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Tagung zum 200. Geburtstag von Theodor Kliefoth

Oberkirchenrat würdigt Reformer und führenden Vertreter des Neuluthertums

19.01.2010 | Schwerin (cme). Er gilt als führender Vertreter des Neuluthertums, befruchtete das Kirchenwesen in Mecklenburg und war ebenso innerhalb des deutschen Protestantismus von gewichtigem Einfluss: Theodor Kliefoth (1810-1895). Anlässlich des 200. Geburtstages des Theologen veranstaltete der Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs am Montagnachmittag (18. Januar 2010) eine Tagung in Schwerin. Person und Werk des verehrten wie bekämpften Reformers waren dabei Gegenstand verschiedener Vorträge.

So skizzierte Altbischof Hermann Beste, wie sich die Mecklenburgische Kirche in Kliefoths Amtszeit veränderte. So habe er nach dem Revolutionsjahr 1848 erste Schritte auf dem Weg einer Trennung von Staat und Kirche in Mecklenburg vollzogen. Konkret sei der Oberkirchenrat als kirchliche Verwaltungsbehörde gegründet worden, dem Kliefoth selbst später als Oberkirchenratspräsident vorstand. Mittels einer neuen Prüfungsordnung habe er zudem bei der Pastorenausbildung ordnend eingegriffen und die Kirche so von „zum Pfarramt wenig taugliche Elemente befreit“, zitierte der Altbischof den bekannten Kirchenhistoriker Karl Schmalz. Fazit von Hermann Beste: Die Landeskirche ist bis 1870 durch Kliefoths Wirken „aus Lethargie und Farblosigkeit wieder zu Lebendigkeit gekommen“.

Das Thema „Kirche und Monarchie im 19. Jahrhundert“ beleuchtete der Historiker Dr. René Wiese. Hintergrund: Der Theologe Kliefoth hatte großen Einfluss auf das religiöse Empfinden des Großherzogs Friedrich Franz II., da er eine zeitlang als Erzieher der mecklenburgischen Prinzen tätig war. Das enge Vertrauen beförderte später die Gründung sozialer Stiftungen in der Landeskirche. Dr. Wiese legte dar, dass Mecklenburg unter Friedrich Franz II. einen ganz eigenen Weg in die Moderne ging. Ein Grund: „Der Großherzog beurteilte alle Dinge stets im Lichte des christlichen Glaubens“, so René Wiese. Dies sei bereits Ziel der Erziehung des Prinzen gewesen. Auf diese Zeit ging Erhard Piersig dann noch näher ein Der frühere Kirchenarchivrat machte in seinem Vortrag mit 14 noch unveröffentlichten Briefen Kliefoths an Carl Christian Budler bekannt. Übrigens noch in diesem Jahr nachzulesen in einem Buch, kündigte der Referent an.

In seinem Vortrag stellte Pastor Dr. Martin Grahl eine Friedenspredigt Kliefoths aus dem Jahre 1871 vor. Deren klare Botschaft und Kritik an der Obrigkeit sei zurzeit des deutschfranzösischen Krieges ziemlich einmalig gewesen. Zudem nahm Dr. Grahl die mehr als 100 Tagungsteilnehmer bei einer Führung durch die St. Paulskirche mit auf die Spuren Kliefoths, der viel Einfluss auf den Neubau von Kirchen habe – zum Beispiel auch in Redefin und Plate. Die Schweriner Paulskirche gelte als eine Art Denkmal für den Kirchenführer, sagte Kirchenarchivrat. Johann Peter Wurm. Zugleich freute er sich über die große Resonanz des Tages, der dazu beitragen sollte, das Bild über Theodor Kliefoth zu schärfen.