
Von Pastorin Christine Oberlin, Bützow
Drei mal acht sind - vierundzwanzig. Sieben mal fünf sind - fünfunddreißig. Dreimal zwölf macht - sechsunddreißig. Paula lehnt sich zurück und ist zufrieden.
Das hat sie jetzt schon viermal hinter sich gebracht. Mit den eigenen Kindern nachmittags am Küchentisch oder auch mal im Garten. Wie nebenbei. Das hat zum Glück funktioniert. Jetzt kommt die Enkelin mit der wohlvertrauten Tabelle an.
Oma, hörst du mich mal ab? Und weiter geht’s- drei mal neun -; vier mal drei .- Die Grundschülerin ist ganz bei der Sache.
Später gibt es ein Eis auf der Hollywoodschaukel im Garten.
Paula schaut dabei auf die akkurat angelegten Beete.
Ihr Mann legt großen Wert darauf, dass alles schön gerade ist, und einer bestimmten Ordnung folgt. Die Beete sind mit alten Ziegelsteinen eingefasst und die Wege dazwischen mit Platten verlegt. Er hatte es vorher ausgerechnet und genau vorgezeichnet.
Wenn es hektisch wurde, hatte sie den Blick auf diese Ordnung und Regelmäßigkeit gesucht und genossen.
Es half ihr, zur Ruhe zu kommen. Ist doch toll. Und das nur, weil es so ein Zahlenwerk wie das Einmaleins gibt.
Paula hat das Gefühl, ihrer Enkelin etwas Wichtiges mit auf den Weg zu geben. Aber gibt es nicht noch mehr?
Paula überlegt, wie sie ein Einmaleins des Lebens aufschreiben würde.
Als erstes fallen ihr die Zehn Gebote ein: Gott lieben, den Feiertag heiligen. Sie schaut auf ihre Enkelin, wie sie in der Sonne spielt, und da hat sie plötzlich eine Idee! „Weißt du“ sagt sie nachher beim Eis-Essen zu ihrer Enkelin, „das Einmal eins, das ist doch wirklich leicht, das kannst du ja in und auswendig. Aber nächstes Mal! Da sprechen wir über das Einmaleins der Nächstenliebe!“ „Prima“, sagt die Enkeltochter. Denn was Oma sagt – das zählt.