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Mecklenburgische Diakonie fordert "armutssicheren Mindestlohn"

 

Plau am See (epd). Das Diakonische Werk Mecklenburgs hat "einen armutssicheren Mindestlohn" gefordert. Wer keine Arbeit finden kann, müsse ein menschenwürdiges Existenzminimum erhalten, sagte Diakonie-Landespastor Martin Scriba am Sonnabend vor der in Plau am See tagenden Landessynode.

 

Scriba sprach von einer wachsenden Armut in Mecklenburg-Vorpommern. Die Diakonie vor Ort spüre die materielle Armut der Menschen versteckt und offen. Beispielsweise versorge allein die Schweriner Tafel in Hagenow, Ludwigslust, Crivitz, Gadebusch, Schwerin, Banzkow und Pampow im Durchschnitt 1.500 Menschen mit zusätzlichen Lebensmitteln.

 

Zudem liefere die "Kindertafel" täglich für 1.300 Schulkinder in Schwerin, Gadebusch und Ludwigslust einen Frühstücksbeutel. Weitere bis zu 50 Kinder erhielten täglich ein kostenloses Mittagessen. "Die Schere zwischen arm und reich geht auch in Mecklenburg-Vorpommern offensichtlich immer weiter auseinander", sagte Scriba. Die Tafelarbeit bezeichnete er als "das schlechte Gewissen der Gesellschaft".

 

Als längst überfällig bezeichnete der Theologe die Fusion der beiden Diakonischen Werke in Mecklenburg-Vorpommern, die im Zuge der für 2012 geplanten Nordkirche erneut angestrebt wird. Es sei der Öffentlichkeit nicht mehr zu vermitteln, dass dieser Schritt so schwer falle. Nach Angaben der pommerschen Diakonie wird die Fusion spätestens bis zum Jahresende angestrebt nach zwei gescheiterten Anläufen für einen Zusammenschluss.

 

Im Bericht des mecklenburgischen Diakonischen Werkes wird kritisiert, dass die im Kita-Gesetzentwurf des Sozialministeriums zusätzlich vorgesehenen 15 Millionen Euro vom Land für den Kita-Bereich nicht ausreichten, um den Personalschlüssel zu verbessern. Weitere mindestens fünf Millionen Euro seien erforderlich, damit ein Erzieher nur noch für 17 anstatt wie bisher für 18 Drei- bis Sechsjährige zuständig ist.

 

Diakonie-Vorstand Kirsten Balzer kündigte vor der Synode ein geplantes Aktionsbündnis Kita der Liga der Freien Wohlfahrtspflege an, das mindestens 15.000 Unterschriften für eine Volksinitiative sammeln will, damit die Qualität der Kita-Arbeit verbessert wird. Die Liga hatte dafür bereits in der Vergangenheit wiederholt einen besseren Personalschlüssel gefordert.

 

Kritisiert wird auch, dass 750.000 Euro Landesmittel für Pflegestützpunkte ausgegeben werden sollen. Eine wohnortnahe Beratung, Versorgung und Betreuung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen könne nicht über Beratungsstellen erreicht werden, die in Zentralorten aufgesucht werden müssen. Vielmehr sollten vorhandene Strukturen ausgebaut und gestärkt werden.

 

Weiterhin will die Diakonie voraussichtlich ab September im Rahmen eines neuen Projektes zugewanderte Kinder und Jugendliche aus Migrationsfamilien beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützen, heißt es in dem Bericht des Diakonie-Landespastors. In den regionalen Schulen gebe es derzeit keine gezielte Förderung dieser Kinder. In den Grundschulen gebe es eine Förderstunden im Fach Deutsch pro Woche und Klasse.

 

Zur mecklenburgischen Diakonie gehören 631 Einrichtungen mit rund 18.500 Plätzen und Wohneinheiten sowie rund 8.400 Mitarbeitern. (20.03.2010)

Copyright - epd


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