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Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) entstand aus der Fusion der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der Pommerschen Evangelischen Kirche zu Pfingsten 2012. Laut Verfassung gliedert sie sich in die drei Sprengel Hamburg und Lübeck, Mecklenburg und Pommern sowie Schleswig und Holstein. Jeder Sprengel steht unter der geistlichen Leitung einer Bischöfin oder eines Bischofs.
 
Die Sprengel sind in dreizehn Kirchenkreise unterteilt. Im Sprengel Mecklenburg und Pommern gibt es zwei Kirchenkreise: den Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg und den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. Im Kirchenkreis sind die Kirchengemeinden sowie die Dienste und Werke einer Region zu einer kirchlichen Einheit zusammengeschlossen. Der Kirchenkreis nimmt Aufgaben wahr, die den Bereich einer Kirchengemeinde vor Ort überschreiten.

Nachrichten

Nordkirche

Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde bildet "Regionen"

18.03.2019 ǀ Rendsburg.  Die Synode des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde hat die Bildung von acht Regionen beschlossen. In den Regionen werden benachbarte Kirchengemeinden zusammengefasst. Die Regionen sollten Grundlage für die künftige Pfarrstellenbemessung sein und die Zusammenarbeit der Gemeinden durch ein gutes Gerüst verstetigen, sagte Propst Matthias Krüger am Sonntag. Die erste Beratung der Regionenbildung habe auf der Synode im November stattgefunden. In der Folge hatten die Kirchengemeinden Zeit, sich über die Zuordnung zu den Regionen zu verständigen.

In der Propstei Eckernförde wird es die Regionen Schwansen, Eckernförde, Dänischer Wohld, Hüttener Berge und Hamdorf-Hohn-Fockbek geben. In der Propstei Rendsburg entstanden die Regionen Rendsburg-Büdelsdorf, Kanal und Süd. Der Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde ist einer von 13 Kirchenkreisen in der Nordkirche. 
Quelle: epd

Abschiedsgottesdienst für Landesbischof Gerhard Ulrich im Schweriner Dom

Der Kapitän der Nordkirche geht von Bord

09.03.2019 ǀ Schwerin.  In der Nordkirche endet eine Ära: Mit einem Festgottesdienst im Schweriner Dom wurde am Sonnabend ihr erster Landesbischof Gerhard Ulrich in den Ruhestand verabschiedet. Seinem persönlichen Engagement, seinem Charisma und seiner Rhetorik ist es vor allem zu verdanken, dass Pfingsten 2012 die Nordkirche aus den Landeskirchen Nordelbien, Mecklenburg und Pommern gegründet wurde. Gefeiert wurde seine Verabschiedung an seinem 68. Geburtstag.

Christlicher Glaube dürfe sich nicht zufriedengeben mit dem, was man anscheinend nicht ändern könne, sagte Ulrich in seiner Predigt. Er dürfe sich daher nicht zufriedengeben mit Ungerechtigkeit, der Not der Flüchtlinge und der Verfolgung aus religiösen Gründen. "Der Überschwang des Glaubens macht nicht ruhig, sondern unruhig - auch im Ruhestand."

Als 22-jähriger Schauspieler, so Ulrich, sei er am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater von einem biblischen Psalm inspiriert worden, Theologie zu studieren. Er sei diesen Weg "als Fragender und Suchender" gegangen. "Der Landesbischof geht ab - irgendwohin. Das Licht bleibt an. Der Vorhang bleibt offen."

"Engstirnigkeit war dir ein Graus"

Als "norddeutscher Jung" habe Ulrich immer zwischen den Meeren gelebt, sagte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, der als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) Ulrichs Amtskreuz entgegennahm. "Wer im Sonnenaufgang über der Ostsee oder im Abendrot über der Nordsee nicht anfängt an eine Schöpfermacht zu glauben, der bleibt ein gefühlloses Ding." Beide Landesbischöfe sind gebürtige Hamburger.

Aber als Norddeutscher wisse er auch, was Gegenwind sei, so Meister. "Wo der Süddeutsche panisch 'Sturm' schreit, ist es für uns gerade erst eine gesunde, steife Brise." Als Landesbischof habe er Brücken gebaut und sei ein guter Zuhörer gewesen. "Engstirnigkeit war dir ein Graus."

Begegnung auf Augenhöhe

Ulrich habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der Zusammenschluss der Landeskirchen eine Begegnung auf Augenhöhe gewesen sei, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). "Zwischen großen und kleinen Kirchen, zwischen Stadt und Land, zwischen Ost und West." Für viele evangelische Christen in Mecklenburg-Vorpommern sei die Nordkirche "ein wirkliches Zuhause geworden".

Nordkirche verabschiedet ihren ersten Landesbischof

Gerhard Ulrich nimmt Abschied im Schweriner Dom

07.03.2019 ǀ Schwerin.  Schon früh tauschte er die Bühne gegen die Kanzel. Statt Schauspieler wurde er Pastor, Propst und Bischof - und war der Motor bei der Gründung einer neuen Landeskirche, deren erster Landesbischof er wurde. Jetzt geht Gerhard Ulrich in den Ruhestand.

