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Bischof Hans-Jürgen Abromeit


Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter


Eberhardt Behrens aus Pasewalk


Andreas Ruwe (re.) und Peter von Loeper


Pfr. Matthias Gürtler


Bischof Hans-Jürgen Abromeit und der Greifswalder Superintendent Ulrich Tetzlaff

Informationsveranstaltung zur Nordkirche: „Wir zeichnen eine Landkarte"

 

Pasewalk (ran). „Wir zeichnen eine Landkarte und zeichnen Brücken ein, über die man gehen kann.“ Mit diesen Worten beschrieb die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg Potter bei der Informationsveranstaltung über die Nordkirche in Pasewalk am Mittwochabend, 10. Oktober, die gegenwärtige Situation im Hinblick auf eine mögliche Nordkirche.

 

Wartenberg-Potter, die den Vorsitz der Sondierungsverhandlungen der nordelbischen, mecklenburgischen und pommerschen Kirche hat, warb um Verständnis, daß man „noch nicht so konkret sei, wie manche es sich wünschten.“ Es seien drei Kirchen, die die Sondierungsgespräche führten und man wolle „partnerschaftlich auf eine neue Kirche zugehen.“ Sie machte deutlich, daß die Nordelbische Kirche „keinen Anschluß und keinen Beitritt will.“

 

Beitritt war das andere Stichwort, das die emotional bewegte Diskussion in der Pasewalker Marienkirche teilweise bestimmte, denn der Beitritt zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) steht als Alternative für die Pommersche Kirche im Raum. Darüber hatte die Landeskirche im Frühjahr in einem Prüfbericht in vier Veranstaltungen informiert.

 

Es bestehe ein Unterschied zwischen einem Beitritt, den man sehr konkret „bis auf die letzte Mark und Synodenplätze“ berechnen könne, so Konsistorialpräsident von Loeper, und einem offenen Prozeß der Bildung einer neuen Kirche. Nach der Sitzung der drei Kirchenleitungen am 30. Oktober könne man aber deutliche Eckpunkte einer neuen Kirche benennen, so von Loeper.

 

In einer Nordkirche solle die Identität der Pommerschen Kirche durch synodale Entscheidungshoheit, durch die geistliche Leitung des pommerschen Kirchengebietes sowie durch die Vertretung des pommerschen Gebietes in der Kirchenleitung gewährleistet sein. Dabei sei dann Pommern einer der kleinen Kirchenkreise der Nordkirche. Dieser Kirchenkreis sei aber gegliedert und könne so in geistlicher Leitung und auf synodaler Ebene wesentliche Entscheidungen treffen. So könne das bisherige Finanzsystem beibehalten werden und es gäbe eine Stellen- und Finanzhoheit des pommerschen Kirchengebietes und dadurch großen Gestaltungsraum.

 

Pfarrer Matthias Gürtler von der Greifswalder Nikolaigemeinde forderte, daß die Option einer Nordkirche dem Beitritt zur EKBO gegenübergestellt werden solle. Dann hätten die Synodalen auch eine Grundlage für ihre Entscheidungen. Er kritisierte zudem, daß es nicht auch in Greifswald eine solche Informationsveranstaltung stattfinden würde.

 

Darauf erwiderte der Konsistorialpräsident, daß es im November in allen vier Kirchenkreisen Kreissynoden hierzu geben würde. Dann lägen auch die vollständigen Ergebnisse der Sondierungsverhandlungen vor. Jetzt könne man nur einen Zwischenstand mitteilen.

 

Diesen jetzigen Stand hatte der pommersche Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit und Peter von Loeper zu Anfang geschildert und dabei betonte der Bischof, daß es in der pommerschen Kirche einen Entscheidungsdruck gebe, denn die Synode habe gesagt, daß bald eine Entscheidung fallen solle. In Mecklenburg bestehe kurzfristig kein Handlungsdruck. Für Nordelbien stelle sich die Lage so dar, daß diese Kirche, die 1977 aus fünf verschiedenen Kirchengebieten entstanden sei, sich in einem Veränderungsprozeß befinde und daß es daher gut sei, neue Veränderungen nicht nach Abschluß sondern in diesem Prozeß anzugehen. Abromeit stellte auch die Frage, ob es angesichts der Veränderungen in der Kirchenmitgliedschaft vertretbar sei, „daß wir im norddeutschen Raum drei unterschiedliche Landeskirchen haben, die alle ihren Verwaltungsaufwand schaffen müssen?“

 

Eindrücklich waren die präsentierten Zahlenverhältnisse, denn in Nordelbien hätten 2.598 Gemeindeglieder ein Kirchengebäude zu unterhalten, in Mecklenburg 284 und in Pommern 229, so von Loeper. Die Zahlen der Gemeindeglieder mit 2,1 Mio in Nordelbien, 220.000 in Mecklenburg und 103.000 in Pommern seien ebenfalls sehr unterschiedlich.

