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Partnerkonsultationen der Nordkirche

Internationale Kirchenvertreter zu Gast auf dem Biohof

15.09.2015 ǀ Schwerin.  Die Welt zu Gast in Schwerin: Kirchenvertreter aus Tansania, Indien, Südafrika und Schweden besuchten heute die Landeshauptstadt. Anlass ist eine Konsultation zwischen der Nordkirche und ihren internationalen Partnerkirchen.

Für Sarah Edward Msengi (Pastorin der Zentral-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania), Prof. Sarat Benia (Evangelisch-Lutherische Jeypore-Kirche in Indien), Katarina Toll Koril (Pröpstin der Diözese Växjö - Kirche von Schweden) und Sekhopi Malebo (Pastor Evangelisch-Lutherische Kirche im Südlichen Afrika) war die erste Station der Hof Medewege, denn die Visite im Kirchenkreis Mecklenburg steht unter der Überschrift: „Die Erde bebauen und bewahren“. Biologisch-dynamischer Landbau wird „auf den Ackerflächen rund um unseren Hof großgeschrieben“, berichtete Georg Wilhelm Jahn, der sich um das Vieh und die Milchverarbeitung kümmert. Von ihm wollte Pastor Sekhopi Malebo aus Afrika auch Näheres zum Milchpreis wissen, der derzeit in Deutschland wohl mächtig unter Druck sei.

Nachahmenswert: Vertriebswege selbst aufbauen

Darüber hinaus erfuhren die Gäste beim Rundgang mit Matthias Baerens, der mit seiner Familie auf dem Hof wohnt, dass es Obstplantagen, eine Gärtnerei, einen Feldgarten und sogar Bienenvölker auf dem weitläufigen Gelände gibt. „Insofern müsste niemand weit gereiste Kartoffeln oder Äpfel im Supermarkt kaufen, sondern einfach um die Ecke zum Landwirt oder Obstbauern seines Vertrauens fahren“, so Matthias Baerens. In diesem Zusammenhang stießen die eigenen Vertriebswege des Hofes – samt Laden und ansässiger Bio-Bäckerei – auf besonderes Interesse. Eine Kostprobe aus dem Medeweger Sortiment gab es dann beim Mittagsimbiss im Hofcafé.

Für Katarina Toll Koril aus Schwerins Partnerstadt Växjö sind die Begegnungen in in Mecklenburg, eine „gute Gelegenheit, die eigenen Perspektiven des Handelns zu erweitern“, sagte die Pröpstin der Kirche von Schweden. Gerade als Christ stehe man in der Verantwortung für die Welt und die Schonung der natürlichen Ressourcen. „Nachhaltige und ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft, wie in Medewege, ist dabei ein wichtiger Baustein“, so die Theologin.

Entscheidend: Frage der weltweiten Gerechtigkeit

Bei einem anschließenden Gespräch mit der Schweriner Bischof Dr. v. Maltzahn standen der Klimaschutz und die aktuelle Flüchtlingsfrage ebenso im Mittelpunkt, wie die Frage, welche Standpunkte die Kirche zur industriellen Tierhaltung, zum Bau von Windenergie- und Solaranlagen oder der Förderung des fairen Handels einnimmt. „Als Kirchen haben wir zum einen die Aufgabe, den gesellschaftlichen Diskurs zu moderieren, und zugleich das Bewusstsein für die Probleme zu schärfen“, sagte Bischof v. Maltzahn und ergänzte: „Wir müssen umdenken beim Umgang mit der einen Welt in der wir leben. Der Einsatz für Gerechtigkeit ist uns vom Glauben her geboten und ohne Alternative.“ Dafür sollten sich die Kirchen in politische Prozesse einbringen und an der gesellschaftlichen Meinungsbildung mitwirken.
Zum Ausklang des Schwerin Besuchs schauten sich die internationalen Gäste noch den Schweriner Dom und das Schloss an.

Beispielgebend: Klimaschutzpaket in Mecklenburg

„Wir wollten unseren Partnern zeigen, was uns in der Kirche neben Verkündigung und Seelsorge derzeit besonders beschäftigt“, resümiert Pastor Jens Peter Drewes von Ökumenischen Arbeitsstelle Mecklenburg. So besuchte er gemeinsam mit seinen Gästen in den vergangenen Tagen ebenso den Windkraftpark Lüssow-Groß Schwiesow bei Güstrow. „Wir stiegen fest angeschnallt sogar in die Gondeln hoch.“ Seine Kollegin, Aenne Lange, informierte, dass der Kirchenkreis Mecklenburg als Vorreiter beim Zukunftsthema „Energiewende“ gilt. So gebe es ein Kirchliches Energiewerk, einen CO2-Einsparfond für Klimaschutzmaßnahmen und den Beschluss zur Einführung eines Energiecontrollings.

Weitere Besuchsorte waren die Putenmastanlage auf dem Domgut Dehmen bei Güstrow. Dort schüttelten die Gäste laut Pastor Drewes den Kopf, weil die Landwirte berichteten, dass sie Waldputen aufziehen wollen, aber die Behörden dies im Wald untersagen. Solche bürokratischen Hemmnisse seien ihnen zum Glück weithin unbekannt, so eine afrikanische Teilnehmerin. Darüber hinaus lernte die Delegation die Kirchengemeinde Neuenkirchen, eine Biogasanlage, eine ökologische Kläranlage und die Güstrower Werkstätten näher kennen.

Zum Abschluss der Konsultationen findet vom 16. bis 19. September eine Klausurtagung im nordfriesischen Breklum statt. Dort werden die Erfahrungen und Perspektiven aller teilnehmenden Partnerkirchen gebündelt. Mit einem Festgottesdienst am 20. September im Hamburger Michel wird der Erfahrungsaustausch enden.
Quelle: ELKM (cme)
Hintergrund

Die Nordkirche unterhält Kontakte zu Kirchen in mehr als 20 Ländern der Welt. Im Zuge der Gründung der Nordkirche ist die Zahl der Partnerkirchen und -diözesen auf 32 gestiegen, dazu kamen aus Mecklenburg und Pommern unter anderem Partnerschaften nach Osteuropa, in die USA und nach Afrika hinzu. Aus allen 32 Partnerkirchen sind derzeit Delegierte im Norden Deutschlands unterwegs.