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Von Maltzahn: Selbstheilungskräfte des Marktes sind eine Fata Morgana

 

Dobbertin (rn). Der Jahresempfang der evangelischen Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern für Politik, Wirtschaft und Kultur fand traditionell am Reformationstag statt. Dazu waren etwa 180 Teilnehmende in die diakonische Einrichtung Kloster Dobbertin gekommen.

 

Der gastgebende mecklenburgische Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn sagte in der Andacht zu Beginn des Empfangs, daß wir alle „Wunschkinder Gottes“ seien und dies sei der „Schlüssel zu einem erfüllten, gelassenen Leben im Frieden mit sich selbst.“ Es sei ein „hoffnungsloser Versuch, sein Daseinsrecht, seinen Wert durch Arbeits- und Lebensleistung erweisen zu wollen.

 

Auf diesem Hintergrund habe Freiheit etwas Befreiendes. Wenn Bürgerrechtler in totalitären Systemen „existierendes Unrecht als Unrecht benennen,“ dann sei das der Anfang vom Ende des Systems, sagte von Maltzahn. Da sich die „angeblichen Selbstheilungskräfte des Marktes’ als bloße Fata Morgana., erwiesen, bestünde die Chance umzusteuern. „Weg von einer Form des auf kurzfristigen Gewinn zielenden Wirtschaftens hin zu einer auf Nachhaltigkeit orientierten, gerechten, solidarischen Gesellschaft.

 

Die Sozialministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, die Ministerpräsident Erwin Sellering vertrat, sagte, daß auch der neue Regierungschef „die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit den Kirchen“ fortsetzen wolle. Schwesig nahm Bezug auf den Reformationstag und meinte, daß man zur Zeit eine „Deformation“ der sozialen Marktwirtschaft erlebe, benötigt werde aber eine „Reformation der sozialen Marktwirtschaft“ mit neuen Regeln und Grenzen wobei der Mensch den Mittelpunkt darstelle.

 

Der pommersche Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit sagte bei der Begrüßung, daß es dieser Empfang im Kloster Dobbertin von symbolischer Bedeutung sei , denn – so Bugenhagen, der Glaube an Gott und die Liebe zum Nächsten seien „ein rechtes Christentum.“ Und hinsichtlich der Nordkirche meinte Abromeit, daß es „hier und da Unbehagen gibt, da sich nur die Strukturen ändern und zuwenig innerlich in Bewegung“ komme und er fügte hinzu: „Vielleicht gelingt es ja, etwas von dem reformatorischen Schwung in die neue Kirche hineinzubringen.“

 

Kirchenrat Martin Scriba erinnerte an die Anfänge von "Kloster Dobbertin". 1220 als Benediktinerkloster gegründet wurde es schon 14 Jahre später in ein Nonnenkloster umgewandelt und war, nachdem 1309 ein Krankenhaus errichtet wurde, schon vor der Reformation eine soziale Einrichtung. Später wurde es ein adliges Damenstift, nach 1945 ein Landesaltenheim und dann Außenstelle der Schweriner Nervenklinik. Seit 1992 engagiert sich die Diakonie für die jetzt 285 behinderten Bewohnerinnen und Bewohner. Das Diakoniewerk Kloster Dobbertin ist Träger von etwa 60 Einrichtungen - bis hin zur Insel Usedom - mit etwa 1.200 Mitarbeitenden. (1.11.2008)

 



Klosterkirche Dobbertin. Fotos: Neumann


Landesbischof Andreas von Maltzahn begrüßt Sozialministerin Manuela Schwesig


Bischof Andreas von Maltzahn, Weihbischof Norbert Werbs und Propst Michael Pietrus



Hans Hopkes, Geschäftsführer des Diakoniewerkes Dobbertin


Hans Hopkes, Justizministerin Maria Kuder, Bischof Hans-Jürgen Abromeit und Sozialministerin Manuela Schwesig




Tanzgruppe aus Bewohnerinnen und Bewohnern diakonischer Einrichtungen


Das Bläserquartett des Landespolizeiorchesters




Lutz Decker, Klaus-Dieter Kaiser und Michael Körner


Klosterkirche Dobbertin




Annegret Wegner-Braun (re.) im Gespräch


Bischof Hans-Jürgen Abromeit


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