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Armutsbericht

Mecklenburg-Vorpommern mit zweithöchstem Armutsrisiko - Trend aber positiv

23.02.2016 ǀ Schwerin/Berlin.  Trotz der guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland bleibt das Armutsrisiko hoch. Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner sind besonders gefährdet, wie aus dem Armutsbericht 2016 hervorgeht, den der Paritätische und weitere Verbände am Dienstag in Berlin vorstellten. Bundesweit lag die Armutsrisikoquote im Jahr 2014 bei 15,4 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte unter dem Niveau von 2013.

In Mecklenburg-Vorpommern sank die Quote erstmals seit 2006 im Vergleich zum Vorjahr signifikant um 2,3 Prozent auf 21,3 Prozent. Dennoch lag sie immer noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt. MV belegte im bundesweiten Vergleich vor Bremen den vorletzten Platz.

Auch wenn der Trend für MV erfreulich sei, gebe es keinen Grund zur Entwarnung, sagte der Vorsitzende des Paritätischen MV, Friedrich Wilhelm Bluschke. Es sei bedauerlich, dass sich das gute Wirtschaftswachstum in Deutschland wie schon in den Vorjahren nicht in sinkender Armut niederschlage. Alarmierend sei die Entwicklung insbesondere bei Rentnern in Deutschland. Ihre Armutsquote habe sich seit 2005 fast verdoppelt, damals lag sie noch bei 10,7 Prozent.

Die Schere zwischen Arm und Reich wachse ungebrochen, sagte Bluschke. Der Abstand zwischen Baden-Württemberg mit der geringsten Armutsquote (11,4 Prozent) und dem Schlusslicht Bremen (24,1 Prozent) sei immer noch sehr hoch. Benötigt werde endlich eine konsequente Armutspolitik. Dazu gehöre, eine Steuer auf sehr hohe Vermögen sowie eine Erbschaftssteuer zu erheben.

In der regionalen Verteilung entwickelt sich das Ruhrgebiet im Westen der Republik zur neuen Armutsregion. Unter den Bundesländern verzeichnen Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine sinkende Armutsgefahr, während die Armutsrisikoquote im Ruhrgebiet auf den Höchststand von 20 Prozent kletterte.

Ob der leichte Rückgang auf Bundesebene ein Indiz dafür ist, dass das Armutsrisiko insgesamt nicht weiter zunimmt, lasse sich anhand dieser Zahl noch nicht sagen, erklärten die Verbände. In den vergangenen zehn Jahren ist die Quote von damals 14 Prozent an kontinuierlich gestiegen. Weiter wurde auf die Kinderarmutsquote verwiesen. Sie liegt mit 19 Prozent weiterhin deutlich über dem Durchschnitt. Die Hälfte der betroffenen Kinder lebt im Haushalt eines alleinerziehenden Elternteils.

Die Armutsschwelle ist von Land zu Land verschieden. EU-weit gilt, dass armutsgefährdet ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. In Deutschland liegt die Schwelle für Alleinstehende bei 917 Euro im Monat, für einen alleinerziehenden Elternteil mit einem Kind unter sechs Jahren bei 1.192 Euro und für ein Paar mit einem kleinen Kind bei 1.651 Euro. Die Schwelle variiert nach dem Alter der Kinder und beträgt etwa für Paare mit zwei älteren Kindern rund 2.100 Euro.

Der Paritätische gibt den Armutsbericht regelmäßig heraus. Erstmals haben sich weitere Verbände beteiligt, darunter das Kinderhilfswerk, die Volkssolidarität und Pro Asyl.
Quelle: epd