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Der nordelbische Synodenpräses Strenge in Züssow
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Aufmerksame Zuhörer
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Diskussion (1)
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Diskussion (2) Fotos: T. Reincke
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Pommerscher Informationsabend zur Nordkirche: „Die Sache ist machbar“
Züssow (rl). Am 4. Oktober 2007 fand eine Informationsveranstaltung der Pommerschen Evangelischen Kirche für Landessynodale und Gäste zum Stand der Sondierungsgespräche über die mögliche Fusion der drei Nordkirchen am im Züssower Wichernhaus statt.
Es sind drei Segelschiffe! Jedenfalls wirkten die drei Logos der Pommerschen Evangelischen Kirche (PEK), der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs (ELLM) und der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (NEK) auf dem Startbild der Power-Point-Präsentation ganz so, als seien da drei Boote unter vollen Segeln auf gemeinsamer Fahrt über das weite Meer unterwegs. Der Grafiker hatte die drei Logos in Caspar David Friedrichs Gemälde „Die Lebensalter“ hineinprojiziert, auf dem eine Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters hinausblickt auf vor der Küste kreuzende Segelschiffe. Während die „Schifflein“ aus Mecklenburg und Pommern wie Jollen wirkten, demonstrierte die nordelbische Dreimastbark den Größenunterschied der Fusionspartner. Und mit den Friedrichschen Figuren richteten auch die Züssower Betrachter der kleinen Flotte ihren Blick „hinaus“ auf die See, also nach Norden, vielleicht nach Westen - jedenfalls nicht nach Süden.
Dass die Zukunft der PEK wohl maritim ausgerichtet sein dürfte, ist der bleibende Eindruck dieser ersten herbstlichen Informationsveranstaltung, zu der die Kirchenleitung der PEK eingeladen hatte. Die Synodalen, die im November über die Himmelsrichtung der pommerschen Fusionsabsichten entscheiden sollen, konnten sich als erste ein Bild von den Ergebnissen der Sondierungsgespräche mit den beiden anderen Nordkirchen machen.
In Züssow konnte Präses Dr. Rainer Dally knapp fünfzig Besucher begrüßen, die meisten davon Landessynodale. Nach der Andacht, in der die Stralsunder Superintendentin Helga Ruch die Hoffnung von Jesu Senfkorn-Gleichnis zu säen suchte, indem sie von überraschend lebendigen Partnerschaften zwischen Kirchengemeinden aus Pommern und Nordelbien berichtete, eröffnete Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit die Ergebnispräsentation mit einer Darstellung der von den drei Kirchenleitungen am 14. September 2007 beschlossenen Leitsätze „Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Kirche im Norden“:Weg (136 KB)
Auch wenn es keine theologischen Gründe für eine bestimmte Grenzziehung gibt, seien doch die Voraussetzungen dafür, „das Evangelium bestmöglich zu den Menschen zu bringen“ in einer gemeinsamen Nordkirche am günstigsten. Dafür sprächen die gemeinsame Kultur, die Gunst der Stunde und die guten Zukunftschancen dieser Verbindung.
Das Bild der Kirchenschifflein passte auch hier: Früher sei es im Norden mühsamer gewesen, auf dem Landweg voran zu kommen, auf dem Seeweg ging es schneller. So habe die Verbindung durch die Ostsee für eine gemeinsame Kultur in den Städten gesorgt.
Auch bei den heutigen drei Nordkirchen fand der Bischof viele kulturelle Gemeinsamkeiten: Theologisch sei für alle drei Kirchen die lutherische Reformation prägend. Abromeit wies auf die Kirchenordnungen von Lübeck und Hamburg hin, die der Reformator Pommerns, Johannes Bugenhagen, schuf. Im Bistum Schleswig hatte er sogar Bischof werden sollen. Auch die immer neue Vergegenwärtigung des Bekenntnisses, wie z.B. in der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 geschehen, sei ein gemeinsames Gut. Die Gemeinsamkeiten der Kultur speisten sich auch aus den Erfahrungen der friedlichen Revolution von 1989 und der Wiedervereinigung. Dass die Kirche einmal mit dem Volk gegen die Obrigkeit demonstriert hat, wolle auch Nordelbien gern mitnehmen in eine gemeinsame Kirche. Die Erfahrung von damals sei gewesen: „Gemeinsam sind wir stark.“
Die sechzigjährige Geschichte von Partnerschaften zwischen Pommern und Nordelbien bewähre sich auch in der heutigen Partnerschaft: Die „gemeinsame neu verfasste Kirche“ wollten auch Mecklenburger und Nordelbier. Es sei ausdrücklich kein „Anschluss“ gewollt!
