass sich unsere Kirche eine Meinung dazu bildet und sich dann daran orientiert - unabhängig vom Datenschutzrecht.

Aber wie soll Kirche dann im Netz auf die Menschen zugehen?

Wenn man sich über den Glauben austauscht - und das hat sehr schnell seelsorglichen Charakter - halte ich die sozialen Medien für ungeeignet und auch für unzulässig. Ich würde mir wünschen, dass man zumindest das Medium wechselt. Es gibt zum Beispiel Messenger, die unverdächtig sind, wie SIMSme von der Post oder Threema aus der Schweiz. Die Server stehen in Europa, da kommen die Amerikaner auch mit dem neuen CLOUD-Act nicht dran.

Es gibt ein Zitat des amerikanischen Philosophen Eric Hoffer, der schon vor der Digitalisierung sagte: „Wenn wir erst die technischen Möglichkeiten haben, Berge zu verschieben, wird es den Glauben nicht mehr brauchen, der Berge versetzen kann.“

Ich glaube nicht, dass Digitalisierung etwas mit dem Glauben zu tun hat. Bei dem Zitat geht es um Macht. Wenn ich den Eindruck habe, dass ich alles kann, brauche ich Gott nicht. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, dass die Technologie beziehungsweise der Glaube daran eine Ersatzreligion ist. Und da muss man noch nicht einmal in die Tempel der Hersteller von Nobel-Smartphones gehen. Unsere Botschaft ist das Evangelium und das hat Bestand. Auch wenn es Stromausfall gibt, oder es eine Notsituation zu bewältigen gilt, und sich die Digitalisierung in ihrer Oberflächlichkeit zeigt.
Quelle: Nordkirche

Landesbischof Ulrich bei Papst Franziskus

Papst vor Lutheranern: In Ökumene voranschreiten, nicht vorpreschen

05.06.2018 ǀ Rom/Schwerin.  Papst Franziskus hat in der Ökumene weitere Dialogbemühungen angemahnt, doch zugleich vor übermäßiger Ungeduld gewarnt. "Wir müssen voranschreiten, doch nicht ungestüm vorpreschen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montag Vatikanangaben zufolge bei einer Privataudienz für eine Delegation des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB) unter Leitung von Nordkirchen-Landesbischof Gerhard Ulrich.

Ziel des Dialogs sei eine vollständige Überwindung der Divergenzen, erklärte der Papst. Angesichts von Konflikten in der katholischen Kirche um gemeinsame Abendmahlsfeiern mit Protestanten warnte er vor elitärem Vorgehen in der Ökumene. Er drang vielmehr darauf, möglichst viele Gläubige in den Annäherungsprozess mit einzubeziehen.

Das gemeinsame Reformationsgedenken, zu dem der Papst am 31. Oktober 2016 ins schwedische Lund gereist war, hätte "wegen der Wunden der Vergangenheit Polemik und Missgunst hervorrufen können", sagte Franziskus. Dabei sei jedoch deutlich geworden, dass die zum Teil sehr schmerzliche Geschichte, in der Katholiken und Protestanten oft im Konflikt miteinander gestanden hätten, in den letzten 50 Jahren einer wachsenden Gemeinschaft gewichen sei.

"Impulse freigesetzt, die für uns unumkehrbar sind"

Landesbischof Gerhard Ulrich , betonte, das gemeinsame Reformationsgedenken habe "Impulse freigesetzt, die für uns unumkehrbar sind" und die auch nach 2017 gemeinsam zum Handeln aufforderten. Ulrich erhofft nach eigenen Worten konkrete Fortschritte insbesondere beim Gesprächsprozess zwischen LWB und Vatikan zu Amt, Eucharistie und Kirche.

Ulrich, der auch Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist, würdigte die Initiative der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zur Eucharistie von konfessionsverschiedenen Paaren. "Wir vertrauen darauf, dass die deutsche Ortskirche einmütig eine seelsorgerlich umsichtige sowie vor der katholischen Lehre verantwortbare Lösung findet", erklärte er. Zuletzt hatte eine geplante Handreichung zur Teilnahme protestantischer Ehepartner an katholischen Kommunionsfeiern in Einzelfällen unter den deutschen katholischen Bischöfen für Streit gesorgt.

Im Anschluss an die Papstaudienz standen Begegnungen mit dem Präsidenten des päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch, und dem Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria Ferrer, auf dem Programm. Im Rahmen ihrer bis 7. Juni währenden Italienreise wollen die LWB-Vertreter, darunter der VELKD-Catholica-Beauftragte Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, auch Aktivitäten der evangelisch-lutherischen Sozialarbeit in Süditalien besuchen.
Quelle: epd
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