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Festgottesdienst mit Bischof Abromeit

Mittelalterlicher Christustorso schmückt wieder die Kasnevitzer Kirche

17.10.2016 ǀ Kasnevitz/Rügen.  Jahrzehntelang lag sie unbeachtet auf dem Dachboden, nun ist sie restauriert und komplettiert: Eine lebensgroße spätmittelalterliche Figur des gekreuzigten Jesus schmückt seit ein paar Wochen wieder die St. Jacobs-Kirche zu Kasnevitz (Gemeinde Putbus) auf Rügen. Dies wurde am Sonntag mit einem Festgottesdienst gefeiert, in dem Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit predigte. Der Greifswalder Bischof würdigte die Figur: „Wir sehen hier die Darstellung eines Menschen im Sterben. Der mittelalterliche Künstler hat dies drastisch dargestellt mit im Todeskampf geöffnetem Mund und halbgeschlossenen Augen, da ist nichts lieblich verklärt. Dennoch geht von dieser Figur eine beeindruckende Würde aus, der die Jahrhunderte nichts nehmen konnten. Es ist gut, in unserer Zeit, die so sehr den Glücksversprechen und dem Streben nach körperlicher Perfektion und Wellness verhaftet ist, auf den Sohn Gottes verwiesen zu werden als Menschen im Leiden und Sterben, der sich gottverlassen fühlt. Denn in ihm liegt der Grund unseres Glaubens. Darum danke ich der Kirchengemeinde, dass sie sich dafür engagiert hat, diesen Kirchenschatz wieder hier in die Kirche zu bringen.“
 
Dass die Christusdarstellung wieder vollständig ist und die Kirche schmückt, hat etwas von einem Kriminalroman. Jochen Müller-Busse, vertretungsweise Pastor der Gemeinde Putbus, Kasnevitz und Vilmitz, erzählt: „1935 überließ die Kirchengemeinde den Torso zusammen mit einem Sakramentsschrein dem Garzer Ernst-Moritz-Arndt-Museum als Leihgabe. 77 Jahre lang lagerte die geschnitzte Figur dort unbeachtet auf dem Dachboden. Bei Recherchen zur 700-Jahr-Feier unserer Kirche stieß man 2011 darauf und beschloss, dass die Christusfigur wieder zurück in die St. Jacobs-Kirche solle.“ Das Museum stimmte dem Wunsch zu, und so kam die Figur, der allerdings die Füße fehlten, nach einer Restaurierung wieder zurück in die Kirche. „Vor zwei Jahren dann stieß der damalige Pastor Bodo Winkler auf dem Dachboden der Kirche zufällig auf die hölzernen Füße der Christusfigur. Diese haben die Restauratoren in Abstimmung mit den Baubeauftragten der Nordkirche angefügt, so dass heute der Torso in seiner beeindruckenden mittelalterlichen Schönheit unsere Kasnevitzer Kirche schmückt.“, freut sich Pastor Müller-Busse.
Quelle: Bischofskanzlei Greifswald (ak)