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Projekt stärkt junge Christen in einem atheistischen Umfeld

Mut machen für ein offenes Bekenntnis

Während des Segnungsgottesdienstes in Damgarten im September tragen Jugendliche das leuchtend rote Teamer-Shirt der Evangelischen Jugend Pommern
13.10.2017 ǀ Greifswald.  Das preisgekrönte Projekt „angstfrei glauben“ des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises stärkt junge Christinnen und Christen in einem atheistischen Umfeld.

Mehr als 8.300 Gemeindeglieder unter 20 Jahren und rund 30 Junge Gemeinden (JG) gibt es im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. Jugendpastorin Tabea Bartels hat die JG auf einer ausgedehnten Rundreise besucht, um die Situation der jungen Menschen vor Ort besser kennenzulernen. Dabei machte sie Erfahrungen, die zur Entstehung des Projekts „angstfrei glauben, christliches Zeugnis im atheistischen Umfeld“ führten. Ziel des Projekts ist es, christliche Jugendliche in ihrer Glaubensausübung zu ermutigen. Offensichtlich ist solcher Mut nötig: „Junge Christinnen und Christen in Pommern nehmen sich oftmals als isoliert wahr, wenn sie von ihrem Glauben und ihrem Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit berichten. Und das, obwohl wir seit mehr als 25 Jahren in Freiheit leben“, hat Tabea Bartels im Austausch mit den Jugendlichen erlebt. Die ablehnende Haltung, wie sie in der DDR üblich war, werde vielfach noch heute weitergetragen. In ihrem alltäglichen Umfeld, zum Beispiel auch in der Schule, erlebten die Jugendlichen wenig Rückhalt. Oftmals werde dort christlicher Glaube öffentlich als Synonym für Schwäche und Zurückgebliebensein betrachtet, so Tabea Bartels. „Gerade für Jugendliche, die sich in ihrer Entwicklungs- und Selbstfindungsphase befinden, ist es schwierig, mit einer solchen, ihnen zugeschriebenen Außenseiterrolle umzugehen.“
 
Jugendliche halten ihre Religionszugehörigkeit geheim
 
In den Städten gibt es mehr Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, und die Angebote sind vielseitiger. In den ländlichen Gebieten dagegen ist die Schule meist der einzige Treffpunkt für Jugendliche. „Aus Gesprächen weiß ich, dass viele Jugendliche in der Schule lieber nicht darüber reden, dass sie getauft sind, weil sie wissen, dass sie sonst ins Abseits geraten können“, sagt die Pastorin. Manche Teamerinnen und Teamer tragen daher auch ihre beschrifteten Teamer-Shirts nicht öffentlich, sondern nur im Zusammenhang mit kirchlichen Veranstaltungen. Teamerinnen und Teamer - das sind Jugendliche, die im Evangelischen Schullandheim Sassen eine Qualifizierung zur Jugendarbeit absolvierten. Rund 80 werden jährlich in Sassen ausgebildet. „Einige Jugendliche berichten aus ihren Schulen von einer Atmosphäre, die mich manchmal an meine eigene Jugend als Christin in der DDR erinnert“, bedauert die Jugendpastorin.
 
Gemeinschaftserlebnisse befreien aus Isolation
 
Einen Zusammenhang sieht die Pastorin mit der Jugendkultur, die aktuell vor allem daraus bestehe, einer Mehrheit angehören zu wollen. „Der Mainstream ist der Richtwert für die Kids, nicht das Anderssein, wie es in vielen früheren Jugendkulturen der Fall war. Und der Atheismus ist in Ostdeutschland so stark, dass er der Mainstream ist, da fällt es dann christlichen Jugendlichen, die sich zu ihrem Glauben bekennen, unheimlich schwer dazuzugehören. Die alltägliche Erfahrung vieler christlicher Jugendlicher ist, dass es unwidersprochen bleibt, sie auszugrenzen.“ Genau in dieser Situation setzt das Projekt „angstfrei glauben“ des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises an. „Um junge Christinnen und Christen zu ermutigen, sind Gemeinschaftserlebnisse und Bestärkung die wichtigsten Mittel“, nennt Tabea Bartels die zentralen Ergebnisse ihrer Rundreise durch den Kirchenkreis und das Fundament des Projekts.
 
Landschulheim Sassen ist Zentrum der Jugendarbeit
 
Im Mittelpunkt von „angstfrei glauben“ stehen daher die Begegnungen und Wochenendveranstaltungen im Landschulheim in Sassen bei Greifswald, dem Zentrum der kirchenkreislichen Arbeit mit Konfirmandinnen, Konfirmanden und Jugendlichen. „In Sassen finden die Jugendlichen Gesprächspartner, können sich über ihre Erfahrungen austauschen und auch über mögliche Zweifel sprechen. Denn Zweifel gehören zum Glauben dazu. Auch bei Christen ist nicht alles felsenfest“, weiß Tabea Bartels. In den regelmäßigen Begegnungen, in den Camps und bei den Teamer-Ausbildungen in Sassen geht es um Fragen wie: Wo will ich dazugehören? Wo kann ich sein, wie ich bin? „Eine Heimat für das eigene Ich zu finden, das macht Sassen aus“, bringt es Tabea Bartels auf den Punkt.
 
Projekt „angstfrei glauben“ wurde mit Stiftungspreis ausgezeichnet
 
Von der Wichtigkeit des Projekts ist die Jury des Stiftungspreises der KD-Bank-Stiftung überzeugt. Der pommersche Kirchenkreis wurde für „angstfrei glauben“ mit dem diesjährigen Stiftungspreis ausgezeichnet. Zusätzlich erhält das Projekt neben den 2.500 Euro Preisgeld auch 3.000 Euro aus der regulären Stiftungsausschüttung. „Das ist eine Riesenunterstützung“, freut sich Tabea Bartels. „Die Jury war begeistert von unserem Konzept und ist auch an einer Dokumentation unserer Arbeit interessiert. Wir sind immer auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten. Das wird auch künftig so bleiben, denn das Projekt ‚angstfrei glauben‘ ist nicht auf einen begrenzten Zeitraum festgelegt, sondern begleitet uns weiter.“
 
Teilnahme hängt nicht vom Geldbeutel ab
 
Verwendet wird ein Großteil des Geldes, um die vielfältigen Begegnungen in Sassen zu finanzieren. „Die Beiträge, die wir von den Teilnehmenden einsammeln, sind nur symbolisch. Wir wollen nicht, dass die Kosten ein Hinderungsgrund für die Teilnahme sind. So soll es auch weiterhin bleiben“, sagt Tabea Bartels. Und das betrifft sämtliche Begegnungen in Sassen, vom „Großen Konficamp“ der Konfirmandinnen und Konfirmanden über Themenfreizeiten, Workshops und Weiterbildungen bis hin zur „LANDPARTY“, dem Sommertreff der Evangelischen Jugend Pommern. Als nächste Treffen finden die „Teamer plus“-Veranstaltungen im November statt. Das plus steht dabei für ältere Teamer, die an den Treffen teilnehmen, um den jüngeren ihre positiven Erfahrungen mitzugeben.
Quelle: PEK (sk)