Tourismus, Backsteingotik, Niederdeutsch, A 20, NDR - die Leitsätze zählen noch viele Gemeinsamkeiten auf, die einem Nordverbund der Kirchen günstig sind. Bischof Abromeit betonte zudem die „Gunst der Stunde“ durch den Handlungsdruck, der auf der PEK liege: Egal, für welche Fusionsoption sich die Synode entscheide - die Entscheidung müsse jetzt, im November, getroffen werden. Auch wenn für die ELLM der Druck so nicht bestehe, sei sie doch gehalten, „wenn überhaupt, dann jetzt“ über eine Fusion zu entscheiden. Und die NEK sei mitten im Prozess einer strukturellen Umgestaltung. Da sei es ebenfalls nötig, eine Fusion nicht erst dann anzugehen, wenn schon neue Strukturen da sind, sondern jetzt.
Konsistorialpräsident Peter von Loeper übernahm im Anschluss die Aufgabe, das Leitbild mit konkreten Ergebnissen aus den Beratungen der Steuerungsgruppe zu untermauern. Diese hatte zunächst vier Untergruppen zu den Themenbereichen Verfassung, Personal, Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit gebildet, die paritätisch besetzt wurden und in denen „konsensual“ gearbeitet wurde. Eine Untergruppe für Verwaltung wurde zunächst zurückgestellt, eine für Dienste und Werke soll noch gegründet werden. Ausgehend von der Erhebung des Ist-Zustandes von Gemeinsamkeiten und Unterschieden sollten die Vorstellungen der einzelnen Kirchen zur Fusion festgestellt und schließlich Lösungsansätze für eine Nordkirche entwickelt werden.
Was von Loeper zu berichten hatte, stand unter dem Vorbehalt, dass die Ergebnisse erst am 30. Oktober in einer gemeinsamen Sitzung von den drei Kirchenleitungen beschlossen werden sollen, so dass er auch nicht alle Details vorher darstellen könne.
Eindrucksvolle Grafiken über Mitgliederzahlen (NEK 2,1 Mio, ELLM 200.000, PEK 100.000), Anteil an der Bevölkerung (NEK 46%, ELLM 18%, PEK 20%), Kirchengebäude (NEK 812, ELLM 734, PEK 448), Gemeindeglieder je Kirchengebäude (NEK 2.598, ELLM 284, PEK 229), zu unterhaltenden umbauten Raum je Gemeindeglied (NEK 1,3 m3, ELLM 16,3 m3, PEK 20,3 m3) machten drastische Unterschiede deutlich. Auch die Zusammensetzung der landeskirchlichen Haushalte unterscheidet sich: Während sich Nordelbien fast ausschließlich aus Kirchensteuereinnahmen (95,5 %) finanziert, ist dieser Einnahmeanteil bei der ELLM (43%) und der PEK (31,8 %) wesentlich geringer. Ein erheblicher Anteil der Haushalte in der ELLM (35,2%) und der PEK (24,4 %) stammen aus dem EKD-Finanzausgleich, in den die NEK 3,8% ihrer Einnahmen einzahlt. Ebenso tragen Staatsleistungen (NEK 3,4%, ELLM 16%, PEK 37,1 %) in den beiden östlichen Landeskirchen wesentlich zum Haushalt bei.
Nach der Mitgliederzahl ist das Kirchengebiet der ELLM vergleichbar mit einem mittleren nordelbischen Kirchenkreis, das der PEK eher mit einem der kleineren. Bei einer Fusion würden die Kirchengebiete rechtlich und von der Mitgliederzahl einem der dann elf nordelbischen Kirchenkreise entsprechen.
Eine gemeinsame Finanzordnung muss von den Unterschieden ausgehen, dass in der NEK der Kirchenkreis Kirchensteuergläubiger ist, der sowohl die Landeskirche finanziert als auch innerhalb des Kirchenkreises das Geld verteilt, wie er es für richtig hält, also die Kirchenkreisebene sehr stark ist. In der ELLM hat diese starke Stellung als Kirchensteuergläubiger die Landeskirche, die die Mittel dann nach unten verteilt, und in der PEK die Kirchengemeinde, die sich umgekehrt den Kirchenkreis und die Landeskirche per Umlage „leistet“.
