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Morgenandacht


Von Dr. Matthias Bernstorf, Schwerin
 

Eselsbrücke für die A20


Schwarz und glatt glänzt die heile Fahrbahnhälfte aber die andere? wie zerbrochene Lakritz-Platten. Die A20 bei Tribsees ist abgesackt, Richtung Rostock gesperrt, einfach furchtbar.

Als Lösung wird eine Behelfsbrücke erwogen. Und als mir dort neulich auf der Fahrt ganz langweilig war, hab ich gedacht: Wenn uns was im Gedächtnis versackt, bauen wir uns auch eine Brücke, die ist nach einem Tier benannt. Beispiel Himmelsrichtungen. Das gibt’s son Spruch. Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Norden ist sie nie zu sehen, im Westen will sie untergehn. So klingt eine Eselsbrücke. Bloß: Warum heißt die so, hab‘ ich mich gefragt.

Hier die Geschichte. Wenn ein Esel an einen Bach kommt, bleibt er erstmal stehen. Durch die spiegelnde Wasseroberfläche kann ein Esel nämlich nicht erkennen, wie tief der Bach ist. Darum wartet er. Bis ihm sein Mensch eine Behelfsbrücke baut. Ein paar Steine oder ein Brett. Der Esel setzt seinen Huf nämlich nur auf Untergrund, der fest steht.

Auf einem Esel reitet der Retter der Welt, weissagt die Bibel, ein Esel trägt Maria zum Stall nach Bethlehem. Ich glaube: Gott mag diese Wesen, die nicht drauflospreschen, sondern erstmal gucken: Wo muss ich hin? Wie komm‘ ich sicher an. Ihnen wünsch‘ ich heute eine behütete Fahrt ins Wochenende, und allen Anwohnern und Pendlern: eine Behelfsbrücke für die A20.


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Evangelische Kirche im NDR, Redaktion Schwerin
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