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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf - Kirche

Geschichte


Foto: Sebastian Schultz, März 2017
Die Dorfkirche liegt mitten in einem alten zum großen Teil denkmalgeschützten Kirchdorf, das nordwestlich an Rostock angrenzt und nicht weit von der Ostsee liegt.

Sie ist eingebettet in ein denkmalgeschütztes Ensemble eines ehemaligen Pfarrhofes. Zu ihm gehört noch ein zweigeschossiges Pfarrhaus von 1860 und eine Pfarrscheune von ca. 1895. Der alte Kirchhof und ein weitläufiger Pfarrgarten mit altem Baumbestand kennzeichnen das Gelände.

Baugeschichte
Die Kirche mitten im Dorf Lichtenhagen, zwischen Bad Doberan und Rostock gelegen, ist ursprünglich ein gotischer Bau, der aus gespaltenen Findlingen und Backsteinen errichtet wurde. Dendrochronologische Untersuchungen von 2012-15 haben bisherige Vermutungen (vergl. Mecklenburgische Monatshefte Okt. 1934) über einen Vorgängerbau an gleichem Standort bestätigt.

Dieser Vorgängerbau muss um 1228 in der Art einer skandinavischen Stabkirche entstanden sein, dort, wo sich heute der Chor mit der Nordsakristei befindet. Diese „Stabkirche“ ist eine von wenigen weiteren in Mecklenburg nachgewiesenen
( Pokrent um 1195, Baumgarten, Bernitt, Steffenshagen jeweils um 1235, Laase um 1243 und Heligenhagen um 1250). Etwa Mitte des 14.Jahrhunderts wird die „Stabkirche“ wohl zu klein gewesen sein, so dass man sich entschloss, aus Stein eine Kirche zu bauen – den jetzigen Bau!

Das Dachwerk des Kirchenschiffes ist im Wesentlichen aus Eschenholz und auf 1372 datiert. Dabei wurden schon Gebinde von der „Stabkirche“, die bei Fertigstellung abgerissen wurde verwendet. Sie sind deutlich an einer Bearbeitung (Nuten, Sassen) durch die Vorgängernutzung zu erkennen. Aus 1388 datieren die Dachwerke der Hauptgebinde des Chores, sie sind aus Eichenholz. Zwischen den Hauptgebinden in Abständen von ca. 1,60 m sind Zwischengebinde aus Kiefernholz eingefügt worden. Das Kiefernholz wurde 1386 auf der Insel Gotland geschlagen und als Handelsholz auf die Baustelle nach Lichtenhagen verbracht.

Der Turm in seiner jetzigen Gestalt wurde im Anschluss an den Anbau der Südsakristei aus dem 15. Jahrhundert erst nachweislich einer dendrochronologischen Probe 1514 angefügt. Der Glockenstuhl für die ehemals 4 Glocken, von denen allein die zweitälteste von 1479 aus der Rostocker Gießerwerkstatt Andreas Ribe erhalten geblieben ist, konnte auf das Jahr 1767 datiert werden.
Die letzten dendrochronologischen Untersuchungen 2015 konnten den Zeitraum auf 1228 +/- 1 Jahr eingrenzen.

Das Dorf selbst ist erstmals 1264 urkundlich erwähnt.

1842 erfolgten Ergänzungen in den Tragwerken der Dächer.

Von 1887 bis 1893 wurde die Kirche nach dem damaligen Gestaltungsgeschmack "modernisiert", innen mit seitlichen Emporen und einem neugotischen Altar versehen. Außerdem wurden die spätgotischen Fenster vergrößert und vereinheitlicht.

Die von 1967 bis 1976 andauernde Sanierung erbrachte zum nachhaltigen Vorteil für die Gemeinde eine Fußbodenheizung und entfernte die Emporen und den neugotischen Altar.

Von 1998 bis 2011 wurden Mauerwerk, Dachdeckungen, Fenster und die Innenausstattung tiefgreifend im Sinne der Denkmalpflege restauriert, d.h. auch die Bedachung mit Mönch- und Nonnepfannen erneuert.

Eine detailliertere Darstellung zum Baugeschehen hat Ursula Schultz in einem Vortrag anlässlich des Treffens der Fördervereine und Sponsoren am 24. Mai 2008 zusammengefasst. Dieser konnte die Ergebnisse aus den dendrochronologischen Untersuchungen seit 2012 natürlich noch nicht enthalten, gleichwohl ist er immer noch lesenswert: Vortrag 2008

Beitrag Dr. Mohr - besonders zum bemerkennswerten Außenwandaufbau