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Projekt auf Kirchenkreissynode vorgestellt

Kirchenkreis Mecklenburg arbeitet Biografien politisch Verfolgter auf

Die Berliner Historikerin Dr. Rahel Frank stellt das Projekt: "Rehabilitierung politisch Verfolgter in Mecklenburg 1945-1990, ein Gedenkbuch" der Synode vor.
04.05.2016 ǀ Güstrow/Rostock.  Der Kirchenkreis Mecklenburg will in einem zweijährigen Projekt die Biografien von 200 politisch verfolgten Frauen und Männern zwischen 1945 und 1990 aufarbeiten. Dafür stellt der Kirchenkreisrat 50.600 Euro zur Verfügung. Propst Dirk Sauermann und Historikerin Rahel Frank erläuterten das Projekt am vergangenen Wochenende den mecklenburgischen Synodalen.

„Wir unterstützen mit dem geplanten Gedenkbuch das Wachhalten der Erinnerung an politisch Verfolgte in unseren Kirchengemeinden und wollen zu deren Rehabilitierung beitragen“, sagte der Parchimer Propst Dirk Sauermann am Samstag in Güstrow. In Kooperation mit der Nordkirche und der Gesellschaft für Regional- und Zeitgeschichte e.V. (Schwerin) leiste der Kirchenkreis Mecklenburg einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und wolle Gesprächsräume eröffnen.

Die Ergebnisse sollen den Gemeinden später zur Verfügung gestellt werden. Geplant sei auch, eine liturgisch-pädagogische Arbeitshilfe zu erstellen und die Biografien in Gottesdiensten, Gedenkfeiern und Veranstaltungen vorzustellen. „Das Projekt ermöglicht zugleich die wissenschaftliche Auswertung der von Altbischof Dr. Heinrich Rathke gesammelten Unterlagen zu politisch Verfolgten in jener Zeit“, so Dirk Sauermann, der die Koordination zwischen den drei Partnern leitet.

"Kurz, knapp, würdevoll und niedrigschwellig“

Mit der Umsetzung des auf zwei Jahre ausgelegten Projekts wurde Dr. Rahel Frank beauftragt. „22 bis 24 Prozent jeder Generation von DDR-Bürgern wurden auf relativ dramatische Weise in irgendeiner Art traumatisiert. Diese Menschen haben Dinge erlebt, die politisch initiiert waren und die den Lebensweg des Einzelnen über kürzere oder längere Phasen entscheidend beeinflussten“, sagte die Berliner Historikerin vor den Synodalen in Güstrow.

In den kommenden 2 Jahren sollen insgesamt 200 Biographien gesammelt und aufgearbeitet werden. „Wir haben vor, eine Art Album für die Gemeinden vor Ort zu erstellen, um dort dem Erinnern auf die Sprünge zu helfen. Das Projekt wird in den Kirchengemeinden anfangen und soll auch dorthin zurückgebracht werden“, so Rahel Frank. Entstehen solle ein Gedenkbuch, das auf jeweils zwei Seiten Lebensberichte von Betroffenen mit Foto abbildet. Wissenschaftlicher Standard, aber „kurz, knapp, würdevoll und niedrigschwellig“ solle es sein.

Man werde eine exemplarische Auswahl treffen müssen. Als Beispiel nannte Rahel Frank u.a. Fluchtversuche, Zwangsumsiedlungen, Enteignungen in der Landwirtschaft, Vorfälle rund um den Volksaufstand am 17. Juni 1953, Heimerziehung, Inhaftierungen und Freikäufe, Bausoldaten und Wehrdienstverweigerer sowie Jugendliche außerhalb der FDJ. Die Lebensberichte sollen in insgesamt 32 Kategorien eingeordnet werden.
Quelle: kirche-mv.de (dav)