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Studie

Jedes fünfte Kind lebt in Armut

22.07.2020 ǀ Gütersloh/Schwerin.  Trotz guter Konjunktur in jüngster Vergangenheit bleibt Kinderarmut in Deutschland einer Studie zufolge weit verbreitet - auch in Mecklenburg-Vorpommern. Die Corona-Pandemie könnte die Lage verschlimmern.

Mehr als jedes fünfte Kind (21,3 Prozent) lebt laut einer Berechnung der Bertelsmann Stiftung in Armut. Das seien 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, erklärte die Stiftung am Mittwoch in Gütersloh. Fast jedes siebte Kind (13,8 Prozent) erhält die Grundsicherung, wie aus einer Armutsmessung der Stiftung zu Kinderarmut hervorgeht. Trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung verharre die Kinder- und Jugendarmut auf hohem Niveau erklärte die Stiftung.

In Mecklenburg-Vorpommern leben 15,3 Prozent der Kinder in einer Familie mit Hartz IV-Bezug, etwas mehr als im Bundesdurchschnitt (13,8 Prozent). Im Vergleich zu 2014 ist die Quote jedoch um 6,8 Prozentpunkte gesunken. Besonders hoch ist der Hartz IV-Anteil unter den Kindern in Schwerin (25,4 Prozent) und Rostock (18,3 Prozent). Sehr viel niedriger ist er in den Landkreisen Rostock (10,4 Prozent) und Ludwigslust-Parchim (12,0 Prozent).

Auch die Bertelsmann Stiftung äußerte diese Befürchtung: Eltern von benachteiligten Kindern arbeiteten häufig in Teilzeit oder als Minijobber. Sie gehörten zu der Gruppe, die als erste ihre Jobs verlören oder nur wenig Kurzarbeitergeld erhielten. Dass zahlreiche außerhäusliche Unterstützungsangebote während des Corona-Lockdowns nicht fortgesetzt werden konnten, habe zudem Folgen für die bedürftigsten Kinder und Jugendlichen. 24 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug hätten keinen internetfähigen Computer im Haushalt, 13 Prozent keinen ruhigen Platz zum Lernen.

Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, warnte, dass Kinderarmut infolge der Corona-Pandemie weiter zunimmt. Arme Familien hätten kein Geld für Nachhilfelehrer oder könnten sich kostenpflichtige Lernplattformen nicht leisten. "Daher sollte dringend die Einrichtung eines Sonderfonds geprüft werden, über den Bildungsprogramme für benachteiligte Kinder finanziert werden können", forderte er.

De Bertelsmann Stiftung erklärte, zwar habe sich die materielle Versorgung von Kindern in der Grundsicherung in den vergangenen fünf Jahren verbessert, der relative Unterschied zu Kindern in gesicherten Verhältnissen sei jedoch gleich geblieben. Notwendig sei eine transparente und Teilhabe sichernde Leistung für Kinder und Jugendliche, die Armut vermeide. Vorschläge für ein Teilhabegeld oder eine Grundsicherung für Kinder gebe es bereits.

In einer kombinierten Armutsmessung hat die Stiftung nach eigenen Angaben die Armutsgefährdung sowie Kinder in der Grundsicherung berücksichtigt. Grundlage waren aktuelle Auswertungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
Quelle: epd

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