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Nachruf

Warmherzig und gradlinig - Heinrich Wackwitz gestorben

Von Rainer Neumann

Heinrich Wackwitz bei seinem Ordinationsjubiläum 2005
04.01.2018  ǀ Greifswald.  Der frühere Greifswalder Superintendent Heinrich Wackwitz ist in Lobetal bei Bernau gestorben. Wackwitz war von 1984 bis 1993 Superintendent des Kirchenkreises Greifswald-Stadt und Pfarrer am Dom St. Nikolai.

Bei seinem Abschied 1993 sagte er „Mir ist viel lieber eine in die Ecke gedrängte Kirche, deren Wort glaubwürdig ist und die das Evangelium lebt. So hat sie wahrscheinlich viel tieferen Einfluss. Das war unsere Situation vor der Wende und auch unsere Chance.“ So lebte und arbeitete dieser nüchtern, aufrichtig und konsequent arbeitende Theologe der nach Frieden und Ausgleich strebte. Aus dieser Haltung heraus stellte er als Leiter des Kirchenkreises im Herbst 1989 den „Lutherhof“ zur Gründung des „Neuen Forums“ und für zahlreiche Sitzungen zur Verfügung. Wackwitz war auch Initiator der Friedensgebete im Dom St. Nikolai und gestaltete selbst die ersten beiden.

Heinrich Wackwitz wurde 1928 in Grünberg/Schlesien als Pfarrerssohn geboren. Als Luftwaffenhelfer geriet der Heranwachsende im Frühjahr 1945 in französische Kriegsgefangenschaft. Dort reifte sein Entschluss, Theologie zu studieren: „Wohl aus der Erkenntnis heraus, dass das Evangelium etwas ist, das die Menschen ganz nötig brauchen.“ Er studierte Theologie in Berlin, Greifswald und Basel und wurde Pfarrer in Wölsickendorf und Perleberg. 15 Jahre amtierte Wackwitz als Superintendent des Kirchenkreises Angermünde.

Wegweiser in unruhigen Zeiten

Zum 1. Mai 1984 begann er seine Greifswalder Dienstjahre und unterrichtete auch am Institut für Kirchenmusik die angehenden Musiker in theologischen Fächern. Seine Predigten waren nicht originell oder modisch, aber voll durch seinen Glauben und seine Person gedeckt; Ratsuchenden begegnete er mit seelsorgerlicher Warmherzigkeit. So wurde er mit seiner klaren und doch ausgleichenden Amtsführung für viele Menschen eine Hilfe und Wegweiser in unruhigen Zeiten.

Eine deutliche Position bezog Heinrich Wackwitz daher auch bei der Domeinweihung am 11. Juni 1989 und distanzierte sich von der Einladung des Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker, durch den Bischof. In seiner Predigt im „Lutherhof“, 14 Tage vor dem Ereignis, fragte er kritisch in Anwesenheit von Bischof Gienke, ob damit „in der gegenwärtigen Zeit das richtige Zeichen“ gesetzt werde. Am Empfang nach dem Einweihungsgottesdienst im „Boddenhus“ nahm er nicht teil, da er bei den vielen Gästen im Dom bleiben wollte – eine Absage gegen die von ihm als „einige Nummern zu groß“ empfundene Veranstaltung. Sein Wunsch für seine Kirche bei seiner Pensionierung formulierte er mit den Worten: „Ich wünsche ihr, dass sie beim Bemühen, in der Gesellschaft präsent zu sein, nicht in verkehrte Anpassung verfällt, sondern ihre kritische Solidarität beibehält.“

Heinrich Wackwitz verstarb an Heiligabend 2017 im Kreise seiner großen Familie. Er hinterlässt seine Witwe Hedwig geb. Kastrup mit der er seit 1956 verheiratet war; das Ehepaar bekam sechs Töchter.
Quelle: kirche-mv.de (rn)