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Kirche soll um „religiös Unmusikalische“ werben - „Innovationsforum“ befasst sich mit Erneuerungsstrategien

 

Stuttgart (idea). Für eine Umverteilung des kirchlichen Aufwandes an Personal, Zeit und Finanzen hat sich der Leiter des EKD-Zentrums „Mission in der Region“, Pfarrer Hans-Hermann Pompe (Dortmund), ausgesprochen. Anstatt das meiste Engagement der Kerngemeinde zu widmen, sollte etwa ein Drittel für Menschen bestimmt sein, die noch nie etwas von Gott gehört haben, sagte er beim Kongress „inno2012 – Innovationsforum für die Kirche von heute“ am 25. Januar in Stuttgart. Veranstalter ist die Bewegung „Willow Creek Deutschland“, die vom 26. bis 28. Januar ebenfalls in Stuttgart einen Leitungskongress durchführt. Laut Pompe herrscht besonders in den neuen Bundesländern das Denken vor, dass jede Art von Religion überflüssig oder sogar gefährlich sei. In Ost wie West sähen viele Menschen Glauben weitgehend als irrelevant an. Die „religiös Unmusikalischen“ würden nicht durch Programme erreicht, sondern nur durch gelingende Beziehungen im Alltag: „Wenn sie engagierte und glaubwürdige Christen kennenlernen, beginnen sie zu fragen, wieso ein normaler Mensch etwas mit Gott oder Kirche zu tun hat.“ Andere Anknüpfungspunkte seien diakonische und seelsorgerliche Angebote.

 

Ein weiteres Drittel ihrer Kräfte sollte die Kirche für Distanzierte aufwenden, riet Pompe. Diese Kirchenmitglieder hätten lose Kontakte zu Gemeinden, etwa an Festtagen oder im Urlaub. Sie wüssten jedoch nicht, was Kirche, Glaube und Gott mit ihrem Alltag zu tun haben sollte. Hier habe die Kirche viele Anknüpfungspunkte. Allerdings seien Landes- und freikirchliche Gemeinden meist schlecht vorbereitet. Sie pflegten häufig eine für Außenstehende unverständliche Sprache, etwa die griechische Bitte „kyrie eleison“ (Herr Erbarme Dich) oder die Anrede von Gottesdienstbesuchern als „Geschwister“. Wenn Distanzierte „nur Bahnhof“ verstünden, könne man sie nicht für eine Mitarbeit begeistern, kritisierte Pompe. Das letzte Drittel des kirchlichen Aufwandes sollte bekennenden Christen zugute kommen. Sie brauchten Vergewisserung, Anleitung und Begleitung.

 

Der Studienleiter am Marburger Bildungs- und Studienzentrum, der Theologe Tobias Faix, appellierte an die rund 400 Konferenzteilnehmer, sich gemeinsam für die Ausbreitung von Gottes Reich zu engagieren. Nach seinen Beobachtungen stellen christliche Gruppen zunehmend ihre Identität durch Abgrenzung von anderen Gruppen heraus. Der Blick auf Gott ermögliche es, Egoismen zu überwinden und Mauern zwischen Gemeinden abzubauen. Christen sollten sich über geistliche Aufbrüche in der Nachbarschaft freuen.

 

Über einen Versuch, die erst acht Jahre alte „City Church Würzburg“ zu erneuern, berichtete deren Pastor Christoph Schmitter. Zu ihren Gottesdiensten in einem Kino kommen sonntags rund 300 Besucher. Allerdings habe man festgestellt, dass viele zwar die entspannte Atmosphäre schätzten, aber keine Kontakte zu anderen Besuchern hätten. Dies solle mit einem Experiment geändert werden: Von Februar bis Juli finden Gottesdienste nur noch in einem zweiwöchigen Rhythmus statt. An den anderen Sonntagen sind Treffen in Kleingruppen geplant, die in Privathäusern zum Bibelgespräch zusammenkommen, Veranstaltungen unter freiem Himmel abhalten oder soziale Aktionen vorbereiten. Schmitter hofft, dass dadurch mehr Menschen Erfahrungen mit Gott machen.

 

Nach Ansicht des katholischen Pastoralreferenten im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim, Matthias Kaune, stehen die Kirchen vor der Herausforderung, einen meist ererbten Glauben ihrer Mitglieder in ein entschiedenes Christsein zu verwandeln. Dazu gehöre Vertrauen zu Gott als dem Erneuerer der Kirche, ein Blick für die geistlichen Traditionen anderer Kirchen, praktizierte Frömmigkeit und Liebe zu Menschen, die auf der Suche nach Gott sind.

 

(26.01.2012) Quelle: idea

 


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