Von der Steuerungsgruppe wird vorgeschlagen, in der Nordkirche das NEK-System zu übernehmen. Von den Kirchensteuereinnahmen werden ca. 20 % für gesamtkirchliche Aufgaben benötigt. 80% verbleiben bei den Kirchenkreisen. Interessant für die pommersche Kirche ist die Frage nach dem Schlüssel für die Verteilung auf die Kirchenkreise. In der NEK werden dafür in unterschiedlicher Weise die Zahl der Gemeindeglieder, der Wohnbevölkerung und das Bauvolumen berücksichtigt. Für Pommern sei es von großem Vorteil, wenn die Wohnbevölkerung, das Bauvolumen oder die Fläche als Faktoren für die Verteilung berücksichtigt werden. Der Vorschlag lautet: 3 % der Einnahmen werden nach Bauvolumen verteilt, vom Rest 75% nach der Zahl der Gemeindeglieder, 25% nach der Zahl der Wohnbevölkerung. Nach einer Proberechnung der Untergruppe Finanzen sei diese Ausweitung des Finanzsystems der NEK machbar und kein finanzielles Abenteuer. Die Stellen- und Finanzhoheit in den Kirchengebieten bliebe gewahrt, die derzeitigen Verteilsysteme innerhalb der Kirchengebiete könnten beibehalten werden. Die Folge sei eine ausreichende Mittelversorgung. Es gäbe mit diesem System eine gerechte Berücksichtigung der Besonderheiten in der ELLM und PEK. Bei einem gemeinsamen Haushalt bedeutet ein Minus für die NEK von 1% der Mittel ein Plus von jeweils 5 % für die ELLM und PEK, da deren Haushalte wesentlich kleiner sind als die der NEK.
Die künftige Verfassung kann die Erfahrungen der NEK mit der schon einmal vollzogenen Fusion kleiner mit großen Landeskirchen nutzen. Sie wird auf der Heiligen Schrift und den lutherischen Bekenntnisschriften basieren und einen dreistufigen Aufbau (Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirche) zur Grundlage der Kirchenstruktur machen. Gemeinden sind eine theologisch gefasste Größe mit Selbstverwaltungsrecht. Ihre Größe soll sich nach Überschaubarkeit und Erreichbarkeit richten, sie sollen finanziell so ausgestattet sein, dass sie ihre Aufgaben erfüllen können. Die Kirchenkreise haben eigene Synoden. Kirchenkreise können in Bezirke aufgeteilt werden, für die die dort beheimateten Synodalen eine Bezirkssynode (im Sinne eines Synodenausschusses) für regionale Angelegenheiten bilden.
In der gesamten Landeskirche soll es mittels Übernahme des Rechtes der VELKD auch in der PEK ein gemeinsames Recht geben.
Ein leitender Bischof soll an der Spitze der Landeskirche stehen,
Die Identität des pommerschen Kirchengebietes bleibe u.a. durch die synodale Entscheidungshoheit im Kirchengebiet (Personal, Pfarrstellenplanung und Finanzen) und durch Sprengelbischöfe erhalten.
Ein verbindlicher Vertrag soll schon 2008 Eckpunkte der Fusion festhalten. Er soll mit 2/3-Mehrheit und mit dem Merkmal der Unumkehrbarkeit beschlossen werden. Der sich anschließende Verhandlungszeitraum soll etwa 3 Jahre betragen, dann könnte die Bildung einer gemeinsamen Synode erfolgen, die noch offene Punkte einschließlich der gemeinsamen Verfassung nach im Vertrag festgelegten Eckpunkten regelt.
Der Präsident der Nordelbischen Synode, Hans-Peter Strenge, berichtete anschließend über seine Wahrnahme des Entscheidungsprozesses in der nordelbischen Synode. Diese hat auf ihre Tagung am 29. September bei nur zwei Enthaltungen einstimmig ihre Zustimmung zu den Sondierungsgesprächen gegeben. Wer die nordelbische Synode kenne, wisse: Diese Einmütigkeit sei nicht selbstverständlich. Strenge führte „ein Gutteil der Einmütigkeit“ auch auf das Auftreten des pommerschen Synodalpräses Dr. Rainer Dally und des Greifswalder Superintendenten Ulrich Tetzlaff vor den nordelbischen Synodalen zurück. Er selbst sei am 17. März mit seiner Frau auf Hiddensee gewesen und habe mit großer Erleichterung vom pommerschen Synodenbeschluss für die Sondierungsgespräche gehört.
