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Udo Kern


Martin Rösel

Zwei Rostocker Theologen zur aktuellen Debatte um den Kreationismus

 

Rostock (gr). In der Vortragsreihe „Theologie und Naturwissenschaft“, die seit einigen Jahren die Theologische Fakultät der Rostocker Universität veranstaltet, haben sich am 25. Januar der Alttestamentler PD Dr. Martin Rösel und der Ordinarius für Systematische Theologie Prof. Dr. Udo Kern dem Thema „Evolutionstheorie und wissenschaftliche Theologie - ein Gespräch mit dem Kreationismus“ gewidmet.

 

Damit haben sich beide Wissenschaftler in einen in den letzten Jahren und Monaten medial sehr präsenten Diskurs eingeschaltet, der von Amerika herüber schwappte und nun die mittelbar oder unmittelbar betroffenen kulturellen Sphären der Großkirchen, religiösen Gruppen, Naturwissenschaften und eben auch wissenschaftlichen Theologie in Schwingung brachte und zur Auseinandersetzung nötigte. In Erinnerung ist einer breiteren Öffentlichkeit noch die Titelstory der Ausgabe des „Spiegel“ in der Weihnachtswoche mit dem Slogan „Gott gegen Darwin. Glaubenskrieg und die Evolution“. Die Theologische Fakultät beschäftigt sich schon seit Jahren in einer Vortragsreihe mit dem Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie, daher hat man die Herausforderung der kreationistischen Fragestellung gerne angenommen

 

PD Dr. Martin Rösel setzte das zahlreiche Publikum über die Historizität, Vielfältigkeit und Uneinheitlichkeit der alttestamentlichen Schöpfungsvorstellungen profunde in Kenntnis. Vor diesem Hintergrund sei eine Bezugnahme des Kreationismus auf nur eine Spielart (zumeist Genesis 1,1 - 2,4a am Anfang der Bibel) der schöpfungstheologischen Pluralität von einschlägigen Texten und Vorstellungen im Alten Testament völlig unangemessen. Überdies liege es der biblischen Theologie und auch dem religiösen Bewusstsein in keiner Weise an einer naturwissenschaftlichen Erklärung. Vielmehr stelle der Glaube an Gott als den Schöpfer eine Deutung der Welt dar, die unabhängig von jedwedem Stand der Naturwissenschaft seine religiöse Berechtigung habe.

 

Prof. Udo Kern entfaltete zu Anfang seines Referates die Grundthesen Darwins und die Konjunktur des Evolutionsparadigmas in unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen. Dass die Evolutionstheorie von Anfang an auch produktiv in der theologischen Schöpfungslehre Aufnahme fand, zeigte Prof. Kern anhand bedeutender Gelehrter des 19. und 20. Jahrhunderts. Seine These bestand darin, dass seit der innerbiblischen Entmythisierung der Schöpfungsvorstellung (vor allem in Genesis 1) Schöpfungsglaube und -theologie seit dem Mittelalter über Fichte bis in die Gegenwartstheologie sich der Gefahr der Verweltlichung und Indienstnahme Gottes bewusst war. In diesem Sinne stellen jegliche quasi-naturwissenschaftlichen Aussagen über einen „Intelligenten Designer“ problematische Personifizierungs-, Verdinglichungs- und damit Verendlichungstendenzen des Unbedingten dar.

 

Prof. Dieter Weiss vom Institut für Biowissenschaften trug zur Klärung der naturwissenschaftlichen Sicht der Evolutionsbiologie bei und dokumentierte damit das interdisziplinäre Interesse am Thema. Vielleicht kann die gemeinsame These beider in den Satz zusammengefasst werden: Christlicher Schöpfungsglaube und neuzeitliche Evolutionstheorie stellen keine Alternativen dar, sondern bewegen sich kulturell auf völlig unterschiedlichen Ebenen. Von dort aus können sie sich gegenseitig respektieren und befruchten. Es schloss sich eine rege Diskussion zwischen Referenten und Publikum an, die das mögliche Meinungsspektrum repräsentierte.

 

Georg Raatz (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Systematische Theologie)

(28.1.2006)

 


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