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Das Mevius-Epitaph in Wismar

Das Epitaph für David Mevius in der Wismarer Nikolaikirche

 

Neun Tage läuteten die Glocken nach dem Tod von David Mevius, Vizepräsident am Wismarer Tribunal. Vom 18. bis 26. August 1670. Mehr „Glockengeld“ floß nur anlässlich des Todes des Feldmarschalls Johann Baner in die Kasse der Wismarer Marienkirche. Der Aufwand an „Glockenspiel“ übertraf selbst den beim Tode des Generalmajors Wrangel im Jahre 1647.

 

David Mevius erblickte am Nikolaustag des Jahres 1609 in Greifswald das Licht der Welt. Sein Vater, Friedrich Mevius, war Professor des Rechts an der Universität. herzoglicher Rat und späterer Direktor des Konsistoriums. Die Mutter, Elisabeth Rhaw, war in erster Ehe mit dem Theologen David Runge verheiratet gewesen.

 

Seine Ausbildung zum Juristen genoß David Mevius an der Greifswalder Universität und auf Studienreisen an Universitäten in den Niederlanden, in Frankreich und in England. Als Syndicus der Stadt Stralsund trat er schon bald in diplomatische Verbindung zum schwedischen Hof, veröffentlichte einen vielbeachteten Kommentar des Lübischen Rechts, wurde pommerscher Landsyndicus und zog 1653 schließlich als Gründungsdirektor des Tribunals in den Wismarer Fürstenhof ein. Das Wismarer Tribunal vereinigte als höchste Gerichtsinstanz die deutschen Provinzen der schwedischen Großmacht. David Mevius wurde für seine Dienste von der schwedischen Krone geadelt und mit den Gütern Zarrentin, Baggendorf und Brönkow belehnt. Seine kommentierte Sammlung von Urteilssprüchen des Wismarer Tribunals hatte als Rechtsgrundlage nachhaltige Wirkung. (zum Lebenslauf siehe: Dei Gaudium. Das ist Treuer Gottes Knechte Freuden Lohn. Lebensbeschreibungen aus dem Umfeld des Wismarer Tribunals.- hg. von Nils Jörn, Greifswald, 2003)




Das Mevius-Wappen

Wir wissen nicht, wer das prächtige Epitaph für den am 14. August 1670 auf einer Reise in Greifswald verstorbenen Rechtsgelehrten schuf. Ursprünglich hing es in der Wismarer Marienkirche, wo sich auch die Grabkapelle der Familie befand.

Heute hängt es in St. Nikolai und wartet auf eine fachgerechte Restaurierung. Leimfugen haben sich gelöst, einzelne Teile sind abhanden gekommen – besonders schmerzlich ist der Verlust des Porträts des Verstorbenen. Die Oberfläche mit der teilweise erhaltenen wertvollen Originalfassung ist stark verschmutzt. Die im Jahre 2004 gegründete David-Mevius-Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gedächtnis an den großen Rechtsgelehrten und –praktiker zu bewahren, das Epitaph wieder in einen würdigen Zustand setzen zu lassen und dafür Spendenmittel zu sammeln. (Konto-Nr.: 232015872, BLZ: 15050500, Sparkasse Vorpommern, Kennwort: Epitaph)




Caritas

Mit einer Höhe von sechseinhalb Metern und fast vier Metern Breite ist das Werk geradezu riesig. Und es ist aus schwerem Eichenholz, was man wohl angesichts der besonders feinteiligen Schnitzerei auf den ersten Blick kaum vermuten würde!

Die lange, in Latein gehaltene Gedächtnisschrift im Zentrum ist heute stark beschädigt, da Farbschollen und Grundierung sich durch Feuchteeinwirkung vom Untergrund gelöst haben. Die von weiblichen Halbfiguren personifizierten Tugenden, die die Eigenschaften des Verstorbenen verherrlichen, haben zum Teil ihre Attribute eingebüßt. Links außen sehen wir Caritas – die Liebe – mit einem Kind auf ihrem Arm.




Fortitudo - Starkmut/Tapferkeit

Daneben innen Temperantia, beide Arme sind heute verloren. Sie goß aus einer Kanne Wasser in einen Pokal mit Wein als Sinnbild der Mäßigkeit. Ihr gegenüber auf der rechten Innenseite steht wahrscheinlich Spes – die Hoffnung. Soweit man es auf alten Aufnahmen erkennen kann, hielt sie einst Taube und Anker. Heute sind nicht nur die Unterarme mit den Attributen sondern auch die rechte Gesichtshälfte verloren. Es folgt außen rechts Fortitudo – das ist Starkmut oder Tapferkeit, erkennbar an der Säule als Attribut.

Ob eine der anderen drei Figuren, wie es für einen Juristen anzunehmen wäre, Justitia verkörpert? Zumindest die linke, den Lorbeerkranz über dem jetzt leeren Porträtmedaillon haltende weibliche Figur hielt einst ein Schwert in der Hand, das auf die Gerechtigkeit deuten könnte.

 

Fotos und Text: © Detlef Witt

eMail: witt.detlef(et)web.de

 


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