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Greifswalder Annenkapelle

Kunstschaffende in kreativer Konkurrenz

St. Marienkirche Greifswald
20.06.2018 ǀ Greifswald.  Während eines Kolloquiums informierten sich die fünf teilnehmenden Künstler über die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb zur Gestaltung des Portals der Annenkapelle in der Greifswalder Marienkirche. Auf dem Hansetag in Rostock präsentiert die Kirchengemeinde die zugrunde liegende Wettbewerbsidee sowie die Pläne für das in der Kapelle entstehende „Hansefenster“.

Der Künstlerwettbewerb zur Gestaltung des alten Portals der Annenkapelle in der Greifswalder Marienkirche geht in die nächste Runde. Inzwischen stehen die fünf teilnehmenden Künstler fest: Malene Landgreen aus Dänemark, Peter Sutton aus Norwegen, Jakob Strömholm aus Schweden sowie Günter Gross und Andreas Wolff aus Deutschland. Während eines gemeinsamen Kolloquiums in der Annenkapelle, an dem einige der Künstler und Vertretende der Jury teilnahmen, wurden die Rahmenbedingen des Wettbewerbs abgesteckt und letzte Fragen geklärt. In den kommenden Wochen werden die Künstler nun ihre Entwürfe anfertigen, im August trifft sich die Jury dann zur Entscheidung. Anschließend werden die einzelnen Künstler und ihre Werke der Öffentlichkeit vorgestellt.
 
Veränderungen sind Bestandteil der Bauwerksgeschichte
                        
„In den Archivalien der Baugeschichte von St. Marien finden sich immer wieder Hinweise auf notwendige Reparaturen der einmaligen Bausubstanz sowie Belege von Ergänzungen und Veränderungen der Ausstattung des Kirchenraums im Geschmack der für die Erhaltung der Kirche verantwortlichen Generationen“, sagt Jurymitglied Dipl.-Ing. Architekt Horst von Bassewitz. „Beides sind bekannte und akzeptierte Handlungen im Leben eines historischen Kirchengebäudes. Es überrascht daher nicht, dass sich im Rahmen der derzeitigen umfangreichen Sanierung von St. Marien auch die Frage nach einer Neugestaltung der mit der Geschichte der Kirche aufs engste verbundenen Annenkapelle stellt.“
 
Gestaltung mit den Möglichkeiten der Gegenwart
 
Die neugestaltete Kapelle könne und werde in Zukunft die Arbeit der Kirchengemeinde durch das Angebot vielfältiger kirchlicher und allgemeiner kultureller und gesellschaftlicher Nutzungen sinnvoll unterstützen, so Horst von Bassewitz weiter. „In diesem Zusammenhang erscheint es naheliegend, die liturgischen, künstlerischen und räumlichen Möglichkeiten und Chancen einer Wiederöffnung des in der Nachkriegszeit verschlossenen Südportals der Annenkapelle zu prüfen und mit den gestalterischen Mitteln unserer Gegenwart zu verwirklichen. Die Wiederöffnung des Portals ermöglicht die gleichzeitige Neugestaltung  des mit ihm direkt verbundenen großen und den Innenraum prägenden Kirchenfensters.“
 
Jury erwartet intensive Debatte
 
Dabei erfordere es die kultur-und stadtgeschichtliche Bedeutung von St. Marien und der Annenkapelle mittels eines Wettbewerbs für Künstler des Ostseeraums der Öffentlichkeit ein breitgefächertes Ideen-Spektrum vorzustellen und zu diskutieren. Das vom Kirchengemeinderat gewählte Wettbewerbsthema „Wasser im kirchlichen Glaubensvollzug“ und dessen Umsetzungen durch die internationalen Künstler versprechen intensive Debatten über Sinn und Wert der Kirche in unserer Gesellschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts, ist Horst von Bassewitz überzeugt.
 
Wasser spielt wesentliche Rolle
 
Pastorin Ulrike Streckenbach erläutert das Thema des Wettbewerbs: „Im Zentrum des jeweiligen Entwurfs sollen die Themen Wasser und Ostsee stehen. Wasser spielt im Gottesdienst und für den Glauben eine wesentliche Rolle. Der Schwerpunkt soll insbesondere auf den biblischen Geschichten liegen, die auf dem Wasser spielen oder vom Wasser handeln. Erinnert werden soll darüber hinaus an die Nutzung der Kapelle durch die Bergen- und Schonenfahrer. Sie trieben im Mittelalter Handel mit Kaufleuten in Norwegen, Dänemark und Schweden und hielten in der Kapelle ihre Andachten“, so Ulrike Streckenbach. Daher stammen auch die teilnehmenden Künstler aus diesen Ländern sowie aus Deutschland.
 
Präsentation auf dem Hansetag in Rostock
 
Auf dem 38. Internationalen Hansetag in Rostock vom 21. bis 24. Juni werden der Wettbewerb und die Pläne zur Öffnung des Portals der Annenkapelle einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Auch für das neben dem Portal entstehende zukünftige „Hansefenster“ wird die Kirchengemeinde auf dem Hansetag in Rostock öffentlichkeitswirksam werben. Auf den Rauten, aus denen das Fenster besteht, werden die Namen und Wappen der Hansestädte zu sehen sein, die den Wettbewerb unterstützen. 19 Hansestädte haben sich daran beteiligt, die dem Städtebund „Neue Hanse“ angehören, der 1980 gegründet wurde, um als „Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte über die Grenzen hinweg“ den Handel, den Tourismus und das partnerschaftliche Miteinander zu fördern. Den Anknüpfungspunkt bildet dabei die jahrhundertealte Tradition des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handelsverbands der Hanse.
 
Nordkirche begrüßt Künstlerwettbewerb
 
Die Mitarbeitenden des Baudezernats im Landeskirchenamt unterstützen Kirchengemeinden in ihrem Wunsch nach einer Neugestaltung von Kirchenfenstern durch Hilfe bei der Organisation und Finanzierung eines Wettbewerbs, wie in diesem Fall. Aufgabe eines Wettbewerbs ist es, durch eine faire und nachvollziehbare Entscheidungsfindung des Preisgerichts, das zum Teil mit externen Fachpreisrichterinnen und -richtern besetzt ist, die bestmögliche Lösung zu finden. Das Verfahren hat sich in vielen Kirchengemeinden der Nordkirche bereits sehr bewährt. In Kirchengemeinden im Sprengel Mecklenburg und Pommern kam es – auch wegen der bisher geringeren Zahl von Neugestaltungen – bislang selten zur Anwendung und sei in Greifswald daher umso mehr zu begrüßen, hieß es aus dem Landeskirchenamt.
 
Stichwort Annenkapelle
 
St. Marien ist eine der größten norddeutschen Hallenkirchen und Station auf der Europäischen Route der Backsteingotik. Sie ist mehr als 700 Jahre alt. Im zweiten Viertel des 14. Jahrhundert wurde die Kapelle hinzugefügt, die heute als „Annenkapelle“ bekannt ist. Sie ist ein Kleinod gotischer Architektur und wurde vor dem ehemaligen Südportal des Hauptschiffs errichtet. Ein großer Teil ihrer Wand ist Fensterfläche. Sie füllt den gesamten Raum zwischen den Pfeilern aus. Der Sockelbereich besteht aus Mauerwerk. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Annenkapelle als Winterkirche genutzt. Das Besondere an der Kapelle ist, dass der einschiffige Raum zwei Apsiden im Osten hat. Dies ist nach jetzigem Erkenntnisstand einmalig unter den Kapellen und Vorhallen im norddeutschen Raum.
Quelle: PEK (sk)

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