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Lehrstuhlinhaber mit Beauftragung für Domchor und Bachwoche

Modeß-Nachfolge am Institut für Kirchenmusik noch offen

Von Sybille Marx

Drei Direktoren für eine Bachwoche: Frank Dittmer, Hans-Jürgen Wulf und Matthias Schneider (v.l.n.r.) leiteten 2019 das Festival geistlicher Musik als Interims-Intendanz – und tun es auch 2020.
21.07.2019 ǀ Greifswald.  Zehn Monate nach dem Weggang von Jochen A. Modeß ist immer noch offen, wer neuer Professor am Greifswalder Institut für Kirchenmusik und Musikwissenschaften wird. Gerüchten zufolge beriefe die Uni gern einen katholischen Kandidaten, die Nordkirche soll das abgelehnt haben. Offiziell bestätigt ist das nicht.

Es ist eine Situation, die offenbar zum Spekulieren anregt: Was ist los bei der Nachfolge von Modeß? Warum ist die Professur für Kirchenmusik und Chorleitung, die Jochen A. Modeß bis September 2018 innehatte, noch nicht neu besetzt, nach zehn Monaten? Warum ist für das Wintersemester 2019/20 nur eine Vertretung in Sicht, wie der Leiter des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaft der Kirchenzeitung bestätigt? Die Ostsee-Zeitung Greifswald behauptete: Der Wunsch-Kandidat der Uni sei ein Katholik. Und das sei ein Problem, weil die ausgeschriebene Professur für Kirchenmusik und Chorleitung mit einer halben Stelle als A-Kantor am Greifswalder Dom verknüpft sei und A-Kantoren in der Nordkirche evangelisch sein müssten.

Ganz korrekt ist das nicht, sagt Matthias Schneider, Direktor des Instituts für Kirchenmusik und Musikwissenschaften. Bei der ausgeschriebenen Professur handele es sich um eine 100-prozentige Hochschul-Stelle – wenn auch mit ungewöhnlicher Konstruktion. „Der Lehrstuhlinhaber hat die Beauftragung, den Domchor und die Greifswalder Bachwoche zu leiten.“ Er sei aber kein Kantor. Richtig ist, wie Schneider und auch der Sprecher der Nordkirche bestätigen: Bevor die Uni ihren Wunsch-Kandidaten berufen kann, muss das Bildungsministerium die Zustimmung der Nordkirche einholen. „Es geht hier um die Ausbildung von Menschen, die später im Verkündigungsdienst dieser Kirche stehen“, erklärt Nordkirchensprecher Stefan Döbler. Darum dürfe die Landeskirche laut 1994 ausgehandeltem Güstrower Vertrag mitreden, wie bei Theologie-Professoren.

Ob der Wunschkandidat der Uni für die Modeß-Nachfolge tatsächlich ein Katholik ist, wollen aber weder die Nordkirche, noch die Uni oder das Bildungsministerium verraten. „Personalangelegenheit“, heißt es von allen. Darüber spreche man erst, wenn es beschlossene Sache sei. Warum die Entscheidung so lange dauert, ist damit nicht beantwortet.

Mehr als 40 Bewerber

Mehr als 40 Kandidaten hatten sich auf die Professur beworben, im Frühjahr 2018 habe die Berufungskommission der Uni ihre Liste mit dem ersten, zweiten und dritten Wunschkandidaten ans Bildungsministerium geschickt, so Schneider. Das Papier muss dort also entweder längere Zeit unbearbeitet gelegen haben – oder die Verhandlungen mit der Nordkirche zogen sich hin. Oder beides. „Wir prüfen derzeit in Absprache mit dem für Kirchenangelegenheiten zuständigen Justizministerium die Stellungnahme der Nordkirche, die uns die Landesbischöfin in einem Schreiben übermittelt hat“, erklärte der Sprecher des Bildungsministeriums jetzt auf Anfrage der Kirchenzeitung. „Selbstverständlich sind wir an einer möglichst zeitnahen Berufung interessiert, um die Attraktivität des Instituts nicht unnötig zu beinträchtigen.“

Aber ist sie vielleicht schon beeinträchtigt, weil seit Modeß Weggang eine von zwei Professuren in der Kirchenmusik vakant ist? Professor Schneider winkt ab. „Bei uns läuft alles wunderbar und wird es auch weiter tun.“ Die Aufgaben habe man gut auf mehrere Schultern verteilt. Ein Absolvent des Kirchenmusikinstituts hat vorerst die Vertretung der Lehre in Kirchenmusik und Chorleitung übernommen – während Landeskirchenmusikdirektor Frank Dittmer den Domchor leitet. Die Leitung des Bachwochen-Festivals 2019 wurde von gleich drei Männern gemeinsam gestemmt: Dittmer, Schneider und Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf. Auch für die kommende Bachwoche hat dieses Trio bereits zugesagt. „Das war nötig, weil die Planungen für die Bachwoche 2020 schon beginnen mussten“, erklärt Schneider.

Ab Wintersemester soll Christiane Hrasky, Landeskantorin in der Nordkirche, dann die vakante Professur bekleiden. Sie ist für moderne Methoden in Chorleitung und Stimmbildung bekannt. „Sie wird sicher frischen Wind ans Institut bringen“, sagt Professor Schneider, „und für die Studenten ist es immer schön, verschiedene Dozenten und Stile zu erleben.“ So gesehen seien die Interimslösungen auch ein Gewinn.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 29/2019

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