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Pfr. Rainer Schild

Pasewalker Kreissynode votiert deutlich für eine Nordkirche

 

Pasewalk (ran). Die Kreissynode des Kirchenkreises Pasewalk hat am Donnerstagabend fast mit Zweidrittelmehrheit für die Bildung einer Nordkirche aus Pommern, Mecklenburg und Nordelbien votiert. Der Synodale Rainer Schild hatte den Antrag eingebracht, daß die Kreissynode die Vorlage der Kirchenleitung an die Landessynode zur Aufnahme von förmlichen Fusionsverhandlungen begrüßen möge. 25 Synodale stimmten in geheimer Abstimmung für diesen Antrag, 13 waren dagegen.




Propst Gerhard Ulrich

Der Abend hatte nach einer Andacht von Jens Warnke im Thema mit einem Grußwort des nordelbischen Propstes Gerhard Ulrich aus Angeln begonnen. Ulrich sagte, daß es in einer Nordkirche „nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner“ gehe, sondern darum, „die Verschiedenheit nicht als Gefahr zu sehen in der wir verschwinden, sondern die Unterschiedlichkeit als Bereicherung wahrzunehmen.“ Dabei gehe es „nicht nur um Finanzen und Verfassungseckpunkte, sondern es geht um Zutrauen für diesen gemeinsamen Weg. Nur wenn Vertrauen wächst, können wir auch loslassen und etwas Neues anfangen.“ Propst Ulrich, der an den letzten Abenden alle pommerschen Kreissynoden besucht hatte, wurde später vor seiner langen Fahrt an die dänische Grenze mit dankbarem Applaus verabschiedet.

 

Konsistorialpräsident Peter von Loeper stellte nach Beamerausfall sodann das Ergebnis der Sondierungsverhandlungen vor (Siehe auch Sondierungsbericht, die Berichte von Stralsund, Demmin und Greifswald). Von Loeper verwies dabei auf die Nordelbische Kirche, die ja als Fusionskirche aus sechs ehemaligen Kirchen Erfahrungen im zusammenwachsen habe.




Superintendent Andreas Haerter, Propst Gerhard Ulrich, Bischof Hans-Jürgen Abromeit

Bischof Hans-Jürgen Abromeit stellte sodann den Beschlußvorschlag der Kirchenleitung für die Aufnahme von Verhandlungen vor. Er teilte mit, daß für die Begleitung dieses Prozesses eine Arbeitsstelle eingerichtet werden solle, die diese Gespräche professionell begleiten würde.

Der Bischof sagte, daß auch Bedenken bleiben würden, denn bei einer Fusion oder einem Anschluß würde man Souveränität abgeben. „Wir können uns dann nicht mehr alleine nach außen vertreten, etwa in der Kirchenkonferenz der EKD,“ das würden dann zwei oder drei Personen für die gesamte Kirche wahrnehmen.

Abromeit nahm auch zum Bischofsamt Stellung, das nur für eine Übergangszeit für Mecklenburg und Pommern eigenständig bestehen bleiben solle. Er verwies auf die großen Flächen auf der Landkarte und sagte: „Wir liegen sehr weit in Norden und im Osten und daher ist es schon gut, wenn ein Bischof als Sprachrohr für die klein gewordene Gemeinschaft der Christen reden kann.“




Pfr. Bernhard Riedel

In der Aussprache sagte der Penkuner Pfarrer Bernhard Riedel, daß eine Entscheidung der Synode jetzt nicht möglich sei – „wir haben keinerlei Grundlage für eine Entscheidung“ – denn es müßten auch im Hinblick auf Berlin-Brandenburg solche Zahlen vorgelegt werden. Der Konsistorialpräsident meinte dazu, daß ein ausführlicher Prüfbericht seit dem Frühjahr vorliegen würde (Prüfbericht EKBO).

 

Der Ueckermünder Pfarrer Stephan Leder fragte nach der Mitgliedschaft in der Union Evangelischer Kirchen (UEK) und wie sie für Pommern gewahrt werden könne. Bischof Abromeit sagte, daß die UEK-Mitgliedschaft für das pommersche Kirchengebiet bleiben würde. Aus der UEK-Tradition habe man das Bekenntnis von Barmen 1934 eingebracht, denn die Weiterentwicklung des Bekennens seit dem 16. Jh. sei ein wichtiges Anliegen der UEK.


Der Pasewalker Dietmar Wohlgemuth wollte über die Ausgestaltung eines künftigen Kirchenkreises Pommern mehr wissen. Von Loeper antwortete, daß es eine Kreissynode mit Kreiskirchenrat geben würde mit Kirchensteuer- und Finanzhoheit sowie geistlicher Leitung in einem dann gegliederten Kirchenkreis. Der Angelner Propst Ulrich berichtete, daß man nach der Fusion von Kirchenkreisen in Nordelbien bei ihm auch einen gegliederten Kirchenkreis mit drei Pröpsten geben würde. „Wir werden Aufsichtsbezirke bilden und die gesamkirchenkreislichen Aufgaben untereinander verteilen. Jetzt wird in Nordelbien der gegliederte Kirchenkreis nicht die Ausnahme sondern die Regel werden,“ sagte er.




Superintendent Ulrich Tetzlaff

Die Frage der Stellenplanung in einer fusionierten Kirche war dem Retziner Pfarrer Mathias Jehsert wichtig. Darauf antwortete der Greifswalder Superintendent Ulrich Tetzlaff, Mitglied der Steuerungsgruppe, und sagte, daß es in einer Nordkirche einen unterschiedlichen Pfarrstellenschlüssel geben werde. „Bei Propst Ulrich gibt es Gemeinden mit 800 Gemeindegliedern, was in Hamburg natürlich nicht denkbar ist.“

Tetzlaff bezog auch zum Bewerbungsrecht für Pfarrerinnen und Pfarrern Stellung. So sei vorgesehen, daß nach Beginn der Fusionsverhandlungen schon ein Wechsel in eine andere Landeskirche möglich sei. Allerdings nur in beschränktem Maße: „eine Kirche kann bis zu zwei Stellen in Vorleistung gehen, dann ist mal Stop,“ so Tetzlaff, und "wenn dann jemand zu uns kommt, ist wieder ein Wechsel möglich." Bei einer vereinigten Kirche gebe es natürlich einen offenen Stellenmarkt.




Abstimmung unter Aufsicht des Präses: Wolfgang Banditt (re.) und Pfr. Jens Warnke (li.)

Am Ende der Aussprache sagte der Hetzdorfer Pfarrer Thomas Kurth: „Ich bin begeistert von der Vision, im Norden Deutschlands eine Kirche zu gründen,“ und verwies auf die lange Gemeindepartnerschaft mit Nordelbien. Daß die nordelbische Synode ohne Gegenstimmen für die Sondierungsverhandlungen gestimmt habe, „hat mich sehr gefreut. Darin sehe ich ein ganz großes Vertrauen und eine Hoffnung. Zu solchen Christenmenschen möchte ich gerne gehören und mit ihnen etwas Neues beginnen,“ sagte Kurth.

 

Das Ende der Kreissynode war überraschend. Der südlichste pommersche Kirchenkreis mit Kirchengemeinden auf dem Gebiet von Brandenburg stimmte in geheimer Abstimmung mit deutlicher Mehrheit für eine Nordkirche.

 

Das entscheidende Wort hat nun in einer Woche die pommersche Landessynode.

(9.11.2007)

 


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