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Kirchensanierung Beggerow beendet

Beggerower Jesus ist kein Linkshänder mehr

Beggerow (rn). Die Sanierung der Beggerower Kirche (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wird am Sonnabend (6.7.2013) um 14 Uhr mit einem Festgottesdienst, in dem Propst Gerd Panknin die Predigt halten wird, beendet.

Im letzten Bauabschnitt wurde die alte Patronatsloge, eine einfache graubraungestrichene und schwammbefallene Abtrennung, ausgebaut sowie eine Balustrade, die den Chorraum von der Gemeinde trennte, entfernt. So entstand ein beheizter vielfach nutzbarer Chor und die Kirche wurde wieder ein lichter, durchgehender Raum. „Wir brauchen den Platz,“ sagt Pastor Ralf Ott, „denn wenn wir mit dem Posaunenchor hier musizieren sind schon bis zu 50 Bläser hier und im Winter können wir jetzt den Chorraum als beheizte Winterkirche benutzen.“ In der Kirche finden auch weltliche Beerdigungen für das Dorf statt, „denn wir können die Dorfbewohner doch nicht im Regen stehenlassen,“ sagt der Pastor mit Überzeugung.

Die Arbeiten an der ab 1450 entstandenen Kirche – das Kirchenschiff besteht aus ummauertem Fachwerk – begannen im Jahre 2005 mit der Sanierung des Daches. Als später die Glasfenster an der Reihe waren, stellte die Restauratorin Andrea Wilde aus Wernigerode fest, dass das Fenster mit dem segnenden Christus falsch herum eingebaut worden war und Jesus über Jahrzehnte als Linkshänder die Gemeinde gesegnet hatte. Nun ist der Beggerower Jesus wieder Rechtshänder.

An der Kirchensanierung beteiligten sich Christen und Nichtchristen des kleinen vorpommerschen Dorfes, gut 40 Personen, wie Pastor Ralf Ott dankbar feststellt: „Es war eine besondere Zeit – die Gemeinschaft, das Miteinander hat allen Freude gemacht. So etwas macht man ja nur alle 100 Jahre,“ sagt er lächelnd. Nach Feierabend und an vielen Wochenenden wurde der Fußboden trockengelegt, Holzschwamm beseitigt, Putzarbeiten ausgeführt, der Fußboden unter den Bänken neu geschreinert und schließlich musste der gesamte Kirchenraum dreimal gestrichen werden. „Und nicht zu vergessen die Frauen,“ sagt Ott anerkennend, „einige haben sich sogar auf das Gerüst getraut und haben die Decke gemalert und sie haben auch mit großer Mühe die ,Schandtaten’ der Männer beseitigt: sie haben die Bodenfliesen von Putzresten befreit.“

Der Demminer Propst Gerd Panknin ist voller Anerkennung für das, was die Beggerower auf die Beine gestellt haben: „Das ist Kirchbau im besten, wortwörtlichen Sinn.“

Die Kirchensanierung wird insgesamt etwa 200.000 € kosten, bilanziert Pastor Ott, dafür habe man seit 1997 gesammelt und so seien als Grundstock 20.000 € zusammengekommen. Weitere Mittel kamen u.a. vom Kirchenkreis oder aus den Mitteln, die für Nicht-Patronatskirchen bereitgestellt werden.
Schließlich kam der Pastor auf die Idee, alle Goldkonfirmanden der letzten Jahre anzuschreiben um sie über das Baugeschehen an ihrer Kirche zu informieren und um eine Spende zu bitten. Besonders dankbar erwähnt Ott einen Goldkonfirmanden, der seine ursprüngliche Spende von 1.000 € schließlich verhundertfacht habe. „Leider ist er vor Abschluss der Sanierung gestorben, aber wir haben seinen Namen, wie es früher auch üblich war, in einem Fenster verewigt,“ sagt Ralf Ott, der im Herbst seit 25 Jahren in Beggerow im Pfarramt sein wird.

Aber nicht nur das Jubiläum des Pastors steht im Herbst an, sondern am 22. September auch das 55jährige Bestehen des Posaunenchores – dazu ist die Dorfkirche nun gut gerüstet. Bis dahin soll auch der noch in der Restaurierung befindliche mittelalterliche Altar wieder in der Kirche sein.