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Nordkirche

Durch Energiebündeleinkauf 200 Kilogramm Atommüll vermieden

Von Hartmut Schulz

25.09.2014 ǀ Lübeck-Travemünde/Breklum.  Die 156 Nordkirchen-Synodalen wollen auf ihrer Travemünder Tagung zum Klimaschutz nicht nur Gesetzesentwürfe beraten. Praxisbeispiele sollen zeigen, wo Klimaschutz in der Kirche schon funktioniert - etwa beim gemeinsamen Einkauf von Strom.

Die Nordkirche in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern hat es in den vergangenen fünf Jahren geschafft, 16.547 Tonnen Kohlendioxid und über 200 Kilogramm Atommüll zu vermeiden. Diese wären entstanden, wenn sich nicht einige Kirchenkreise mit ihren Gemeinden und Einrichtungen für den gemeinsamen Bündeleinkauf von zertifiziertem Ökostrom entschieden hätten, sagt Kai Uwe Brodersen, Gebäudesystemtechniker im Kirchenkreis Nordfriesland.

Brodersen ist in Nordfriesland zuständig für Energie/Beschaffung. Er wird auf der Nordkirchen-Synode vom 25. bis 27. September in Lübeck-Travemünde über das Projekt Bündeleinkauf berichten. Begonnen wurde 2008 mit zertifiziertem Ökostrom in Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Dithmarschen. Seit 2009 wurde die Produktvielfalt der Einkaufsgemeinschaft ausgeweitet. Aktuell sind neben Strom und Erdgas auch Heizöl und Holzpellets im Angebot. Ab 2015 sollen weitere Produkte wie Telefonie folgen.

Derzeit beteiligen sich zwölf der insgesamt 13 Kirchenkreise der Nordkirche mit rund 86 Prozent ihrer insgesamt 1.045 Gemeinden und Einrichtungen am preislich günstigen Bündeleinkauf, so Brodersen. Die Produkt-Anforderungen an grünem Strom für die evangelische Kirche sind klar beschrieben. Dieser muss ausschließlich in Wasser-, Windkraft- und Photovoltaikanlagen produziert werden. Der Lieferant darf keine eigenen Atom- oder Kohlekraftwerke betreiben. Die Standorte der Kraftwerke müssen offengelegt werden. Zudem verlangt die Kirche eine Arbeits- und Grundpreisgarantie für mindestens zwei Jahre. Die Aufnahme weiterer Gemeinden muss möglich sein.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 850.000 Euro durch den gemeinsam organisierten Einkauf gespart, rechnet Brodersen vor. Das macht ihm und Mitarbeitern Mut. Gemeinsam mit der Handelsgesellschaft für Kirche und Diakonie soll der Bündeleinkauf künftig auf weitere Produkte ausgedehnt werden. Brodersen wird der Synode vorstellen, dass nach derzeitigen Planungen auch Papier und Büroartikel gemeinsam geordert werden können.

"Auch die Wartung für Glocken, Turmuhren, Rauchwarnmelder und Feuerlöscher sollen ins Angebot", sagt er. Besonders stolz aber ist Brodersen darauf, dass der kirchliche Bündeleinkauf beginnend am heutigen ersten Tag der Klimasynode auch für kirchliche Mitarbeiter geöffnet wird.
Quelle: epd