 

Bezüglich der Finanzen sagte der Konsistorialpräsident, daß eine gemeinsame Nordkirche „kein finanzielles Abenteuer“ sei. In den Kirchengebieten würde eine Stellen- und Finanzhoheit bestehen, das derzeitige Verteilsystem könne für Mecklenburg und Pommern beibehalten werden und bei einem gemeinsamen Haushalt bedeute „ein Minus in Nordelbien von 1% für die mecklenburgischen und pommerschen Gebiete jeweils ein Plus von 5%.“

 

Aber nicht nur Strukturen und Finanzen bestimmten diesen langen Abend sondern auch bewegende Verweise auf die lange Partnerschaft zwischen Pommern und Nordelbien. So bilanzierte etwa der Brüssower Pfarrer Matthias Tuve, daß die Nordkirche „eine gute Variante“ sei, "denn Mathematik, Geborgenheit und Geschichte stimmen." Seit seinem Studium sei die nordelbische Kirche immer mit dabei gewesen. „Nicht nur Geld, sondern auch Großzügigkeit, Vertrauen und Solidarität“ habe er erlebt. Er wohne in einem Pfarrhaus, zu dessen Baukosten die Nordelbische Kirche bis 2035 die Hälfte der Zinsen trage. „Geld gibt man nur, wenn auch das Herz dabei ist,“ sagte Tuve. Die Partnerprogramme und Gemeindepartnerschaften spielten an diesem Abend eine zunehmend starke Rolle und damit der Blick auf eine 60 Jahre alte Beziehung der Partnerschaften Nordelbiens und Pommerns.

 

Einen wichtigen Aspekt brachte der Küster der Pasewalker St. Marienkirche Wohlgemut stellvertretend für die Mitarbeitenden ein, denn diese hätten Angst, ob die bisherigen Strukturen auch bestehen bleiben könnten.

 

Der Konsistorialpräsident antwortete mit dem Hinweis, daß man auch in einer Nordkirche die Strukturen im pommerschen Kirchengebiet selber gestalten würde und er sagte: „In kirchliche Dienstgemeinschaft passen betriebsbedingte Kündigungen nicht hinein.“ Man habe eine gute Finanzausstattung für einen absehbaren Zeitraum versicherte er.

 

Es war ein Abend gemischter Gefühle. Ein Abend zwischen Berechnung und Vertrauen. Bischöfin Wartenberg-Potter nahm in einem Votum auf den Galaterbrief bezug, denn danach gäbe es weder Jude noch Grieche, nicht Mann und Frau, nicht Herr und Knecht. „Unser Glaube gibt uns über unsere jeweilige Identität eine weitere Identität die uns sammelt und in die Gemeinschaft stellt. Das ist unsere übergeordnete Identität.“

 

Das Mitglied der mecklenburgischen Kirchenleitung, Dr. Stefan Mahlburg nahm in seinem Grußwort das Bild vom Brückenbauen auf. Er bedauerte, daß Mecklenburg und Pommern nicht eine gemeinsame Kirche gebildet hätten. Aber wenn die beiden Königskinder nicht über das tiefe Wasser zusammenfinden, dann mag es wohl über die Brücke der Nordkirche gehen.“

 

Die nächste öffentliche Informationsveranstaltung findet am Freitag, 12. Oktober 2007 ab 18.30 Uhr in der Stralsunder Auferstehungskirche in Grünhufe statt.

 

Siehe auch den Bericht über die Informationsveranstaltung für die Landessynodalen: Landessynode

Über den Stand der Fusionsgespräche informiert die Internetseite: www.kirche-mv.de/fusion.html

Über die Beschlüsse der Pommerschen Frühjahrssynode informiert: Beschlüsse

(11.10.2007)


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