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Morgenandacht

 
Von Matthias Bernstorf, Schwerin
 
Schön ist sie sowieso, und sie hat auch einen schönen Namen: Die Pfingstrose. Eigentlich wäre jetzt ihre Zeit, denn um Pfingsten herum blüht sie in fantastischen Farben von Purpurrot bis Violett, übrigens: ohne Stacheln. Aber in den Gärten bei uns im Land hält man derzeit noch vergeblich Ausschau nach ihr, und weil Pfingstrosen ohnehin immer spät dran sind, gibt es zu dieser Pflanze folgende Legende:
 
Am Tag, als Jesus gekreuzigt wurde, zog sich Maria Magdalena voller Traurigkeit aus Jerusalem zurück. Sie ging dorthin, wo sie am liebsten war: in ihren Garten. Dort weinte sie, und dort, wo ihre Tränen auf den Boden fielen, da entdeckte sie plötzlich zwei grüne Knospen. Und sie erinnerte sich: Hatte Jesus nicht gesagt, Gottes Liebe sei stark, stärker als der Tod? Da fasste sie neuen Mut, ging zum Grab und erlebte dort das Wunder der Auferstehung.
 
Als Maria Magdalena nun fünfzig Tage nach Ostern in ihren Garten zurückkehrte, da blühten beide Rosen purpurrot, und sie hatten keine Stacheln.
 
Seitdem gilt die Pfingstrose in christlichen Gärten als Zeichen: Christus hat dem Tod den Stachel genommen! Botanisch betrachtet ist die Pfingstrose übrigens keine echte Rose, dafür aber eine wertvolle Heilpflanze.
 
Ein Deutscher Dichter schrieb einmal: Die Pfingstrose sei wie eine späte Liebe, die dann umso tiefer glühe. Ich würde es mit Blick auf diesen eleganten Spätblüher vielleicht so sagen: Für zwei Dinge im Leben ist es nie zu spät: für die Liebe und den Glauben!
 
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