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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf - Kirche

Ausstattung


Das Sakramentshaus
aus: "Erinnerungen von Hans-Georg Haberstroh", Lütten Klein:
"Seit September 1966 versammelten sich in der Kirche zu Lichtenhagen drei Gemeinden zu ihren Gottesdiensten und sehen diesen Ort als ihr geistliches Zentrum: die Evangelische Gemeinde des Dorfes und die im Aufbau befindlichen evangelischen und katholischen Gemeinden des Neubaugebietes von Lütten Klein. Sehr bald entwickelte sich ein gutes Miteinander, das nicht nur die technisch-organisatorischen Fragen zu Terminabstimmungen betraf. ... Das vertrauensvolle Miteinander der Gemeindeglieder und der Gemeindegremien brachte es mit sich, dass die evangelischen Christen eines Tages fragten, ob die Katholiken in der Dorfkirche einen Tabernakel sehr vermissen und ob Interesse bestünde, das in der Kirche vorhandene alte gotische geschnitzte Sakramentshaus zur "Aufbewahrung des geweihten Brotes': wie man sich ausdrückte, herzurichten. ... Bei der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag 1977 wurde die Einweihung feierlich vollzogen. Einhellige Meinung der Katholiken war: diese Einmaligkeit eines Tabernakels in einem seit der Reformation evangelischen Gotteshaus ehrt in höchstem Maße die Toleranz der evangelischen Gemeinden."

Hier liegt der ganze Text der Erinnerungen als pdf-Datei.

Tauffünte auf einem Sandsteinsockel
Die Herkunft ist unbekannt, sie wird aber skandinavischen Ursprungs zugerechnet. Das granitene Becken mit plastischem Schuppenmuster ist möglicherweise als Ballast mit Handelsschiffen hierher gekommen. Die Taufe soll älter als die Kirche sein.

Skulptur des Heiligen Olaf
Die vorhandene wertvolle Skulptur wird skandinavischen Ursprungs zugerechnet und um 1250 datiert. Diese Alterseinschätzung bestätigte sich durch eine Messung nach einer kohlenstoffbasierten Untersuchung durch die Universität Kiel. Sie ist während des 2. Weltkrieges ausgelagert worden und kopflos wieder zurückgekehrt.

Skulptur einer Pieta
Diese Darstellung Marias mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Christus auf ihren Knien ist ebenso kostbar wie der Heilige Olaf. Die Schnitzerei wird der Doberaner Schule zugerechnet und auf 1360 datiert. Wie die Skulptur des Olafs ist auch die Pieta nach der Auslagerung im 2. Weltkrieg beschädigt zurückgekehrt.

Zwei Apostelfiguren
Zwei Apostelfiguren am Kanzelaufgang entstammen der gleichen Schule und Zeit wie die Pieta und zierten vermutlich einen gotischen Altar vor 1717.

Triumphkreuz
Das Triumphkreuz wird dem Ende des 14. Anfang des 15. Jahrhunderts zugerechnet.

Maria und Johannes als Begleitfiguren
Maria und Johannes als Begleitfiguren einer einstigen Kreuzigungsgruppe und ein kreuztragender Christus sind dem Ende des 15. Anfang des 16. Jahrhunderts zuzurechnen.

Annaselbdritt
Dieses Schnitzwerk stammt von etwa Endes des 15. Jahrhunderts. Es stellt die heilige Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind dar.

Kanzel
Die Kanzel von 1619 wurde von den damaligen Vorstehern der Gemeinde gestiftet.

Heutige Erscheinung
Die Dorfkirche Lichtenhagen wurde wie viele Kirchen des Mittelalters im 19. Jahrhundert einer Sanierung nach damaligem Zeitgeschmack unterzogen. Der in Doberan ansässige Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel (1828 bis 1915), dem auch die Sanierung des Doberaner Münsters oblag, hat auch die Umgestaltung dieser Kirche stark beeinflusst. Die bis dahin barocke Innenausstattung wich der neugotischen Gestaltung. Diese wurde erst mit der Sanierung Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückgenommen und lässt seit dem die Raumwirkung des ursprünglichen Baus aus der Spätgotik zur Geltung kommen.

Die Ausmalung des zweijochigen Gewölbes und des Triumphbogens stellen biblische Szenen und Aussagen dar und stammt aus der Entstehungszeit der Kirche. Sie ist am Ende der Sanierung 1894 in atemberaubender Geschwindigkeit (man spricht von 2-3 Tagen) durch zwei Wismarer Maler Michaelis und Krause die Darstellungen zwar übernehmend aber in ihrem Malstil stark "überarbeitet". An einigen Stellen sieht man noch ursprüngliche Reste. Dort ist ihre "Kunst" nicht ganz aufgegangen.
vor der Restaurierung
mit geschlossenen Rissen
teilweise gereinigt