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Morgenandacht


Von Joachim Kretschmar, Breklum


Helden

Wer macht Menschen zu Helden? Sicherlich die Medien. Denn ohne Öffentlichkeit gibt es keine Helden. Die mutige,selbstlose, guteTat alleine reicht nicht. Erst wenn sie jemand wahrnimmt und mir zugesteht: „Das war heldenhaft!“ Erst dann werde ich zum Helden eben für jemanden. Soziale Netzwerke können leicht wie noch nie Öffentlichkeit schaffen. In Minuten kann man heute berühmt werden. Doch viele dieser „Helden“ verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Das muss nicht erstaunen: Niemand kann dauerhaft Held sein, oft bin ich es nur eine Entscheidung lang. Eines aber unterscheidet manchen Internethelden vom Helden der großen Tat: Jene im Internet ragen nirgends wirklich heraus; oft sind sie nicht besonders klug oder schön, geschickt oder mutig. Sie werden zu Helden, weil sie sich von der Masse lösen konnten. Das macht ihr Heldentum aus. Gerade weil ich weiß, dass sie nichts Besonderes sind, geben sie mir das Gefühl: auch ich könnte das sein. Casting-Shows leben von diesem Effekt: Eigentlich könnte auch ich da stehen, eigentlich bin auch ich zum Held der Nation geeignet. So werden Helden banal. Dabei ist der „Held“ das Gegenteil von alltäglich. Wohl aber gibt es im Alltäglichen unzählige Helden, die keine große Öffentlichkeit erreichen. Sie zeichnen sich als Helden aus, weil sie mutig sind und selbstlos. Und weil sie Werte haben, die für sie nicht in Frage stehen.

Da ist die Frau, die immer in der Bustür steht, damit der Bus nicht abfährt, bis der alte Herr auch eingestiegen ist. Da ist der Pfleger, der sich auch nachts noch die Zeit nimmt und zuhört und hilft. Da ist das Kind, das auf dem Schulhof ruft: „Halt, stopp!“, als ein anderes Kind geärgert wird. Die „taz“ ehrt seit einigen Jahren einmal im Jahr solche Heldinnen und Helden des Alltags. Sie schafft dadurch Öffentlichkeit für diese Menschen, die schon Held und Heldin sind für jemanden, aber von denen zu wenige wissen. Helden sind nie alltäglich und banal. Aber, sie wirken im Alltäglichen und Banalen. Und manchmal werden sie erst zu Helden, weil wir sie wahrnehmen. An Jesus bewundere ich, wie er Menschen wahrgenommen hat: den Blinden in Jericho, die kranke Frau, die nur seinen Mantel berührte, der unbeliebte Zachäus, der auf dem Baum saß. Er, Jesus, hat sie wahrgenommen und ihnen gezeigt, „ich habe gesehen, wie mutig du bist.“ So werden Helden geboren.

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