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"Es handelt sich um eine Katastrophe mit Ansage"

Kirchen im Norden rufen nach Moria-Brand zur Hilfe auf

09.09.2020 ǀ Hamburg/Moria.  Die Kirchen beklagen die Situation im Flüchtlingslager Moria schon lange. Nach dem verheerenden Brand rufen sie dazu auf, den Geflüchteten in ihrer Not rasch zu helfen und die Menschen aufzunehmen. Europa trage Verantwortung für die Situation.

Nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos haben die beiden großen Kirchen ein Umdenken in der europäischen Flüchtlingspolitik gefordert. "In die Betroffenheit über das Elend der Schutzsuchenden mischt sich die Bestürzung über das politische Versagen," erklärte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der katholischen Bischofskonferenz, am Mittwoch. "Man muss es wohl so offen sagen: Es handelt sich um eine Katastrophe mit Ansage."

"Wie viele Menschen müssen noch auf den Meeren oder in überfüllten Flüchtlingslagern täglich ums Überleben kämpfen, bis wir uns in den Ländern Europas erbarmen?", sagte die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt. Sie sei in Gedanken und Gebet bei den Menschen in Moria. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, forderte sofortige und dauerhafte Hilfe für die betroffenen Menschen.

In der Nacht zum Mittwoch hatte ein Feuer große Teile des mit mehr als 12.000 Menschen völlig überfüllten Lagers auf der griechischen Insel Lesbos verwüstet. Wie die offenbar mehreren Brände entstanden, war zunächst unklar. Tausende Menschen brachten sich nach Informationen der Hilfsorganisation medico international vor den Flammen in Sicherheit und irren nun über die Insel. Berichte über Verletzte oder Tote lagen zunächst nicht vor.

Der evangelische Migrationsexperte Manfred Rekowski forderte, nach dem Brand in Moria ein Zeichen für eine europäische Aufnahme Geflüchteter zu setzen. Ein abgestimmtes europäisches Handeln bei der Aufnahme von Geflüchteten sei "dringend notwendig, ja überfällig", sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland dem Evangelischen Pressedienst (epd).  

Flüchtlingsbischof Heße erklärte, schon seit langem sei die Situation der Schutzsuchenden im überfüllten Lager Moria unerträglich: Deshalb hätten Kirche und Zivilgesellschaft immer wieder appelliert, die humanitäre Krise an den EU-Außengrenzen zu überwinden und für eine menschenwürdige Aufnahme der Schutzsuchenden zu sorgen. Heße: "Passiert ist bislang erschreckend wenig." Vor allem Kinder, Familien und besonders verletzliche Flüchtlinge müssten aus dem Lager Moria rasch auf das europäische Festland gebracht und in Deutschland oder anderen EU-Staaten aufgenommen werden.

Der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister appellierte an die Bundesregierung, den Menschen im Lager Moria zu helfen. "Wir würden als evangelische Kirche alle Möglichkeiten vollständig unterstützen, dass man diesen Menschen einen menschenwürdigen Aufenthaltsort gibt, und dann im Rahmen der Asylgesetze darüber berät und beschließt, wo sie letztlich bleiben können." Meister sprach von einer "absoluten Katastrophe", die allerdings erwartbar gewesen sei.
Quelle: epd


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