Nach oben

Morgenandacht


Von Matthias Bernstorf, Schwerin

Marie Jukatcz

Heute vor 100 Jahren geschah in Weimar etwas Unglaubliches, und es klang so:

„Meine Herren und: Damen! (Heiterkeit)“. So steht es im Protokoll. Es war am 19. Februar 1919. Da sprach zum ersten Mal in einem deutschen Parlament eine Frau. Es war die Abgeordnete Marie Jukatcz, geboren vor fast genau 140 Jahren südlich von Stettin. Sie war Schneiderin, Mutter, Gründerin der Arbeiterwohlfahrt und Redakteurin der Zeitschrift „Gleichheit“. Thema ihrer Rede: Freiheit und Gleichheit.

„Vor Christus gibt es nicht Mann oder Frau, Freie oder Unfreie, sondern alle sind eins“, schreibt der Apostel Paulus. Geglaubt hat man es in der Kirche nicht so richtig. Bis eine Pastorin in der Kirche predigen darf, dauert es bis 1958. Das war Elisabeth Haseloff in Lübeck.

Zur Zeit der ersten Christen durften Frauen in der Gemeindeversammlung öffentlich ‚prophetisch reden‘, schreibt Paulus, in meinen Worten: predigen. Das war ja das Revolutionäre des Christentums, dass es aus der Gefangenschaft alter Rollenmuster befreite.

Hat man lange nicht für möglich gehalten. Ebenso wenig, dass es mal ein Parlament gibt, in dem Frauen reden dürfen, wie Marie Jukatcz. Wie haben die Männer vor 100 Jahren reagiert? Auch das steht im Protokoll: Viele schwatzen während ihrer Rede so laut, dass sie zur Ordnung gerufen wurden.


Kontakt

Evangelische Kirche im NDR, Redaktion Schwerin
Dr. Matthias Bernstorf
Schliemannstraße 12a
19055 Schwerin
Tel.: Studio (0385) 34 31 85 60
Mobil: (01577) 35 21 531
Fax: (0385) 34 31 85 61
E-Mail: bernstorferr.de

www.ndr.de/kirche


Diese Website verwendet Cookies und die Webanalyse-Tools Matomo und Google Analytics. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich hiermit einverstanden.Eine Widerspruchsmöglichkeit gibt es auf der Seite Datenschutz.