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Mahnwache für Hallenser Opfer

Landesbischöfin drückt Anschlagsopfern Mitgefühl aus

11.10.2019 ǀ Lübeck/Schwerin.  Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt hat nach dem Synagogen-Anschlag von Halle (Sachsen-Anhalt) ihr tiefes Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen ausgedrückt. Sie nahm am Donnerstagabend an einer Mahnwache vor der Lübecker Synagoge teil, wie die Nordkirche mitteilte. Sie sei erschüttert über den antisemitisch und rechtsextrem motivierten Anschlag, sagte Kühnbaum-Schmidt in einer vorab verbreiteten Stellungnahme. "Ich denke in Gebet und Fürbitte an die Toten, an die Menschen, die verletzt wurden und an alle Angehörigen." Die Nordkirche stelle sich gegen jede Form von Antisemitismus und Rechtsextremismus.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Lübeck, Veranstalterin der Mahnwache, erinnerte an den Anschlag auf die Lübecker Synagoge vor 25 Jahren. Es sei der erste Anschlag auf eine Synagoge in Deutschland seit der Nazi-Diktatur gewesen, heißt es in einer Stellungnahme. "Als Christen und als Deutsche fühlen wir uns aufgerufen, für die Freiheit des Glaubens und für die Sicherheit unserer jüdischen Geschwister einzutreten." Antisemitismus sei "Gotteslästerung".

Der Ökumenedirektor der Nordkirche, Christian Wollmann, unterstützt die Forderungen der jüdischen Gemeinden nach verlässlichem Polizeischutz ihrer Synagogen. "Das Muster dieses Anschlags zieht eine Spur von Norwegen über Christchurch bis nach Halle", sagte Wollmann. Die Kirchen müssten einem gesellschaftlichen Klima entgegenwirken, in dem mörderische Gesinnungen wie die des Attentäters von Halle wachsen können.

Klaus-Dieter Kaiser: Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus verstärken

Auch der Direktor der Evangelischen Akademie der Nordkirche, Klaus-Dieter Kaiser, bittet "die für die Durchsetzung des Gewaltmonopols zuständigen staatlichen Stellen, das für den Schutz jüdischer Einrichtungen Notwendige zu veranlassen". In einer Stellungnahme widerspricht der Beauftragte für den jüdisch-christlichen Dialog im Kirchenkreis Mecklenburg der antisemitischen Hetze, die die Juden für alle Probleme der Welt verantwortlich mache.

"Wir wissen, dass sich eine solche verschwörungstheoretische Weltsicht auch der antisemitischen Stereotype der Vergangenheit bedient. Dazu gehören auch antijüdische Vorstellungen der christlichen Kirchen, die ihre mörderische Kraft über Jahrhunderte entfaltet haben. Wir bekennen unser Versagen und setzen uns dafür ein, dass im kirchlichen Leben, in Predigt und Lehre, diese Verirrungen aufgearbeitet werden. Wir bitten die Verantwortlichen in unseren Kirchen, das dafür Notwendige zu tun", so Klaus-Dieter Kaiser.

In Halle waren am Mittwoch während eines Gottesdienstes zum jüdischen Feiertag Jom Kippur in der Nähe der Synagoge zwei Menschen erschossen worden. Der Täter soll versucht haben, in die Synagoge einzudringen, was aber misslang. Am frühen Nachmittag wurde der Verdächtige Stephan B. festgenommen.
Quelle: epd/kmv


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