Flensburger Tageblatt: „Hoffnungsfunken: Bleibt Lübeck Bischofssitz?“
Schleswig/Plau am See (sh:z). Die Evangelischen Kirchen entlang der deutschen Ostseeküste erwägen eine Fusion. Ein solcher langfristiger Strukturwandel könnte die nordelbischen Standort-Beschlüsse kippen: Lübeck darf also hoffen, Bischofssitz zu bleiben.
Nach dem Willen der Pommerschen Evangelischen Kirche und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs sollen die Kirchenstrukturen Norddeutschlands neue Formen bekommen. Angedacht und von beiden Synoden bestätigt sind Gespräche über eine Fusion mit der Nordelbischen Kirche. Damit öffnen sich für Lübeck wieder Chancen, auch künftig Bischofsstadt zu bleiben.
Wie Nordelbiens leitender Bischof Hans Christian Knuth gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag sagte, werden die Fusionsgespräche über eine Nordkirche von der deutsch-dänischen Grenze bis zur polnischen Grenze mehrere Jahre dauern. Dabei müsste die künftigen Strukturen „behutsam und tiefgründig“ erörtert werden. „Wir werden über Vieles neu nachzudenken haben. Dazu gehört auch die Frage des Standortes der Kirchenleitung und der Bischofssitze“, sagte der Schleswiger Bischof.
Die Herbstsynode hatte im vergangenen Jahr eine Neuordnung der Bischofsämter in Schleswig-Holstein und Hamburg beschlossen. Sie sieht einen Landesbischof mit Sitz in Kiel an der Spitze vor. Zudem soll es zwei weisungsgebundene regionale Bischöfe in Hamburg und Schleswig geben. Der Bischofssitz in Lübeck soll dagegen wegfallen, was in der Travestadt zu heftigen Protesten führte. Die Entscheidung muss noch durch eine Änderung der Kirchenverfassung bestätigt werden. Dafür ist in der Synode eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig. Diese scheint aber nun wackelig geworden zu sein. Bereits im Mai treffen sich die Kirchenleitungen Nordelbiens, Pommerns und Mecklenburgs.
Zum Abschluss der Synode der Kirche in Mecklenburg sagte der dort neu gewählte Landesbischof Andreas von Maltzahn, er habe mit der Nordelbischen Kirche gute Erfahrungen gemacht und habe keine Berührungsängste. Wichtig werde sein, in den Gespräche nicht nur auf das zu schauen, „was wir verlieren könnten bei einer Vereinigung, sonder die Vision einer Nordkirche zu entwickeln“. Die 55 Synodalen hatten trotz des raschen einstimmigen Votums für Gespräche mit beiden Seiten das Thema kontrovers diskutiert und das Scheitern des Zusammengehens mit Pommern bedauert.
Auch Pommerns Bischof Hans-Jürgen Abromeit begrüßte die Entscheidung der Mecklenburger: „Damit ist der Weg frei für erste Schritte hin zu einer künftigen Nordkirche.“ die Pommersche Evangelische Kirche hatte bereits vor zwei Wochen für Fusionsgespräche votiert.
Aus: sh:z/Flensburger Tageblatt vom 02.04.2007

|