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Ev.-Luth. Kirchengemeinde Klinken

Kirche zu Frauenmark

Etwas vereinfacht kann man sagen, dass es im Mittelalter in Mecklenburg rote und weiße Kirchen gab, nämlich die roten Backsteinkirchen und die weiß verputzten Feldsteinkirchen, zu denen auch die Frauenmarker Kirche gehört, die das älteste Bauwerk zwischen Schwerin und Parchim ist.

Das bodenständige Baumaterial,  überputzter Feldstein, ist nicht so augenfällig wie roter Backstein, der mit seiner „genormten“ Größe eine feingliedrige Gestaltung an Portalen, Gesims und Giebeln ermöglicht. Feldsteine mussten mühselig gesammelt und dann gespalten werden, und die Sockeln und Ecken, Fenster- und Portaleinfassungen erforderten sorgfältig behauene Quader. Eine heutzutage kaum mehr vorstellbare Leistung von Steinschlägern und Steinmetzen, die erbracht werden musste, bevor mit dem Bau begonnen werden konnte.

Das Gefüge aus Feldsteinen und Findlingen ist beeindruckend. Die schlichte Monumentalität der kompakten Folge der Baukörper in Frauenmark: Apsis – Chor – Kirchschiff, äußerlich nicht trennbar vom Turmunterbau, hat etwa Faszinierendes.

Diese Urwüchsigkeit entspricht aber nicht dem ursprünglichen Erscheinungsbild romanischer Feldsteinkirchen, allenfalls ihrem Rohbauzustand. Denn diese Kirchen waren überwiegend mit Weißkalk verputzt und erhielten mit roter Farbe ein Fugennetz, um den Eindruck eines regelmäßigen Mauerwerkes zu erwecken. Portale und Fenster waren farblich hervorgehoben. Mit wenigen Farben – weiß, rot grau bis schwarz – wurde auf den Putz gemalt, was der Feldstein im Gegensatz zum Backstein nicht hergab: Ornamente aus geometrischen und pflanzlichen Motiven.

Leider reichen die gefundenen Farbreste nicht aus, um eine geschlossene Außenfarbgkeit  rekonstruieren zu können. Diese helle Farbigkeit, die draußen verwittert ist, empfängt uns aber im Innenraum, dessen vierfache Raumfolge eine stille achsiale Suggestion ausübt: vom Turmraum durch das Kirchenschiff zum gewölbten Altarraum mit der halbrunden Apside, in deren Rundfenster diese Bewegung ihren Zielpunkt findet. Dieser Bewegung gibt die recht vollständige Ausmalung bildhafte Akzente und Bedeutung.

Das Kirchenschiff wird unterhalb der Flachdecke von einem Ornamentband aus Palmetten- und Dreieckmotiven eingefasst – gleichsam der Saum eines Baldachins, der von Engeln mit emporgestreckten Händen gehalten wird.

Das Gewölbe im Altarraum müssen kauernde Rittergestalten tragen. Dieses Motiv der Trägerfiguren lässt Kirchenschiff und Chorraum zu Hoheitsbereichen und Vorräumen eines Zentrums werden, das in der Apsis und in seiner Ausmalung zu finden ist: Zwei Engel erheben ein gleichschenkliges, großflächiges Kreuz, aus Quadraten gebildet und mit Kreisen besetzt. In der Bildsprache des 13. Jahrhunderts bedeutet dies ein mit Edelsteinen besetztes Kreuz, ein Gemmenkreuz, als Zeichen des Christus als dem „gesalbten“ König des Himmels und der Erden.

Die anderen Malereien sind schwer deutbar. Nur durch die Ritzung im Putz erkennbar sehen wir über uns die älteste Darstellung eines Ritters in unserem Land. Wer ist dieser Reiter im Triumphbogen? Der Heilige Martin im Begriff, den langen Mantel zu teilen? – aber kein Bettler, kein Heiligenschein ist zu entdecken. Oder ist er der Stifter dieser Kirche, Hermann von Dargun, der wohl um 1230 diese Kirche zu bauen begann? Da auch nicht überliefert ist, wem die Frauenmarker Kirche – etwa auch dem heiligen Martin – geweiht worden ist, bleiben wir trotz der so klar lesbaren einfachen Bildzeichnung in Spekulationen stecken.

Diese einfache Formensprache ist auch dem neuen Taufstein eigen. Wie in einem Freudenreigen bewegen sich Getaufte um das Becken. Ob Wieland Schmiedel, der auch das Lesepult und den Altartisch sowie die Kreuzmontage schuf, dieser Deutung zustimmen würde?

Der spätgotische Marienaltar gibt sich in der Form der Ornamente und in den Gewändern der Figuren viel aufwendiger als die Schlichtheit der Räume und ihrer Ausmalung. Diese Andersartigkeit ist nicht zu übersehen und war Anlaß zur zwischenzeitlichen Aufstellung im Turmraum. Dieser Schrein wurde kurz vor der Reformation geschaffen das Bildprogramm ist vielschichtig. Die Apostel und Heiligen waren dem Menschen im Mittelalter Vorbild im Leben und Sterben, zugleich auch persönlicher Schutzpatron und Helfer in besonderer Not. Für Martin Luther war es die Mutter Marias und Schutzpatronin der Bergleute, die Heilige Anna (links oben neben der großen Madonnenfigur): „Hilf Heilige Anna! Ich will Mönch werden!“ soll er in einem Unwetter gerufen haben.

Im Mittelfeld mit der Marienfigur ist gleichsam die Summe christlichen Glaubens dargestellt: Erlösung durch Christi. Menschwerdung und Opfertod, vergegenwärtigt durch Maria mit dem Christuskind und die fünf Wundmale im „Rosenkranz“, der die Strahlen um Maria einfasst. Der „Rosenkranz“, wie hier in vielen Altären Mecklenburgs aus dieser Zeit dargestellt, ist für katholische Christen auch heute noch eine Gebets- und Meditationshilfe. Jede kleine Rose bzw. Perle bedeutet ein Ave-Maria-Gebet und jede große Rose mit den Wundmalen entspricht einem Vater-Unser-Gebet.

Im Beschluß des Vater-Unser „…den Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen“ schließt sich der Bedeutungskreis zum gemalten kreuz in der Apsis als Lobpreis und Zeichen des Christus.