Seit Frühjahr habe es große Fortschritte gegeben, z.B. bei den Eckpunkten zur Stellung der Gemeinde und Kirchenkreise. Letzteres sei besonders den Mecklenburgern schwer gefallen, weil ihre Propsteisynoden nicht mit gewählten Kirchenkreissynoden vergleichbar sind. Jetzt aber seien sie bereit, auch in den Kirchenkreisen „richtige Synoden“ zu wählen. Ein Argument habe auf der NEK-Synode überzeugt: Freiherr von der Goltz als Zuständiger für die Finanzen habe versichert: “Sie können mir vertrauen: Wir in Nordelbien werden nicht an der Fusion pleite gehen; wer 3 % für Aufgaben in der Ökumene gibt, ist doch auch aufgerufen, wenige Prozent für den Zusammenschluss mit Mecklenburg und Pommern zu geben.“
In seinem lebhaften und mit Beifall bedachten Vortrag sagte Strenge, er sehe trotz großer Unterschiede in Details „keinen Punkt, woran es scheitern könnte. Die Sache ist machbar.“ In einzelnen Punkten „sind Sie schon weiter als wir“, z.B. bei der Zusammenlegung von Kirchenkreisen.
Ein Synodaler eröffnete die Diskussion mit der Bemerkung, dass alles überzeugend sei, aber keine Angaben zum Vergleich mit der Fusion mit der EKBO gemacht worden seien. „Wie sagen wir Gemeinden, dass die EKBO gar nicht mehr vorkommt? Ich hätte gern Argumente, dass man sinnvoll antworten kann.“
Konsistorialpräsident von Loeper erwiderte darauf, dass die Synode nicht den Auftrag erteilt habe, einen Vergleich zu erstellen, sondern beschlossen habe, dass sie einen Bericht über absehbare Konsequenzen eines Zusammenschlusses mit der NEK und einen Zeitplan erwartet. Ein Vergleich mit den Folgen eines Beitritts zur EKBO sei auch nicht möglich.
Die Synodale Gerhild Plath sagte unter Beifall, dass sich für sie zum ersten Mal in der Diskussion ein Grundvertrauen in die ganze Angelegenheit eingestellt habe. Es sei spürbar Beständigkeit und der Gute Wille da, nicht mehr über Kleinigkeiten zu diskutieren, sondern Schritte nach vorne zu gehen. „Das brauche ich und sage: Gehen wir da hin und lassen uns nicht mehr beirren.“
Der Synodale Dr. Thomas von Woedtke äußerte sein „Unbehagen“ über das Vorgehen der Kirchenleitung. Das Thema EKBO sei „systematisch ausgeblendet“ worden. Warum sei kein Vergleich mit dem Beitritt zur EKBO möglich? Die Synode habe zwar beschlossen, dass keine Verhandlungen mit der EKBO aufgenommen werden, aber die Bedenken gegen den Beitritt sollten doch auch geprüft werden. Diese Bedenken seien immer sehr stark im Vergleich mit der damals diskutierten Fusion mit der ELLM formuliert worden (Starker Größenunterschied EKBO-PEK, große Ausdehnung des Kirchengebietes, Entfernung nach Görlitz usw.) Jetzt sprächen dieselben Bedenken gegen die Nordkirchenfusion. Allgemeine Absichtserklärungen wie in den Leitworten habe es auch schon mit Mecklenburg gegeben, aber als es dann konkret wurde, seien die Probleme gekommen. Insbesondere äußerte Dr. v. Woedtke unter Beifall sein Missfallen als Synodaler über die „Art des Diskurses“ angesichts einer Äußerung von Bischof Abromeit in einem Interview der Schweriner Volkszeitung vom 18.September, in dem der Bischof eine schnelle Fusion gefordert habe. Es sei Handlungsdruck gegeben, weil es in Pommern „noch immer Stimmen gebe, die einen Beitritt zur EKBO fordern.“
Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit fragte daraufhin, welche Bedenken es denn gegen eine Fusion mit NEK und ELLM gäbe und ob es die gleichen wären wie gegenüber der EKBO? Es sei doch etwas völlig anderes. Innerhalb der EKBO sei Pommern eine Generalsuperintendentur, habe aber keine gemeinsame Synode auf dem Gebiet der ehemaligen Landeskirche, nur die vier Kreissynoden. Bei der Nordkirchenlösung wäre das völlig anders: Es gäbe eine Synode Pommerns, die bei Bedarf in vier Bezirkssynoden auseinander treten könne.
