Nach oben

Marcus Antonioli ins Propstamt eingeführt

"Zeugnis von der Kostbarkeit und Schönheit des Glaubens ablegen"

Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn (l.) führte Marcus Antonioli (2.v.l.) ein und übergab das Amtskreuz.
04.11.2017 ǀ Wismar.  „Vielleicht ist die Fremdheit des Glaubens heute, eine Chance die Kostbarkeit und Schönheit des Glaubens wieder neu zu entdecken.“ Mit diesen Worten plädierte der neue Propst Marcus Antonioli am Sonnabend für eine Kirche, die Zeugnis vom christlichen Glauben ablegt, Räume offen hält, die die Begegnung mit anderen ermöglicht, Menschen begleitet, sich einmischt und zum Gesprächspartner wird. 

Zuvor war der Theologe in der St. Nikolai-Kirche Wismar vom Schweriner Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn, in sein leitendes Amt im Kirchenkreis Mecklenburg eingeführt worden. Unter den zahlreichen Gästen waren Justizministerin Katy Hoffmeister, der 1. Stellvertretende Landrat Matthias Diederich und Wismars Bürgermeister Thomas Beyer.

„Ein gemeinsamer Weg – das ist das die große Herausforderung unserer Zeit“, sagte Propst Antonioli in seiner Predigt und fragte, wie es gelingen könne, „gemeinsam auf dem Weg zu bleiben“. Zugleich bekannte er, dass es manchen Grund gibt, sich zu fürchten. „Was wird aus unserer Kirche – demographisch und geistlich? Wie wird der Glaube seinen Weg in die Zukunft finden?“ Doch, so der Propst; „unsere Angst und Sorge darf uns nicht dazu verführen, die Kostbarkeiten des Glaubens gut wegzuschließen. Sozusagen für Festtage aufzuheben“. Vielmehr gelte, was im 2. Timotheusbrief steht: Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit!

Daher dürfe sich die christliche Gemeinde hinaus wagen und die Türen aufreißen. Manchmal seien es die kleinen Gesten und Zeichen, die Menschen einladen und ermutigen, vielleicht auch nur für ein kleines Wegstück mitzugehen. „Vielleicht ist die Fremdheit des Glaubens heute“, formulierte Propst Antonioli, „eine Chance die Kostbarkeit und Schönheit des Glaubens wieder neu zu entdecken“. Zugleich gäbe es keinen Grund, „sich des eigenen Glaubenszeugnisses zu schämen“, sagte der Theologe mit Verweis auf den Predigtvers. Es könne sogar sein, „dass wir als Christinnen und Christen dieser Gesellschaft genau darin den wertvollsten Dienst erweisen, wenn wir diese Frage offen, ja lebendig halten“.

So gesehen sei es nicht das Schlechteste, immer wieder lebhaft darüber streiten, was denn diese Kostbarkeit ausmacht, ermunterte der Propst und sprach davon, dass dies schon heute auf ganz unterschiedliche Weise gelingt: „wo wir Räume offen halten, die die Begegnung mit dem ganz anderen ermöglichen, wo wir Menschen begleiten, ihnen das freundliche Antlitz Gott zeigen – in Krankheit und Trauer, wo wir uns einmischen und zu Gesprächspartnern werden. Aber ganz besonders, wo wir selbst uns den Verheißungen und Ansprüchen Gottes stellen, auf sein Wort hören und ihn gemeinsam loben und bekennen!“

Vor vielfältige Herausforderungen gestellt

Zuvor hatte Bischof Dr. Andreas v. Maltzahn bereits die derzeit vielfältigen Herausforderungen benannt: „Unsere Gesellschaft ist im Umbruch. Polarisierungen nehmen zu. Hier und weltweit verlangen Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung unseren Einsatz.“ Zugleich, so der Schweriner Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, stellten sich geistliche Fragen. Beispielsweise, wie es uns gelingt – persönlich wie als Gemeinde –, „ein Leben im Sinne Gottes zu führen? Wie können wir das Leben in unseren Kirchengemeinden so gestalten, dass auch Menschen auf Gott aufmerksam werden, die ohne religiöse Prägung aufgewachsen sind“, beschrieb Andreas v. Maltzahn den Weg, auf dem die evangelische Kirche in Mecklenburg unterwegs sei.

