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Erster Bericht vor Landessynode der Nordkirche

Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt hinterfragt Kirchensteuermodell

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt bei ihrem Bericht auf der Landessynode der Nordkirche.
25.09.2020 ǀ Lübeck-Travemünde/Schwerin.  Für die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, hat die Corona-Krise zu einem Lerneffekt in der Gesellschaft geführt. "Corona hat uns daran erinnert, dass sich das Leben nicht in positiven Erlebnissen erschöpft. Auch Beschränkungen, Unvorhersehbares und Schmerz gehören dazu", sagte die Theologin am Freitag auf der Synode der Nordkirche in Travemünde. Der Schutz vor dem Virus und die Sehnsucht nach körperlicher Berührung seien ein unauflöslicher Konflikt, für den die Gesellschaft gerade keine Lösung habe. Für die in Not geratenen Flüchtlinge in Griechenland erwarte sie von der Synode "ein Zeichen der Barmherzigkeit".

Heiter und beschwingt sei sie im Juni 2019 mit einem Fest im Schweriner Dom in ihr Amt eingeführt worden. Ein dreiviertel Jahr später leitete sie mit Beginn der Corona-Pandemie am 12. März 2020 den Krisenstab der Nordkirche. "Das war eine nicht ganz leichte Aufgabe", sagte Kühnbaum-Schmidt. Dennoch sei es der Nordkirche auf allen Ebenen gut gelungen, angemessen und umsichtig zu reagieren.

Kultursteuer statt Kirchensteuer?

Die zunehmenden Kirchenaustritte machen die Landesbischöfin "traurig". 33.336 Menschen traten 2019 aus der Nordkirche aus, 2018 waren es 27.834. 2019 hatte die Nordkirche 1.939.750 Mitglieder und damit 49.580 weniger als im Jahr zuvor. Ein Grund für die Austritte könnte das derzeitige Kirchensteuermodell sein. "100 Jahre nach Einführung des Modells sollten wir es vielleicht ändern, wenn es eher Probleme hervorruft als löst", so Kühnbaum-Schmidt. Sie schlug eine repräsentative Umfrage unter Kirchenmitgliedern und Ausgetretenen zu Alternativen vor. Beispielsweise könnte sich die Landesbischöfin ein Kultursteuermodell nach italienischem Vorbild vorstellen.

Viele Menschen seien auf der Suche nach Gemeinschaft, Verbundenheit und Geborgenheit und teilten die Werte der Nordkirche. "Es ist deshalb wichtig, dass wir uns gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren für ein faires Lieferkettengesetz, die Aufnahme von Flüchtlingen und die Bewahrung von Schöpfung einsetzen und unsere Motivation immer wieder kommunizieren", sagte Kühnbaum-Schmidt.   

Viele kreative Angebote

Positiv wertete die Landesbischöfin den Ausbau von digitalen Angeboten. "Die Digitalisierung ist eine Chance für eine breitere Beteiligung innerhalb der Nordkirche. Gleichzeitig bietet sie neue Kontaktmöglichkeiten zu Kirchenfernen", sagte Kühnbaum-Schmidt, die selbst einen Facebook-, Instagram- und Twitter-Account pflegt.

Für die Gottesdienste zu Weihnachten prognostizierte die Landesbischöfin trotz aller Einschränkungen durch Corona viele kreative Angebote, an denen bereits viele Haupt- und Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden arbeiteten. In erster Linie werden die Gottesdienste draußen auf öffentlichen Plätzen stattfinden, vielleicht auf dem Marktplatz in Stralsund oder auf dem Kiez von St. Pauli. "Lasst euch überraschen und seid gespannt auf Neues", forderte sie auf.
Quelle: epd/kmv

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