Schönheit des Glaubens entdecken - Landesbischof Andreas von Maltzahn über Glauben, Kirchenfusion und Mitgliederschwund
Schwerin (svz). Er ist der neue Mann an der Spitze der mecklenburgischen Landeskirche: Bischof Andreas von Maltzahn, früher Propst in Wismar. Am 8. September wird der im Frühjahr gewählte Theologe in sein neues Amt eingeführt. Benjamin Lassiwe hat mit ihm gesprochen.
Bischof von Maltzahn, am 8. September werden Sie als Bischof der mecklenburgischen Landeskirche eingeführt. Haben Sie schon Lampenfieber?
von Maltzahn: Auf den Gottesdienst zu meiner Einführung freue ich mich. Aber dieses Amt ist schon eine große Herausforderung. Wenn ich sie dennoch annehme, dann deshalb, weil ich darauf vertraue, dass Gott etwas aus meinen begrenzten Möglichkeiten machen kann.
Was bedeutet Ihnen das Bischofsamt?
von Maltzahn: Ich finde es schön, dass im Leitungsgesetz unserer Kirche formuliert ist, dass der mecklenburgische Landesbischof Pastor bleibt – in dieser Funktion nur mit der besonderen Aufgabe, Seelsorger seiner Kolleginnen und Kollegen zu sein. Neue Wege zu entdecken, um anderen die Schönheit und Lebenskraft des Glaubens zu vermitteln, das reizt mich sehr.
Ich erlebe, dass viele Menschen auf der Suche nach einem wirklich erfüllten Leben sind. Bei Gott kann man Antworten auf die Frage nach dem Sinn seines Daseins finden. Deshalb wünsche ich mir, dass unsere Kirche verstärkt Kurse anbietet, in denen man in aller Unverbindlichkeit sein Wissen über Gott erweitern kann.
In der Öffentlichkeit hat das Thema Religion in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen – die Landeskirchen, auch die mecklenburgische, verlieren fast durchgehend Mitglieder. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
von Maltzahn: Auch ich beobachte ein wachsendes Interesse an religiösen Fragen. Menschen, die früher keinen Kontakt zur Kirche hatten, nehmen verstärkt unsere Angebote wahr. Sie lassen sich einladen zu Konzerten, schicken ihre Kinder gern auf eine evangelische Schule und setzen sich möglicherweise sogar für den Erhalt des Kirchgebäudes in ihrem Dorf ein.
Aber Mitglied der Kirche zu werden ist oft der letzte Schritt. Für manche ist auch der Gedanke, sich als Erwachsene taufen zu lassen, eine gewisse Hürde. Dabei ist die Erwachsenentaufe die urchristliche Praxis. Im Übrigen erleben ja auch andere Institutionen, dass Menschen langfristige Verbindlichkeiten zunehmend scheuen.
Kann die Kirche künftig noch flächendeckend präsent sein, oder wird man regionale Schwerpunkte setzen müssen, wie es das EKD-Zukunftspapier vorschlägt?
von Maltzahn: Angesichts knapper Finanzen ist das Modell der flächendeckenden Betreuung an seine Grenzen gekommen. Unsere Kirche will sich nicht aus der Fläche zurückziehen, aber wir dürfen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch nicht „verheizen“. Das mecklenburgische Kirchenparlament, die Landessynode, hat daher den Gemeinden nahegelegt, in der überschaubaren Region die Kräfte zu bündeln.
Warum hat der christliche Glaube auch im 21. Jahrhundert noch seinen Sinn?
von Maltzahn: Warum denn nicht? Glaube an Gott und modernes Denken schließen sich doch nicht aus! Man muss seinen Verstand nicht an der Kirchentür abgeben, im Gegenteil. Und auf die Urfragen unseres Menschseins „Warum ist überhaupt etwas und nicht nichts? Wozu lebt der Mensch? Was wird mit uns, wenn wir sterben?“ – auf diese Fragen gibt der christliche Glaube Antworten, die Halt vermitteln auch in Angst und Verzweiflung.
Auf Vorschlag des Schleswiger Bischofs Hans-Christian Knuth hat man im Frühjahr Verhandlungen über eine Nordkirche begonnen. Was erhoffen Sie sich davon?
von Maltzahn: Noch gibt es keine formellen Verhandlungen, sondern nur Sondierungsgespräche. Wir loten aus, welche Gestalt einer neuen Kirche am besten geeignet wäre. Im Blick auf eine Evangelische Kirche im Norden gibt es die Hoffnung, dass die drei Kirchen sich mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Begabungen gegenseitig befruchten können.
Welche Bedeutung wird die ehemalige mecklenburgische Landeskirche nach der Bildung einer Nordkirche noch haben?
von Maltzahn: Das ist natürlich eine wichtige Frage, inwieweit es gelingen kann, Wesentliches unserer mecklenburgischen Eigenart in einer dann viel größeren Kirche zu bewahren. Andererseits erlebe ich in den Gesprächen, dass die Partner aus Nordelbien gerade an dieser Eigenart interessiert sind – etwa an unseren Erfahrungen, kirchliche Arbeit in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft zu gestalten.
Mit freundlicher Genehmigung von: Schweriner Volkszeitung
Ausgabe vom 8.9.2007 
|