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Johannes Bugenhagen

Lebensausklang

Johannes Bugenhagen an der Kanzel von St. Marien in Pasewalk. Foto: Elke Ernst
Der letzte Lebensabschnitt sollte Bugenhagen unter mancherlei schwere Belastungen stellen. Im Sommer 1546 begann der Kaiser, mit Waffengewalt gegen die Reformation vorzugehen. Viele Universitätsangehörige, unter ihnen auch Melanchthon, verließen die Stadt. Bugenhagen blieb - sein Platz war an der Seite der in Angst und Schrecken versetzten Gemeinde. In Predigt, Gebet und seelsorgerlichem Zuspruch wirkte er beruhigend und stärkend auf seine Umgebung ein.
 
Neue Gefahr drohte, als auf dem Augsburger Reichstag 1547/48 unter dem Druck des siegreichen Kaisers das sog. Augsburger Interim beschlossen wurde. Es gewährleistete zwar lutherische Lehre, ebnete aber praktisch einer weitgehenden Rekatholisierung die Wege.
 
In einem Brief an den Rektor der Greifswalder Universität schrieb er: "Wir schreien allhie in diesem Landen und öffentlich von der Canceln zu Gott, dass er uns erhalte im reinen Evangelio Jesu Christi."
 
Trotz allmählich abnehmender Kräfte bewältigte Bugenhagen auch in den letzten Lebensjahren ein beeindruckendes Arbeitspensum. Vielfältige Korrespondenz, Stellungnahmen und Gutachten, meistens gemeinsam mit Melanchthon, kleine Reisen zu Verhandlungen über theologische oder kirchliche Fragen füllten neben der pfarramtlichen Tätigkeit und der Lehre an der Universität seine Tage.

Grabplatte Bugenhagens in der Wittenberger Pfarrkirche. Foto: Neumann
Noch im 70. Lebensjahr begann er an der Universität mit einer erneuten Vorlesung der Psalmenharmonie, die er zu einer Evangelienharmonie ausbaute. Deren Drucklegung hat er jedoch nicht mehr erlebt. Bis ein Jahr vor seinem Tod hat er sein Predigtamt in Wittenberg versehen..
 
In einem Brief an den dänischen König Christian III. vom 13. Januar 1553 hat er sein Tagwerk und seine Situation so gekennzeichnet: "Hier predige ich, lese Lectionen in der Schulen, schreibe, richte Kirchensachen aus, examiniere, ordiniere und sende viel Prediger aus, bete mit unser Kirchen und befehle alles dem himmelischen Vater im namen unsers HERRN Jesu Christi und werde mit meinen lieben Herrn und Brudern dafur wol geplaget von den Teufelschen, Lügenern, Lesterern, Heuchelern und andern Schwermern...".
 
Nach 37jähriger Tätigkeit im Dienste der Reformation starb Johannes Bugenhagen in der Nacht vom 19. zum 20. April 1558. Er wurde in der Pfarrkirche Wittenberg, wo er "das liebe Evangelio" gepredigt hatte, begraben.