Wenn Gerhard Ulrich einen Raum betritt, ist ihm die Aufmerksamkeit aller Anwesenden gewiss. Das liegt nicht nur an seinem hohen Amt als Landesbischof der Nordkirche, sondern an der Art seiner Präsenz: Er kommt gut rüber. Er ist offenherzig, strahlend und zugewandt. Auch in größeren Räumen braucht er nicht unbedingt ein Mikrofon - seine Stimme trägt. "Er hat Charisma", bescheinigen ihm die meisten, die ihn kennen. Schon bald wird er fehlen: An seinem 68. Geburtstag, Sonnabend 9. März, feiert Ulrich seinen Abschied im Schweriner Dom, am 31. März geht er offiziell in den Ruhestand.

37 Jahre lang stand Ulrich "im Dienst der Verkündigung", wie er sagt. Sechs Jahre davon als Landesbischof an der Spitze der Nordkirche, im Nebenamt von 2011 bis 2018 auch als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Er war Pastor in Barsbüttel, in Hamburg-Wellingsbüttel, Mentor in der Vikarsausbildung, Direktor des Predigerseminars im schleswig-holsteinischen Preetz und Propst im Kirchenkreis Angeln. 2008 wurde er von der damaligen Nordelbischen Kirche zum Bischof von Schleswig gewählt.

Schönste Geschenk war Gründung der Nordkirche

Das "schönste Geschenk seines Lebens" sei für ihn die Gründung der Nordkirche zu Pfingsten 2012 gewesen - samt der gemeinsamen Feier in Ratzeburg an langen gedeckten Tischen. Manche Unterschiede zwischen Ost und West sieht Ulrich lieber als Vielfalt und als Reichtum, den es zu bewahren gelte. Dass Kirche als Institution an Bedeutung verliere, teile sie mit anderen Institutionen, deren Bindekraft ebenfalls nachlasse. Umso wichtiger sei es, die christliche Botschaft im direkten Dialog zu transportieren: "Uns ist aufgetragen, das menschliche Antlitz der Gesellschaft aufrecht zu erhalten", sagt der Landesbischof.  

In diesem Sinne müsse Kirche auch immer politisch bleiben, wenn auch nicht parteipolitisch. "Wir dürfen uns nicht in die Sakristei zurückziehen", sagt Ulrich. Zwar lasse sich mit der Bergpredigt allein die Welt nicht regieren: "Aber Herzen, die sich von der Bergpredigt bewegen lassen, regieren die Welt anders." Dies sei umso wichtiger in einer Zeit, in der Menschenhasser, Rassisten und Antisemiten in einem Ausmaß auftreten würden, wie er es sich niemals habe vorstellen können.

"Dorthin, wo die Menschen sind"

In seiner Abschiedsrede vor der jüngsten Landessynode in Rostock-Warnemünde rief Ulrich seine Kirche dazu auf, auch an fremde, andere Orte zu gehen - "dorthin, wo die Menschen sind". Predigten in Theatern, in Lagerhäusern und Einkaufszentren. Er selbst hatte in den vergangenen Jahren die "Theaterpredigten" etabliert, vor allem in Schwerin, Rostock und Kiel. Dabei habe er "volle Hütten" erlebt und manche sehr persönlichen Gespräche - vor, hinter und auf der Bühne. "Und Sie sind wirklich ein Kirchenmann?", habe ihn einmal ein Schauspieler gefragt.

Vom Theater versteht Ulrich ohnehin eine Menge - denn vor seinem Theologiestudium studierte er drei Jahre Germanistik, Theaterwissenschaft und Schauspielkunst in Hamburg und absolvierte zwei Spielzeiten unter anderem am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater. Was er hier an Ausdrucks- und Stilmitteln lernte, habe ihm später auf den Kanzeln und in den vielen kirchlichen Gremien immer sehr geholfen, resümierte er.  

"Ich bleibe ja ein Pastor - auch im Ruhestand"

Seinen Ruhestand will Ulrich bewusst angehen. Es sei die Zeit, Bilanz zu ziehen, loszulassen und sich ein Stück weit neu zu erfinden. Schon seit einem halben Jahr befinde er sich auf einem "Letzte-Male-Marathon", sagte er kürzlich auf dem Hamburger "Theaterschiff" vor einer Handvoll Journalisten. Die meisten Gremien und Sitzungen werde er nicht vermissen, die Begegnung mit den Menschen in ihnen aber schon. Vor allem auch die horizontöffnenden Besuche in den Partnerkirchen in Übersee: "Wir hier sind nur eine Provinz der Weltchristenheit."

Rund 4.000 Stunden hat Ulrich seit 2012 in seinem Auto verbracht und dabei 400.000 Kilometer zurückgelegt. Jetzt soll es erstmal eine Auszeit geben und eine Kur am Bodensee Körper und Seele zur Ruhe kommen lassen. Er will viel laufen, also "flott spazierengehen" und Romane lesen, auch in seinem Haus in Kappeln an der Schlei. Die Theaterpredigten will er beibehalten, seine Sendereihe "So gesehen" auf Sat 1 ebenfalls. "Ich bleibe ja ein Pastor - auch im Ruhestand."

Theater, Bühne, Kanzel - und ein Handy-Klingelton mit dem Rolling-Stones-Titel "Get Off of my Cloud": Dieser Landesbischof hat wahrlich viele Menschen immer wieder begeistert, verblüfft und erstaunt. "Gerhard Ulrich ist einer der Großen", schrieb St. Pauli-Pastor Sieghard Wilm jetzt auf Facebook: "Ruhm ist ihm fremd. Der weiß, dass es Applaus gibt und Buh. Was bleibt: Segen im Blick. Auf Augenhöhe mit allen, die suchen und zweifeln und glauben wir er. Danke."
Quelle: epd
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