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Ev.-Luth. Kirche im Ostseeraum

Nordkirche als Evangelisch-Lutherische Kirche im Ostseeraum (ELKiO) spontan gegründet

 

Greifswald/Schwerin/Kiel (ran). Seit gestern, dem 1. April 2007, besteht die „Nordkirche“, die den letzten Wochen noch abwertend als „Fatanordana“ bezeichnet wurde. Doch nach dem positiven Votum der mecklenburgischen Synode vom Freitag, haben sich am Sonntag, dem 1. April 2007, die Bischöfinnen und Bischöfe der nordelbischen, der pommerschen und der mecklenburgischen Landeskirche am Knuther See zu Geheimverhandlungen getroffen.

 

Eigentlich wollten sie nur die Sondierungsgespräche beginnen – doch haben sie die Gespräche am gleichen Tage schon erfolgreich beendet, da sie die Jahreslosung „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?“ als wörtliche Wegweisung erkannt hätten, wie die Bischöfin von Lübeck, Bärbel Wartenberg-Potter erklärte.

 

Der mecklenburgische Landesbischof Hermann Beste sagte im Pressegespräch, es habe „das Wort Anschluß keine Rolle gespielt, sondern nur das Wort Beschluß.“

 

Und einen Beschluß gab es unerwartet schnell. Hatten sie sich am Vormittag noch argwöhnisch beäugt, sich die Erklärungen der Landessynoden vorgelesen und vorgehalten, so wurde es beim Mittagessen, an dem unerwartet auch der Ratsvorsitzende der EKD, der Berliner Bischof Wolfgang Huber teilnahm, sehr konkret. „Wenn man schon zusammen esse, könne man doch auch zusammen Kirche gestalten,“ sagte er vor Journalisten am Nachmittag. Schon beim Nachtisch (Ludwigsluster Sanddorncreme mit Wittenberger Schlagsahne) seien die beteiligten Bischöfinnenn und Bischöfe näher zusammengerückt. Ob das auch an zuwenig Nachtisch gelegen habe, blieb bisher unbestätigt.

 

Nach dem Spaziergang am Knuther See kamen sie beim Kaffeetrinken überein, sofort die „Evangelisch-Lutherische Kirche im Ostseeraum“ (ELKiO) zu gründen, die noch am Spätnachmittag gegründet und im Internet eingetragen wurde.

 

Das ist die „Kirche der zwei Geschwindigkeiten,“ sagte der neugewählte mecklenburgische Landesbischof Andreas von Maltzahn, der ebenfalls an den Gesprächen teilnahm. Danach wird die neue Kirchengestalt in zwei Geschwindigkeiten entstehen. Mit sofortiger Wirkung haben die Pommern, um das erwartete strukturelle Defizit zu beheben, ihre kirchenleitenden Funktionen mit dem gestrigen Tag auf Nordelbien übertragen und haben somit Zeit für die erforderlichen Verhandlungen zur vollen gemeinsamen Kirchengestalt.

 

Daß es auf mecklenburgischer Seite langsamer laufe und daß die Landessynode „Kooperationen der Kirchen als hoffnungsvolle Zeichen für die Zukunft“ sehe und daher erst mittelfristig ihre kirchenleitenden Funktionen auf die ELKiO übertragen wird, ist von der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen als „vielfältige Form“ der Gestaltung positiv bewertet worden. "Es werde aber nicht die berühmten 50 Jahre dauern," betonte sie auf Nachfrage. Jepsen teilte auch mit, daß man die AIDAvita für den 1. April 2008 gechartert habe, um für die gemeinsame Fusionssynode ausreichend Platz zu haben und um ein angenehmes Tagungsklima zu schaffen.

 

Der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit hatte die Bestandsgarantie für den „Sprengel Pommern“ schon vor dem Nachtisch durchgesetzt und der mecklenburgische Bischof Hermann Beste hatte die Kirchenordnung auf mecklenburgischem Platt erfolgreich in die Verhandlungen eingebracht.

 

Bei der vollständigen neuen Kirchengestalt soll nach neuester Indiskretion das gemeinsame Landeskirchenamt auf einem Schiff installiert werden. Dieses könne dann zwischen Kiel, Rostock und Greifswald seinen Gestaltungsraum haben. Das Leitende Bischofsamt soll jeweils von dem Bischof oder der Bischöfin der Landeskirche wahrgenommen werden, in deren Hoheitsgewässer das Landeskirchenschiff seinen Aufenthalt hat.

 

Der mecklenburgische Oberkirchenrat Andreas Flade begrüßte diese Lösung, "denn wir sitzen doch alle in einem Boot," und die noch notwendigen weiteren Verhandlungen, könnten künftig „auf Meereshöhe" geführt werden. Wo der Heimathafen in Zukunft liege, sei noch unklar. Bischof Huber bestätigte, daß er Berlin dazu angeboten habe und warnte vor einer Ausflaggung nach Schweden, da dann der EKD-Finanzausgleich berührt sei. Rechtsgutachten der beteiligten Kirchen stünden dieser Auffassung aber entgegen, so der pommersche Konsistorialpräsident Peter von Loeper.

 

Ob das Kirchenschiff zu Kirchenleitungssitzungen in internationale Gewässer auslaufen müsse, soll im neuen Kooperationsvertrag festgelegt werden. Die Frage, was bei einer Vereisung der Ostsee geschehe, soll unter Juristen noch strittig sein. Die neuesten Klimamodelle sähen aber eine Vereisung der Ostsee nicht mehr vor, „was einer Vereinigung der Kirchen durchaus zugute kommt“, sagte ein Synodaler, der unbenannt bleiben will.

 

Wie auf Nachfrage am späten Sonntagabend aus der Schweriner Staatskanzlei zu erfahren war, soll die Landesregierung der „Kirche auf den Meeren“ – so ein Sprecher - aufgeschlossen gegenüberstehen. Dazu könne der Staatsvertrag auf die Ostsee ausgeweitet werden – der Name „Evangelisch-Lutherische Kirche im Ostseeraum“ gebe dazu begründet Anlaß, sagte Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff kurz vor Mitternacht. (1. April 2007)


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