„Dass wir als Kirchenleitung nicht über die EKBO-Option geredet haben, ergibt sich aus der sachlichen Lage der Dinge, auch daraus, dass Bischof Huber und Konsistorialpräsident Seelemann gesagt haben: Verhandlungen gibt es erst, wenn Pommern sich ganz für die EKBO-Option entschließt.“ Die EKBO-Prüfthemen seien den synodalen Ausschüssen zugewiesen worden.
Das Votum in der SVZ wollte der Bischof anders gewichtet sehen. Die Frage sei gewesen: Gibt es echte Widerstände? Er habe immer betont, dass die Synode im November entscheiden wird, in welche Richtung sie geht, daher habe er gesagt: „Wenn wir nicht zu realen, einleuchtenden Entscheidungen kommen, wie das pommersche Gebiet in einer größeren Kirche zu stehen kommt, die die Synodalen überzeugen, dann wird es keine Nordkirche geben. Ich bin deshalb für Schnelligkeit!“
Der nordelbische Synodenpräses Strenge ergänzte: In der NEK gebe es Möglichkeit, Kirchenkreise in Bezirke zu gliedern mit Bezirksvertretungen als Ausschüssen der Kreissynode, die aus Mitgliedern der Kreissynode bestehen, die Gemeindeglieder eines Bezirkes sind. In EKBO dagegen gebe es keine „Provinzialsynode“.
Der Synodale Dr. Johannes Winter sagte von sich, er sei „immer Verfechter der EKBO“ gewesen. Vier Fragen hätten ihn beschäftigt: 1. Was wird aus unserer Kirchenordnung? Antwort von heute: Sie soll völlig neu werden. 2. Was wird aus der Selbständigkeit der Gemeinden? Hier sei der Hinweis gekommen: Wir werden der pommersche Kirchenkreis mit Bezirken. Kirchensteuergläubiger werde der Kirchenkreis, was jetzt die Gemeinde ist und regelt eigenständig die Verteilung. 3. Was wird aus den Finanzen? Die Antwort sei: Staatsleistungen bleiben in Pommern, bei den Kirchensteuern haben wir Gewinn. 4. Wie lange ist die Frist bis zur Fusion? Antwort: 3 Jahre. Also sei seine Hoffnung nun größer, dass dieser Weg zum Erfolg führt.
Konsistorialpräsident von Loeper antwortete: Die pommersche Identität kann gewahrt werden durch Kirchenkreissynode. Sie hat schon wegen der Finanzhoheit eine sehr ausgeprägte Stellung. Was wird aus Kirchengemeinden? Sie stehen in allen Verfassungen relativ ähnlich da. Merkmale seien u.a. Selbstverwaltung und Ressourcenausstattung. „Wir wissen von ELLM, dass das ganz unterschiedlich verstanden werden kann, aber das können wir über Kirchenkreissynode regeln!“
Die Synodale Renate Holznagel bedankte sich für die Infoveranstaltung. Sie habe immer Sorgen um den Staatskirchenvertrag gehabt. „Die Leitlinien nehmen mir viele Sorgen.“ Besonders wies sie auf die Notwendigkeit hin, die Patronatsmittel auch in einer Nordkirche für die Gemeinden zu sichern. „In den nördlichen Landesteilen arbeiten viel mehr Menschen zusammen, als wir es in den Zeitungen lesen. Dass die drei Kirchen eine neue Verfassung erarbeiten, freut mich ganz besonders.“
Präses Dr. Rainer Dally schilderte in seinem Schlusswort sein Gefühl vor dem ersten Treffen der Kirchenleitungen. Er sei sich bewusst gewesen, dass er als Vertreter der kleinsten Landeskirche dort hingeht und sei schon bereit gewesen, auf entsprechende Bemerkungen zu reagieren. „Aber dann war ich überwältigt von der Herzlichkeit und Wärme, mit der Vertreter der NEK die Mecklenburger und Pommern empfangen haben.“
Offenbar traf sein Schlusswort die verbreitete Stimmung unter den anwesenden pommerschen Synodalen.
Reinhard Lampe
Hinweise:
Öffentliche Informationsveranstaltungen der Kirchenleitung in de Pasewalker St. Marienkirche (10.10.) und in der Auferstehungskirche Stralsund-Grünhufe (12.10.) werden folgen – jeweils von 18.30 bis 21. Uhr. Anfang November gibt es noch vier weitere Veranstaltungen für Kreissynodale bei denen die endgültigen Ergebnisse der Sondierungsgespräche veröffentlicht werden.
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