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Morgenandacht


Von Matthias Bernstorf, Schwerin


OMG

Neulich kam mein Sohn zu mir mit seinem Smartphone und hat gesagt: „Guck mal Papa! Voll das krasse Experiment auf Youtube, OMG!“ Daraufhin ich: „Äh, jaaa, sehr schön, guck‘ ich mir an. Aber was heißt eigentlich ‘OMG‘?“

Stille. Ungläubiges Staunen, Augenrollen, aber dann: pädagogisches Mitgefühl! „Och Papa! Das müsstest DU mit deinem Beruf doch wissen!“

„Nein, weiß ich nicht.“

„Überleg‘ doch mal. O-M-G. Hm? Was könnte das wohl heißen!!

„WEISS ICH NICHT SAG’S MIR EINFACH“

„Also gut. OMG bedeutet: ‚O mein Gott!‘“

Ah! Das sagte mir was! Und dann fiel’s mir ein: Das hatte ich auch schon mal am Schluss einer Whats-App-Nachricht gelesen, mich aber nicht zu fragen getraut.

OMG: In Vaddi’s Sprachmuster handelt es sich offenbar um ein Gebet, und zwar das kürzeste, das es gibt: das Stoßgebet. O mein Gott. Kann Ausdruck des Staunens sein, oder auch spontaner Dankbarkeit: „Meine Kinder sind religiös, OMG!“

Der Haken: Ich kann diese Form nicht selbst verwenden. Denn das erste Gebot in der Entschlüsselung von Jugendsprache lautet: Nicht nachmachen. Nie selbst verwenden. Wirkt immer anbiedernd. Also: rein passiver Sprachgebrauch.

Das Gute wiederum: Der, um den es eigentlich geht, versteht es – wie ich ihn mir vorstelle – auf jeden Fall, selbst ohne Worte.

Kontakt

Evangelische Kirche im NDR, Redaktion Schwerin
Dr. Matthias Bernstorf
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