Nach oben

Studientag

Nordkirche soll erste lutherische Kirche mit Barmer Erklärung sein

Stralsund (rn). In der Stralsunder Kulturkirche St. Jakobi fand am Sonnabend (12.6.) ein weiterer Begegnungstag der Synodalen von Mecklenburg, Nordelbien und Pommern auf dem Weg zu einer gemeinsamen Kirche im Norden statt.

Es ging um die Bedeutung der „Barmer Theologischen Erklärung“ von 1934, die in der pommerschen Kirchenordnung – nicht aber in den beiden anderen Kirchen – ihren gewichtigen Platz hat und in die Präambel der Nordkirche aufgenommen werden soll. „Wir wollen eine Formulierung finden, mit der wir ,Barmen‘ als erste lutherische Kirche weltweit in den Bekenntnisstand aufnehmen,“ so der Hamburger Propst Dr. Horst Gorski, „denn ,Barmen’ ist Zeugnis einer innerevangelischen Ökumene, das uns nicht trennt, sondern zusammenführt.“ Hierzu stellte er den etwa 80 Anwesenden den Entwurf der Verfassungsgruppe zu diesem Punkt vor.

Der Hamburger Theologe Prof. Dr. Michael Moxter referierte über die Bedeutung und die Absicht der Barmer Erklärung. 1934 war es der Widerstand von lutherischen, reformierten und unierten Christen gegen die nationalsozialistisch gesinnten Deutschen Christen, die das Kirchenregiment übernommen hatten. Ihr Handeln und ihre Lehre verstand man als „Entstellung des Evangeliums“ und formulierte daraufhin eine Erklärung, wie der Glaube in der gegenwärtigen Lage evangeliumsgemäß zu verstehen sei“, so Moxter.

Propst i.R. Heino Falcke (Erfurt) gab als Zeitzeuge einen Überblick darüber, welche Bedeutung „Barmen“ im Leben der Kirchen in der DDR hatte. So habe etwa die Formulierung von 1934 von der „frohen Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt“ dazu geführt, daß der Kirchenbund in der DDR im Jahre 1987 eine „Absage an Geist, Logik und Praxis einer Abschreckung“ festgestellt habe und damit „erstmalig eine verbindlich bekennende Aussage im Bereich der politischen Ethik“ getroffen habe. Auch hätten diese Formulierungen der Bekennenden Kirche dazu verholfen, staatliche Eingriffe der DDR in das Leben und die Ordnung der Kirche abzuwehren. Falcke schloß seinen Vortrag mit den Worten „Die Barmer Theologische Erklärung ist eine Facette, auf die wir nicht verzichten sollten; sie gehört zu dem Salz, das in die Kirchensuppe muss, und darum täte die Nordkirche gut daran, sie in die Präambel ihrer Verfassung aufzunehmen.“

Nach dem bis heute vorliegenden Entwurf für die Präambel der Verfassung der zukünftigen Nordkirche geht die Barmer Erklärung wie folgt in den Text ein:
„Die Kirche gründet in dem Wort des dreieinigen Gottes. Gerufen von diesem Wort bekennt sich die Nordkirche zu dem Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments bezeugt, sowie in den altkirchlichen Bekenntnissen und in den lutherischen Bekenntnisschriften ausgelegt ist und wie es aufs Neue bekannt worden ist in der Theologischen Erklärung von Barmen“.

Texte der Vorträge:
Moxter: Barmen - Vortragsfassung (125 KB)

Falcke: Barmen (160 KB)


(13.6.2010)