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Rechtsextremismus

Integrationsbeauftragte Özoguz würdigt Neonazi-Gegner Lohmeyer

23.12.2015 ǀ Jamel.  Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat am Dienstag die Neonazi-Gegner Birgit und Horst Lohmeyer in Jamel bei Wismar (Kreis Nordwestmecklenburg) besucht und deren Engagement für Demokratie gewürdigt. Jamel sei ein warnendes Beispiel dafür, was passiert, "wenn Dörfer von Rechtsextremen regelrecht eingenommen werden", erklärte die Staatsministerin. Wer sich dagegen stellt, werde oftmals bedroht und ausgeschlossen. Es erfordere viel Kraft und Mut, sich über Jahre hinweg rechten Anfeindungen entgegenzustellen. Das Ehepaar Lohmeyer tue dies "in beharrlicher Geradlinigkeit".

Lohmeyers organisierten seit neun Jahren ein Musikfestival gegen Rechts, sagte Özoguz. Selbst durch den Brandanschlag auf ihre Scheune im vergangenen August hätten sie sich nicht unterkriegen lassen. Das verdiene höchsten Respekt und Anerkennung. Das Ehepaar zeige, dass rechte Machenschaften und Gedankengut nicht zur Normalität werden dürften. "Wir dürfen Rechtsextremen nicht die Räume überlassen, in denen sie Hass und Terror schüren und ihre menschenverachtende Strategie der nationalen Dörfer umsetzen können." Wenn das passiere, sei die freiheitlich demokratische Kultur in Gefahr.

Wie die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe vom Dienstag berichtet, will das Künstlerehepaar Lohmeyer weiter in dem 40-Einwohner-Dorf Jamel bleiben. Es sei "eine gesellschaftliche Aufgabe, die wir hier übernommen haben", sagte die Schriftstellerin Birgit Lohmeyer. Zudem warb sie "für die Idee eines Zentrums für Kultur oder politische Bildung in Jamel". Bei bisherigen Spendensammlungen sei noch nicht genug Geld zusammen gekommen. Doch das Ehepaar suche weiterhin nach einem Partner, der das Projekt realisiert, sowie nach Sponsoren.

In der Nacht zum 13. August hatte ein Feuer die Scheune des Lohmeyer-Hofes komplett zerstört. Bei der Suche nach den Tätern scheine es keine Spur zu geben, sagte Birgit Lohmeyer. Je länger so ein Delikt zurückliege, desto unwahrscheinlicher sei es, dass die Täter ermittelt werden. Für ihr Engagement wurden die Lohmeyers bereits durch mehrere Preise gewürdigt. Dazu gehört der Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Quelle: epd