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Greifswalder Theologieprofessor: Aufgaben radikal beschränken - Leitungskongress von Willow Creek beendet
Stuttgart (idea/kmv). Mit Ratschlägen für Führungskräfte in Kirchengemeinden und Gemeinschaften, wie sie ihren Dienst wirkungsvoller wahrnehmen können, endete am 28. Januar ein dreitägiger Leitungskongress in Stuttgart. An der Veranstaltung der Bewegung Willow Creek Deutschland nahmen mehr als 7.100 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter von landes- und freikirchlichen Gemeinden teil. Willow Creek ist der Name einer US-amerikanischen Gemeinde in South Barrington bei Chicago, die durch attraktive Gottesdienste für kirchenferne Menschen und durch ihr sozialdiakonisches Engagement weltweit als Inspirationsquelle für Gemeinden gilt, die wachsen oder sich geistlich erneuern wollen. Ihr Gründer und Hauptpastor, Bill Hybels, bezeichnete es auf dem Kongress als wichtigste Aufgabe von Führungskräften, Visionen zu entwickeln und Menschen für ihre Verwirklichung zu begeistern. Entscheidend für das Wachstum von Gemeinden seien nicht großartige Strategien, sondern wie die Leitung mit Mitarbeitern umgehe. Ferner sollten sich Gemeindeleiter um eine ständige Verbesserung ihrer Management-Fähigkeiten bemühen. Mittelmäßigen Führungspersonen gelinge es in der Regel nicht, besser qualifizierte Personen etwa aus der Wirtschaft für kirchliche Leitungsaufgaben zu gewinnen, so dass eine Gemeinde auf Dauer im Stillstand verharre.
Rat an Gemeinden: Aufgaben radikal beschränken
Eine radikale Aufgabenbeschränkung empfiehlt der evangelische Theologieprofessor Michael Herbst (Greifswald) Kirchengemeinden und christlichen Gemeinschaften. Sie sollten sich fragen, welche Aktivitäten sie für unaufgebbar halten, und alles andere zurückstellen, sagte der Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald auf dem Leitungskongress am 27. Januar in Stuttgart. Laut Herbst sollte jede Gemeinde mit wenigen Sätzen ausdrücken können, wie sie den allgemeinen kirchlichen Auftrag umsetzt, Menschen mit Jesus Christus in Kontakt zu bringen. Nötig seien präzise Beschreibungen, die „etwas anderes“ seien als mühsam formulierte Leitsätze wie „Unsere Gemeinde bezeugt der Welt die Liebe Gottes“. Beispielsweise könne es heißen: „Wir haben die Aufgabe, in diesem Viertel besonders den sozial schlecht gestellten Kindern und Jugendlichen Gottes Liebe zu bezeugen, indem wir ihnen Schularbeitenhilfe, Spiel- und Sportangebote und persönliche Betreuung anbieten und indem wir ihnen bezeugen, dass sie für Jesus unaufgebbar sind. So hoffen wir, dass auf Dauer auch ihre Familien gewonnen werden. Mit ihnen wollen wir die Gemeinde bilden und die Gottesdienste gestalten, die zu diesem Viertel passen.“ Herbst hält drei konkrete Aufgaben für ausreichend.
Markenzeichen für Gemeindeentwicklung
Willow Creek Deutschland lädt seit 15 Jahren zu Konferenzen ein, um die US-amerikanischen Erfahrungen und Anregungen für den deutschsprachigen Raum fruchtbar zu machen. Der Vorsitzende, der Pastor und Journalist Ulrich Eggers (Cuxhaven), zog ein positives Fazit. Der Kongress habe „vielleicht die größte geistliche Dichte und Reife aller bisherigen Konferenzen“ gehabt, sagte er gegenüber idea. Im Mittelpunkt habe der Blick auf Jesus Christus und seinen Auftrag zur ganzheitlichen Evangelisation gestanden. Erfreulich sei die wachsende Zusammenarbeit mit den Landeskirchen. Laut Eggers sind Willow-Creek-Kongresse zu einem Markenzeichen für Gemeindeentwicklung und Ermutigung von Haupt- und Ehrenamtlichen geworden.
(29.01.2012) Quelle: idea

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