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Neues Leben im Alter

Gemeinde

Kirchengemeinden tun sich mitunter schwer damit, die Eigenständigkeit von Senioren zu fördern und zu fordern.

Im klassischen Format „Seniorennachmittag“ geht es darum, nicht nur über viele Dinge zu informieren und zu unterhalten, sondern die Meinungen der Teilnehmer auch zu fordern und zu veröffentlichen.

Möglichkeiten für einen sanften Einstieg in dieses Thema finden Sie in unseren Stundenentwürfen.

TIPP: Im Archiv (rechte Navigationsleiste) finden Sie weitere Stundenentwürfe


Gemeindenachmittag

Altwerden als Herausforderung zur Reife und Vollendung
Die Schule des Herbstes



Als Rahmen:
Farben des Herbstes – „Leuchtendes Ährengold“ – Ernte
Übergänge gestalten.
Aus den herabfallenden Blättern wird Schutz vor dem Frost und Nahrung für die kommende Generation.

Herbstlieder und Herbstgedichte
Nun wird es unübersehbar Herbst, Zeit für den Blick auf den Ertrag.
Das gilt auch für die Herbstzeit im Leben. Zugleich nehmen die Kräfte und Möglichkeiten ab. Der Tod rückt näher. Doch der Glaube kann zur großen Kraft werden.

 „Werden Sie bloß nie so alt“, sagte einmal eine hochbetagte Frau, die ich im Altersheim besuchte, zu mir. Mit einer abfälligen Handbewegung deutete sie an, dass es nicht mehr so weit her sei mit der Lebensqualität. Der körperliche Verfall setzte ihr zu, das Angewiesensein auf Hilfe, das notvolle Überstehen der Tage und Nächte in Krankheit und Schwäche.

Ich versuche, ihre Not zu erahnen. Ich erinnere mich an die ernsten Worte meines Großvaters über das Altsein: „Es gilt, Abschied zu nehmen von manchen Gewohnheiten, auch Freiheiten.“

Für ihn gehörte es zur Aufgabe des Alters, sich in Tapferkeit und Geduld zu üben.
Mittlerweile befassen sich ganze Wissenschaften mit dem Alter – von der Medizin bis zur Psychologie. Das Alter gilt als eigenständige Lebensphase, die immer länger währt, immer mehr Chancen, aber auch Herausforderungen birgt.

Eine Lebensaufgabe steht dabei im Vordergrund: Das gelebte Leben zu bejahen und sich anzunehmen als der, der man geworden ist, so beschrieb es einmal der Psychologe Erik Erikson. Mein Großvater sprach von der „Sichtung des Lebens“, die im Alter beginnen könne, das Einkehren in Erinnerungen. Es gehe darum, die Frucht der Jahre anzuschauen.

Dabei sollte auch das Schmerzliche eingestanden werden. Das, was versäumt wurde, was uneingelöst blieb. Für die Schweizer Psychologin Verena Kast geht es in der Lebensphase des Alters darum, „sich mit dem Leben zu versöhnen“. Dazu helfe ein Lebensrückblick – das Erzählen der eigenen Lebensgeschichten. Die positiven Erfahrungen sollten darin gewürdigt und nacherlebt werden. Und die negativen Erfahrungen sollten gnädig angesehen werden, damit man sie ins Leben einschließen kann – wie der Bernstein das Fossil. Doch ist so etwas aus eigener Kraft überhaupt möglich?

Mehr als in anderen Lebensphasen spielt der Glaube im Alter eine wichtige Rolle. „Religiöse Ressourcen können für das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Lebenszufriedenheit im Verlauf des Lebens insgesamt und im höheren Alter besonders eine positive Rolle spielen“, erklärt der Berliner Theologe Lars Charbonnier.

Kandidatur zum ewigen Leben
Die Bibel jedenfalls steckt voller tröstlicher Sätze. Da verkündet Jesaja das Gotteswort: „Ich will euch tragen, bis ihr grau werdet.“ Und da ist die Verheißung, zu blühen und frisch zu sein, auch wenn man alt wird – sofern man „gepflanzt ist im Hause des Herrn“ (Psalm 92).

Die Wege des Alters führen nicht mehr so sehr in die Ferne und Weite, vielmehr ins Innere. Nicht mehr mit äußeren Mitteln, mit Kraft und Leistung können Dinge bewegt werden. Wohl aber mit gefalteten Händen.

„Allein den Betern kann es noch


gelingen / Das Schwert ob unsern


Häuptern aufzuhalten“, dichtete


Reinhold Schneider und spricht


von der Kraft des Glaubens, Berge


zu versetzen.


 
Auch der Tod wird im Alter zu einem drängenden Thema. Er steht vor der Tür. Er kommt näher – auch in Gestalt von Todesanzeigen, in denen das eigene Geburtsjahr immer häufiger auftaucht. Es kommt zum Ernstfall des Glaubens. Vertraue ich wirklich auf die Botschaft Christi, mit ihm zu leben, auch wenn ich sterbe? Für meinen Großvater war es wichtig, das Altwerden nicht als Kandidatur zum Tode zu verstehen, sondern als Kanditatur zum Ewigen Leben.



Das Sterben wurde ihm zum Heimgehen, weil er darauf vertraute, erwartet zu werden. Auch kraft seines Glaubens an Christus, den Auferstandenen, konnte er mir einen Satz mit auf den Lebensweg geben, der so ganz anders klingt als der eingangs zitierte Satz.

„Hab’ keine Angst vor dem Altwerden. Es eröffnen sich Wege und Räume.


Auch hier gilt: Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig.“



Bild Goldener Herbst: Johannes Wiesmann
In: Pfarrbriefservice.de

Bild Ältere Frau: Marylène Brito
In: Pfarrbriefservice.de
Bild Lebensfreude: Christine Limmer
In: Pfarrbriefservice.de


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