Nach oben

Morgenandacht


Von Andreas Timm, Bad Doberan
 

Yeah


„Yeah“ rufen sie laut, und rhythmisch an der richtigen Stelle. Und dann geht´s weiter mit „Laudato si“. „Sei gelobt, mein Gott“ singen 10 oder 20 oder manchmal auch 30 Männer, die zum Gottesdienst in unsere Gefängniskirche gekommen sind. Und manchmal schaukeln sie in der letzten Reihe, auf jeden Fall aber lächeln die meisten und machen sich ´nen Spaß. Und mir läuft ´ne Gänsehaut über den Rücken, so sehr beeindruckt mich das.

Wie man so im Gefängnis singen kann? Na, ja, die meisten, die zum Gottesdienst kommen oder zum Einzelgespräch, haben die Gefängnisseelsorge für sich als Freiraum entdeckt. Mitten hinter vergitterten Fenstern und hohen Mauern kann man oder frau frei sein – (wenigstens) im Inneren, in seinen Gedanken. Da darf derjenige frei von der Leber weg sich die Sorgen von der Seele reden – und ich höre zu und frage nach.

Denn wir haben einen Grundsatz: „Der Mensch ist mehr als seine Taten.“ Zu jedem gehört, was er liebt oder ablehnt, was er will oder nicht will, was er kann oder wozu er nicht in der Lage ist. In der Kirche ist der ganze Mensch im Blick.

Und so können die Gefangenen und ich zusammen im Gottesdienst aus vollem Herzen dieses Lied singen: „Sei gepriesen, denn du, Gott schufst den Menschen. Sei gepriesen, er ist dein Bild der Liebe. Sei gepriesen, für jedes Volk der Erde. Sei gepriesen, denn du bist wunderbar, Gott.“

„Yeah!“


Kontakt

Evangelische Kirche im NDR, Redaktion Schwerin
Dr. Matthias Bernstorf
Schliemannstraße 12a
19055 Schwerin
Tel.: Studio (0385) 34 31 85 60
Mobil: (01577) 35 21 531
Fax: (0385) 34 31 85 61
E-Mail: bernstorferr.de

www.ndr.de/kirche