Nach oben

Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz im Gespräch

Wenn ich eine Million Euro zu verteilen hätte ...

Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz blickte in Vellahn auf 15 Jahre Treffen der Kirchbau-Fördervereine zurück
06.07.2014 ǀ Schwerin.  Mitinitiator des Fördervereinstreffens war vor 15 Jahren der mecklenburgische Kirchenbaurat Karl-Heinz Schwarz, heute stellv. Baudezernent der Nordkirche. 15 Jahre – ein Punkt, um einmal Rückschau zu halten. Marion Wulf-Nixdorf sprach mit ihm:

Was ist die Aufgabe von Fördervereinen?

Fördervereine unterstützen die Kirchengemeinden bei der Unterhaltung der Gebäude. Sie werben Geld ein für Sanierungen mit verschiedenen Veranstaltungen, sie arbeiten an Nutzungskonzepten mit. Sie unterstützen die Kirchengemeinden bei Veranstaltungen.

Ist da nicht auch manchmal Ärger vorprogrammiert – denn viele Fördervereinsmitglieder sind ja nicht Mitglied der Kirche und sehen eine andere Aufgabe der Gebäude als Christen und man ist ungeduldig bei einer Aufgabe, die aus Erfahrung Jahre bzw. Jahrzehnte kontinuierlich Engagement erfordert.


Ärger gibt es, wenn Fördervereine nicht gut mit der Kirchengemeinde zusammenarbeiten. Bedauerlich ist es, wenn sich FV nach der Sicherung und Sanierung der Kirche auflösen – denn bei so großen Gebäuden, so umfangreichen Restaurierungsarbeiten bleiben ständig Bauaufgaben bzw. muss man die Wartung im Auge haben oder die Restaurierung von großen Kunstwerken. Zahlreiche FV kümmern sich aber auch nach erfolgreicher Sanierung um die Belebung eines Kirchgebäudes neben Gottesdiensten, die weiter über die Gottesdienste hinausgeht.

Warum ist so ein Treffen eigentlich entstanden?

Die enormen Bauaufgaben nach der Wende sollten schnell gelöst werden. Etwa 1994 wurden die neugotische Kirche in Wolde verkauft und das Kirchenschiff in Dargelütz wurde für das Museumsdorf Klockenhagen abgetragen. Die Kirche aus Alt Dammerow sollte nach Mueß ins Freilichtmuseum umgesetzt werden. Das gab Protest im Dorf. Der Bevölkerung, gerade auch der nichtkirchlichen wurde klar, dass ihnen ihre Kirche im Dorf etwas bedeutete, dass sie verloren geht, wenn sie sich nicht kümmern.

Es wurde der Verein „Dorfkirchen in Not“ gegründet, der massiv den Erhalt der Kirchen in Mecklenburg einforderte. Sigrid Patellis aus München war viele Jahre Vorsitzende, stark unterstützt von dem inzwischen verstorbenen Schweriner Pastor Dr. Jürgen Hebert, dann Hans-Reinhard Dorenburg aus Hamburg. Uwe Sander aus Kavelstorf war es, der zahlreiche Vereine bei der Gründung unterstützte und ermutigte. Wulf Kawan stellte eine enge Verbindung zu den kirchlichen Gremien her. Der Verein leistet eine gute bundesweite Öffentlichkeitsarbeit und zahlreiche örtliche Vereine sind Mitglieder. Heute ist Jens Amelung vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Vorsitzender des Vereins.

Es bildeten sich die ersten Fördervereine, um die Kirchgemeinden vor Ort bei den immensen Bauaufgaben zu unterstützen. Die Fördervereine hatten das Gefühl, dass ihre Arbeit von der Landeskirche nicht ausreichend unterstützt wird. Da an allen Orten der Landeskirche große Probleme mit der Sicherung der Gebäude waren, konnten nicht alle Bauwünsche beachtet werden. Um das zu vermitteln, wurde die Idee geboren, die Fördervereine einzuladen, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Dies wurde vom damaligen zuständigen Dezernenten, Oberkirchenrat Dr. Eckart Schwerin, sehr unterstützt. Schon beim ersten Treffen, das in der Thomaskapelle in Schwerin geplant war, reichte der Platz nicht aus. Man zog um in den Oberkirchenrat in den damals noch nicht restaurierten Festsaal.

15 Jahre – was waren die Höhepunkte?

Ein Resultat der Treffen war die Erarbeitung der Nutzungsrichtlinie von Kirchen, die von der Kirchenleitung in Kraft gesetzt wurde. In ihr wurde festgelegt, was in Kirchen sein darf und was nicht – aber nicht als strikte Anweisung, sondern als Hilfe bei Entscheidungen vor Ort. Hier bestand dann auch Klarheit für die Fördervereine. Der Kirchbautag in Rostock war ein Höhepunkt, den viele Fördervereine mitgestaltet haben. Dass er deutschlandweit so stark beachtet wurde, lag in erster Linie an der guten Mitwirkung der mecklenburgischen Fördervereine.

Sie kennen aus Ihren 17 Jahren Dienstzeit sicher fast alle Kirchen im Land. Haben Sie eine Lieblingskirche?

Ein eindeutiges NEIN. Jede Kirche ist ein Unikat. Aufgrund der enormen Sicherungsarbeiten war ich wohl am häufigsten in St. Marien Rostock. Die Sanierungen der Kirchen in Müsselmow, Warlitz, Neverin, Wrechen, der Wiederaufbau von Barkow und Zweedorf – ich könnte noch weitere Orte aufzählen – haben mir gezeigt, wie Einzelpersonen andere Menschen für die Erhaltung der Kirchen begeistern können. Das hat mir und meinen Mitarbeitenden in der Bauverwaltung immer wieder Mut gemacht, auch bei den schwierigsten Problemen nicht aufzugeben.

Aber ohne die Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gleich nach 1990 und der KiBA und den weiteren zahlreichen privaten Stiftungen und Einzelspendern hätten wir nicht so viel umsetzen, sichern und sanieren können. Jetzt habe ich mir den Bereich der Stargarder Kirchen vorgenommen – dort ist das dichteste Gebiet an Kirchengebäuden aber mit den geringsten Bevölkerungs- und Kirchenmitgliedern.

Wenn Sie plötzlich von einer guten Fee eine Million Euro bekämen, was würden Sie damit tun?

Wenn ich eine Million dienstlich zu verteilen hätte, würde ich daraus mehrere kleine Teile machen und sie an Kirchen geben, die damit ihren Eigenanteil hätten, den sie brauchen, um die Bausumme von staatlichen oder sonstigen Förderern verdoppeln zu lassen.
Quelle: Mecklenburgische und Pommersche Kirchenzeitung Nr. 27/2014