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Aktion "So viel du brauchst“

Klimafasten als Befreiung

Von Marion Wulf-Nixdorf

Die Klimafastenaktion will zu klimafreundlicherem Leben ermutigen
23.02.2020 ǀ Rostock.  Klimafasten ist ein merkwürdiger Begriff. Wie soll man Klima fasten? Regina Möller vom Zentrum Kirchlicher Dienste in Rostock erklärt: Der Begriff soll ermuntern, die eigene Lebensweise zu überdenken, im besten Fall zu ändern. Ziel ist es, den menschengemachten Klimawandel zu verhindern oder ihn zumindest einzudämmen.

Die Kirchengemeinde aus Gresse-Granzin hat im vergangenen Jahr beim Klimafasten mitgemacht. „Wir haben uns mit den Landwirten zusammengesetzt und gefragt: Was brauchen wir?“, erzählt Johanna Montesanto, die seit zweieinhalb Jahren Pastorin in der Kirchengemeinde bei Parchim ist. Darau in wurden in der Fastenzeit von Kindern und Erwachsenen zum Beispiel Insektenhotels gebaut.

2020 laden die Kirchen in Deutschland zum dritten Mal zum „Klimafasten“ ein – von Aschermittwoch, 26. Februar, bis Ostern. „Die Aktion ist von der Kirche ganz bewusst in die Fastenzeit gelegt worden“, erklärt Regina Möller vom Zentrum Kirchlicher Dienste in Rostock. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „So viel du brauchst“.

Für viele bedeute Fasten nur Verzicht auf etwas. „Das macht niemand gern. Aber es kommt doch auf die Sichtweise an“, sagt Regina Möller, die Kirchengemeinden in Mecklenburg und künftig auch in Pommern auf ihrem Weg dahin berät, ökofair zu wirtschaften. „Wenn ich statt nach Mallorca zu fliegen, Urlaub an der Ostee mache – verzichte ich da auf etwas?“

Was brauche ich? Was kann ich ändern?

Die Aktion Klimafasten wolle dazu auffordern, den Blickwinkel zu ändern, die sieben Wochen ganz bewusst zu nutzen, um sich auf genaues Hinsehen zu konzentrieren: Was brauche ich? Was kann ich ändern? Da werde Klimafasten dann vielleicht auch weniger Verzicht als Befreiung von Überflüssigem.

Mit kleinen Schritten könnte es beginnen, ermuntert Regina Möller. Müll einkaufen zum Beispiel müsse doch nicht sein. „Denn etwas anderes ist es doch nicht, wenn ich das Plastikverpackungsmaterial zu Hause gleich wegschmeiße“, sagt sie. „Es muss ja nicht gleich radikal alles lose in meine mitgebrachten Dosen verpackt werden. Aber ein Anfang wäre es, ab und zu an das Mitnehmen von wiederverwertbarem Verpackungsmaterial zu denken. Und da kann die Klimafastenzeit ein Anstoß sein.“ Oder beim Stichwort Teilen. Für viele ist der Gang in die Bibliothek ganz selbstverständlich. Aber Teilen müsste doch auch mit dem Auto noch viel häufiger möglich sein. Die nervende Parkplatzsuche fiele weg. Fahrgemeinscha en böten außerdem Kommunikation, also menschliche Bindungen, so Möller.

Brauche ich wirklich ein eigenes Raclette oder Fondue, wenn ich es doch nur ein, höchstens zwei Mal im Jahr benutze? Kann ich mir das nicht leihen im Freundeskreis? „Bei jüngeren Menschen ist ein bewussteres Leben zu bemerken“, beobachtet Möller. Elisabeth, eine junge Frau und Mutter, macht ein Fest daraus, sich mit Freundinnen zu treffen, Kleidungsstücke in die Mitte zu legen. Jede sucht sich dann etwa Passendes aus. „Ich habe mir schon lange nichts Neues mehr gekauft“, sagt sie. „Wozu auch?“

Ideen sind gefragt

All diese Ideen stoppen den Klimawandel sicher nicht, weiß auch Regina Möller. Aber sie seien Schritte auf dem Weg zu einem bewussteren Umgang mit den Ressourcen – und können zudem unser Leben bereichern.

Ideen sind gefragt. So wie diese: An vielen Orten werden kostenlos Strommessgeräte verliehen. So können Stromfresser im Haushalt erkannt – und ausgetauscht werden. Gut fürs Klima, gut für den Geldbeutel.

Eine Übersicht über Leihstationen gibt es auf www.energiekostenmonitor.de. Das Material zum Klimafasten mit Wochenthemen kann unter E-Mail: klimaschutzumwelt.nordkirche.de angefordert oder auf www.klimafasten.de heruntergeladen werden.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 08/2020

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