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Landeserntedankfest MV in Siedenbollentin

Erst ackern, dann feiern

Die Ernte von den Äckern rund um Siedenbollentin ist eingefahren, nun wird gefeiert. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand“ – unter anderem mit diesem Liedvers werben Kirche und Kommune für ihr gemeinsames Fest.
30.09.2017 ǀ Siedenbollentin.  Anreisen, bitte! Das 600-Einwohner- Dorf Siedenbollentin bei Altentreptow hat den Boden bereitet für das zentrale Landeserntedankfest an diesem Sonntag, 1. Oktober. 5.000 bis 10.000 Besucher werden erwartet. Wie die Vorbereitungen liefen und wie er als Nicht-Christ über Erntedank denkt, verrät Bürgermeister Thorsten Haker, (CDU) im Interview mit Sybille Marx.

Herr Haker, was bedeutet Ihnen, der Sie nicht christlich verwurzelt sind, das Erntedankfest?

Ich sehe es als eine Festlichkeit, bei der wir die Erfolge feiern und genießen, die die Landwirte nach monatelanger harter Arbeit eingefahren haben. Siedenbollentin ist noch sehr stark von der Landwirtschaft geprägt, wir haben fünf Betriebe, die direkt im Ort oder der Umgebung wirtschaften. Insofern spielt Ernte bei uns eine große Rolle.

Wofür können die Siedenbollentiner noch dankbar sein?

Dafür, dass wir ein lebendiges, funktionierendes Dorf mit einer intakten Infrastruktur haben, und das inmitten von wunderschöner Landschaft mit Seen, gesundem Wald, Feldern ... Gleichzeitig ist Siedenbollentin gut angebunden, liegt an einer Kreisstraße und nah an der Autobahn, ohne ein Durchfahrtsort zu sein. Vertreter der Polizei und andere, die gerade zur Besprechung her kamen, waren hellauf begeistert: dass es so ein schönes Dorf im Osten Mecklenburg-Vorpommerns überhaupt gibt! Das Motto unseres Erntedankfestes lautet „Wurzeln erhalten, Neues gestalten“, und das wird hier seit Generationen gelebt. Wir danken also auch unseren engagierten Großeltern und Eltern dafür, dass sie Siedenbollentin so errichtet haben, wie wir es vorfinden und genießen.

Ist es mehr Last oder mehr Lust, das Landeserntedankfest auszurichten? Mit nur 600 Einwohnern.

Es muss Lust sein, sonst würden wir es nicht machen! Natürlich ist es ein Riesenaufwand, aber wir als Kommune haben das mit der Kirche zusammen entschieden. Seit einem Jahr sind wir dabei, das Programm vorzubereiten. Zehn Arbeitsgruppen haben sich gebildet, anfangs trafen sie sich alle acht Wochen, dann in immer kürzeren Abständen. Alle sind noch lustvoll dabei, obwohl die Arbeit im Feierabend passiert – das ist die eigentliche Leistung.

Hat die Vorbereitungsphase das Dorf verändert?

Wir sind noch näher zusammengerückt. Und es sind Talente zu Tage getreten, die man an anderen noch gar nicht kannte: künstlerisches Talent, Talent im Organisieren, Dekorieren und und und. Auch baulich hat sich viel verändert. Die wenigen Dreckecken, die wir noch hatten, sind verschwunden. Viele Bewohner haben auch ihre Hausfassade gestrichen – so viele Baugerüste habe ich vorher noch nie hier gesehen.

Wie eng sind Kirche und Kommune in Siedenbollentin verwoben?

Zwischen uns passt kein Blatt! Das hat man auch bei den Vorbereitungen gesehen: Es gab eine eigene Arbeitsgruppe „Kirche“, die von Landwirt Matthias Beerbaum geleitet wurde, dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderats, und die sich sehr eingebracht hat. Zur Eröffnung des Fests wird es außerdem einen ökumenischen Gottesdienst geben, den wir auf eine Leinwand in einem Festzelt übertragen. Bei schönem Wetter öffnen wir die Wände, damit noch mehr Menschen zusehen können. Ich gehe davon aus, dass sich 2000 bis 3000 Leute um die Kirche versammeln. Direkt danach geht ja auch der große Festumzug los.

Und was müsste passieren, damit Sie sagen: Ich glaube, dass es einen Gott gibt, und dem danke ich…?

Oh, gute Frage! Ich finde es erstmal gut, dass jeder seinen Glauben haben darf. Wenn es ein tolles Fest wird, werden die, die dafür gebetet haben, das sicher ihrem Gott zuschreiben und ihm danken. Wir anderen können dankbar sein, dass die Gläubigen gewissermaßen Hilfe aus einer anderen Sphäre angefordert haben. Es gibt in unserer Gemeinde durchaus viele, die als Gläubige leben, so haben wir auch unsere Einladung formuliert. Es steht zum Beispiel darin: „Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“ Kirche und Kommune laden bewusst gemeinsam ein.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 39/2017

PROGRAMM
  • Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, 1. Oktober, 10 Uhr, Kirche Siedenbollentin. Predigt: Bischof Abromeit.
  • 11 bis 18 Uhr Händlermeile
  • Ab 11.45 Uhr Festumzug mit Kutschen, alten Traktoren und mehr
  • Ab 14.15 Festreden
  • Ab 14 Uhr Kaffeetafel, Konzerte, Strohhüpfburg, Tanz, Disco, Kinderschminken und mehr.
  • 21.15 Feuerwerk am See
Mehr unter: www.siedenbollentin.de/landeserntedankfest