Nach oben

"Die Partizipationsscheibe“

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen: Nicht zum Nulltarif, aber ein Gewinn für alle

Stellten die Partizipationsscheibe vor: Stephan Rodegro, Pastorin Elisabeth Lange, Johannes Beykirch, Friedemann Müller und Pastor Dr. Dietmar Schicketanz (v.l.)
06.02.2017 ǀ Rostock.  Partizipation: Wie können Kinder und Jugendliche ernsthaft, ehrlich und umfassend in Kirchengemeinden und bei überörtlichen Angeboten beteiligt werden? Diese Frage bewegt das Team des Evangelischen Kinder- und Jugendwerkes Mecklenburg seit Langem. Jetzt liegt ein Impuls vor, der  Kirchengemeinderäte und Gremien im Kirchenkreis Mecklenburg für das Thema sensibilisieren möchte. Und zwar nicht in einem Seiten langen Konzept, sondern prägnant und informativ als „Die Partizipationsscheibe“ gestaltet.

„Die Idee dazu kam uns am Küchentisch“, berichten Friedemann Müller und Stephan Rodegro, beide Referenten im Zentrum Kirchlicher Dienste Mecklenburg (ZKD). Zu sechs aufeinander bezogenen Feldern gibt es auf der Scheibe jeweils eine Leitfrage, kurze Anregungen zur Beantwortung und Stichwörter, die den Gewinn für Kinder und Jugendliche skizzieren.

Konkret hebt das Regelwerk auf verschiedene Stufen der Beteiligung ab. So beginnt sich die Scheibe bei der Frage zu drehen, wie Kirchengemeinden ihre Kinder und Jugendlichen überhaupt informieren? Was kann diese Altersgruppe in der Gemeinde tun, welche Freiräume gibt es? „Es geht hier zunächst darum die Haltung der Gemeinde zu diesem Thema und zum Bild vom Ehrenamt zu erkunden und im Sinne einer ernsthaften Beteiligung zu verändern“, skizziert Jugendpastorin Elisabeth Lange das Ziel.

In den weiteren „Dreh“-Stufen geht es um die Fragen, wie Kinder und Jugendliche teilnehmen, wie sie angehört bzw. mitwirken können und welchen Freiraum sie zur Selbstorganisation und für eigene Entscheidungen haben. Das alles ist nicht zum Nulltarif zu haben, aber kann ein Gewinn für alle sein, ist sich das Team aus dem ZKD-Bereich Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sicher.
 
Beim Thema Mitentscheiden gibt es laut Friedemann Müller bereits gute und weitgehende Beispiele. So hatte die Kirchengemeinde Sanitz die gemeindepädagogische Stelle ausgeschrieben. Die eingeladene Bewerberin stellte sich auch interessierten Kindern und Jugendlichen vor und das Votum floss mit in die Entscheidung der Auswahlkommission des Kirchengemeinderates ein. In einer englischen Diözese werden sogar Kinder ab dem 6. Lebensjahr an relevanten Entscheidungen zu Finanzen, Personal und Raumfragen beteiligt.
 
Fachtagung zu Erfahrungen und Methoden der Partizipation

Mehr über Erfahrungen und Methoden gibt es übrigens auf der Fachtagung ,Partizipation prickelt‘ vom 28. Februar bis 1. März für Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen, Diakoninnen und Diakone in Güstrow. „Wir haben Ariane Hoppler aus Großbritannien als Referentin eingeladen. Das wird spannend und erfrischend“, blickt Friedemann Müller voraus und verweist auf mehr Infos zum Programm unter: www.ejm.de.
 
Zugleich stellt das EJM-Team klar, dass Partizipation für sie etwas anderes und mehr ist als Kinderbischöfe oder Kinder- und Jugendparlamente. „Es geht vielmehr um bewusst gestaltete Freiräume und das Lernen von Demokratie kurzum um ernsthafte und gewollte Beteiligung von Anfang an“, sagen die Referenten Stephan Rodegro und Johannes Beykirch. Zugleich unterstreichen beide, dass dies Begleitung der jungen Leute braucht. Und das wiederum fordert auch die Gemeindepädagogik heraus, sich darauf einzulassen und den Prozess gut begleiten zu können.
 
„Darüber hinaus heißt Partizipation ebenso, die Konsequenzen zu tragen und für das eigene Handeln verantwortlich zu sein“, ergänzt Pastorin Lange. „Das ist wichtig und es ist schade, dass Kinder und Jugendliche dies heute oft nicht erleben.“ Solche Erfahrungen können Heranwachsende aber beispielsweise in den kirchlichen Gruppenleiter-Kursen und Teamer-Ausbildungen sammeln.
 
Scheibe im XXL-Format wird auf KirchengemeinderatsMesse vorgestellt

„Die Partizipationscheibe“ bekommt übrigens jede mecklenburgische Kirchengemeinde in A4-Format und das EJM-Team hofft auf eine anregende Auseinandersetzung damit. Im XXL-Format wird die innovative Idee bei der KirchengemeinderatsMesse Mitte März in Salem vorgestellt. Pastor Dr. Dietmar Schicketanz vom Gemeindedienst findet den Impuls für alle kirchlichen Gremien und Ebenen enorm wichtig und erinnert an die Nordkirchenverfassung, in der es heißt: „Kinder und Jugendliche sind in allen Belangen, die ihre Lebenswelt in der Kirche betreffen, an der Entscheidungsfindung in angemessener und altersgerechter Form zu beteiligen“.
Quelle: ELKM (cme)