Gelegentlich habe er den Eindruck, dass Strukturdebatten diese Fragen überlagern. „Dabei ist es auch eine geistliche Herausforderung“, unterstrich der Bischof, „wie wir mit den uns anvertrauten Ressourcen umgehen, beispielsweise ob wir in den Kirchenregionen ernsthaft bereit sind, intensiver zusammenzuarbeiten“. Andererseits, so Andreas v. Maltzahn weiter, erlebe er, dass Vieles schon im Werden sei. So würden „neue Ideen werden geboren, Initiativen entwickelt. Gemeinden öffnen sich und trachten nach Vertiefung geistlichen Lebens. Gemeinsam sind wir auf dem Weg.“

Vor diesem Hintergrund wandte sich Bischof v. Maltzahn an den neuen Propst Antonioli und sagte: „Sie bringen vieles mit, das Ihnen in Ihrem neuen Dienst helfen wird“ und nannte u.a. die mecklenburgische Herkunft und zugleich die Verortung in Strukturen, Personen und Gremien der Nordkirche. Mit Leidenschaft sei der neue Wismarer Propst „Gemeindepastor gewesen – auf dem Lande ebenso wie in unterschiedlichen städtischen Kontexten.“ Er wisse also „wie es sich anfühlt in diesen verschiedenen Welten“. Zugleich betonte der Bischof: „Ein leitendes Amt zu übernehmen, bedeutet in besonderer Weise, nicht auf sich selbst, sondern auf Gott zu vertrauen.“

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es im Geschwister-Scholl-Gymnasium einen Empfang. Grußworte hielten unter anderem der 1. Stellvertretende Landrat Matthias Diederich, Wismars Bürgermeister Thomas Beyer, Synodenpräses Christoph de Boor sowie Diakonie-Landespastor Paul Philipps. Der Pasewalker Propst Andreas Haerter überbrachte Grüße aus dem pommerschen Kirchenkreis. 

Hintergrund

Pastor Marcus Antonioli stammt aus Hagenow. Nach dem Studium der Theologie in Leipzig und im südindischen Bangalore sowie dem Vikariat in Doberan, war er zunächst als Gemeindepastor in Altkalen tätig. Anschließend übernahm er die Pfarrstelle in Rostock-Groß Klein. Seinen bisherigen Gemeindepfarrdienst in der Rostocker Kirchengemeinde Heiligen-Geist trat er im Jahr 2011 an. Der 46-Jährige ist verheiratet mit einer Religionslehrerin, das Paar hat zwei Kinder.

Die mecklenburgische Kirchenkreissynode hatte den Gemeindepastor im April 2017 für zehn Jahre zum Nachfolger von Propst Dr. Karl-Matthias Siegert gewählt, der in diesem Herbst in den Ruhestand getreten ist. Das Propstamt im Kirchenkreis Mecklenburg wird von vier Pröpsten gemeinsam wahrgenommen. Die Pröpste haben ihren Sitz in Wismar, Parchim, Rostock und Neustrelitz. Mecklenburg ist einer von 13 Kirchenkreisen in der Nordkirche. In ihm gibt es 250 Kirchengemeinden mit insgesamt 170.000 Gemeindemitgliedern.

Die Propstei Wismar, der Seelsorgebereich des neuen Propstes, gliedert sich in die sechs Kirchenregionen Gadebusch, Grevesmühlen, Schwerin-Land, Schwerin-Stadt, Sternberg und Wismar mit insgesamt 69 Kirchengemeinden und ca. 46.000 Gemeindegliedern.
Quelle: ELKM (cme/dav)