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Forum "Interreligiöser Dialog"

Kirchenkreis Mecklenburg: Hinsehen, Hinhören und Meinung bilden

27.01.2015 ǀ Schwerin/Rostock.  Derzeit wird in unserer Gesellschaft und ebenso im Kirchenkreis Mecklenburg über den Umgang mit Pegida, die im Raum stehenden Fragen und die schlimmen Ereignisse in Paris diskutiert. Vor diesem Hintergrund geben die Pröpstin und die Pröpste im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg folgende Erklärung ab:

Angst machen. Ängste vor Fremden schüren. Versuche, Ängste abzubauen. Überall gibt es unterschiedliche Bestrebungen, mit erlebten und gefühlten Bedrohungen umzugehen. Wir müssen uns zu dem verhalten, was uns etwas angeht! Und es geht uns etwas an, wenn erneut viele Menschen in den kommenden Monaten zu uns kommen werden. Wir werden mit Flüchtlingen, Asylbewerbern, Menschen, die ihre Heimat gewiss nicht freiwillig verlassen, sondern das aufgrund von Verfolgung und Not tun, zusammenleben. Sie sind Fremde und brauchen unsere Unterstützung und Hilfe, damit Integration gelingt.

Es ist für uns darum nicht akzeptabel, die Not anderer Menschen auszunutzen, um damit eigene ungelöste gesellschaftliche Probleme in den Vordergrund zu rücken und die Gesellschaft zu polarisieren. Vielmehr ist es die Stärke der Demokratie – und dafür haben viele 1989 gestritten(!) – diese auch im fairen Dialog, mit Argumenten, mit freier Meinungsäußerung, mit Akzeptanz für die Rechte des Anderen, gewaltlos und mit der Macht des Wortes zu leben.

Wer Dialog will und sich einbringt. Wer zuerst erkennen und verstehen will, bevor er urteilt. Wer sehen und hören will – der wird sich in jedem Fall kritisch auseinandersetzen. Aber dies nicht auf Kosten des Anderen sondern mit ihm. Abgrenzung und Spaltung, Verachtung und Ausgrenzung, islamfeindliche wie auch menschenfeindliche Bedrohungsszenarien sind für uns als Kirche mit dem christlichen Glauben unvereinbar.

Wir sehen mit großer Betroffenheit, dass es oft nicht gelingt, im gemeinsamen Dialog der gesellschaftlichen Kräfte über die Fragen zu sprechen, die Menschen bewegen. Jedoch sind diese Fragen, die das Zusammenleben mit Menschen anderer Religionen und Kulturen betreffen, zu wichtig, um sie auf der Straße zu beantworten.

Evangelische Kirchengemeinden haben in der Wendezeit 1989 Menschen eingeladen, ihre Sprache zu finden und sich zu dem zu äußern, was sie selbst und die Gesellschaft etwas angeht. So waren und sind gerade Kirchengemeinden wesentliche Orte für fairen und würdigen Dialog.

Als evangelische Kirche ist uns ein Dialog auf Augenhöhe wichtig, um zu erfahren, welches Unbehagen mit gesellschaftlichen Entwicklungen bzw. welche Ängste derzeit Bürgerinnen und Bürger bewegen. Es braucht die Bereitschaft zum Gespräch auf den verschiedenen Seiten, um das zu verstehen. Die Türen unserer Kirchen und Gemeindezentren stehen dafür offen!

Ein Angebot zu einer solchen Begegnung ist beispielsweise das Forum „Interreligiöser Dialog“ am 11. Februar um 19 Uhr im Demmlersaal des Schweriner Rathauses, das aktiv von evangelischen Christen mit vorbereitet wird.

Die Pröpstin und Pröpste im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Mecklenburg

Christiane Körner (Neustrelitz)
Dr. Karl-Matthias Siegert (Wismar)
Wulf Schünemann (Rostock)
Dirk Sauermann (Parchim)

Quelle: ELKM