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Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit
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Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn
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Pfr. i.R. Dr. Reinhard Glöckner
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Stralsunder Informationsabend zur Nordkirche: „Wie wollen wir glaubwürdig Kirche sein?“
Stralsund (ran). Es war ein zwiespältiger Abend, dieser zweite Informationsabend über die mögliche Bildung einer Nordkirche in der Auferstehungskirche in Stralsund-Grünhufe am Freitagabend. Einerseits geprägt durch ein bewegendes Votum des mecklenburgischen Landesbischofs mit seiner Frage nach dem Kirche-Sein und andererseits vehementer Ablehnung einer Kirche im Norden mit manchen differenzierten Gedanken.
Nach einer Präsentation der bisherigen Ergebnisse der Sondierungsgespräche durch Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit und Konsistorialpräsident von Loeper (siehe: Pasewalk und Züssow) trat der mecklenburgische Landesbischof Dr. Andreas von Maltzahn vor die etwa 70 Zuhörenden. Er berichtete von seinen Jahren in Pommern, wo er und seine Frau „Zeitzeugen und Mitwirkende der Wende“ waren. Dann wandte er sich der gescheiterten Fusion Mecklenburgs und Pommerns zu und fragte, was der Grund gewesen sei. „Verletzungen und Enttäuschungen,“ bilanzierte er und er sagte dann: „Was wir als Mecklenburger dazu beigetragen haben, das bedauere ich sehr. Ich will partnerschaftlich und auf Augenhöhe verhandeln, das ist mir ein echtes Anliegen.“ Es war eine authentische Botschaft, die von Maltzahn in Stralsund überbrachte.
Dann fragte er, was das mecklenburgische Kirche für ein Interesse an der Nordkirche habe und seine Antwort war eine Frage: „Wie wollen wir glaubwürdig Kirche sein?“ Von Maltzahn sagte, daß ein Hauptgrund sei, „daß wir glauben, daß die kirchliche Arbeit geschwächt wird, wenn eine gemeinsame Kirche nicht gelingt. Das schwächt Mecklenburger und Pommern.“ Auf der Ebene der Dienste und Werke habe man schon viel erreicht und es sei eine Stärkung, eine evangelische Kirche im Norden auf den Weg zu bringen.
Der mecklenburgische Landesbischof machte Mut, „daß wir uns öffnen und nicht abschotten sondern aufeinander zugehen und die guten Erfahrungen füreinander und miteinander nutzen,“ und er fügte hinzu: „Der Vorrat an Gemeinsamkeiten ist größer, als das, was uns trennt.“
Die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter überbrachte neben den Grüßen der Nordelbischen Kirche auch Grüße von ihrem Mann, dem ehemaligen Generalsekretär des Ökumenischen Rates, Philip Potter, der gesagt habe „Da macht Ihr was Gutes.“ Sie hätten zur Wendezeit 1989 in Jamaika gelebt und dort erfahren, daß man Geschwister überall in der Welt habe. „Das ist die übergeordnete Identität.“
In der darauffolgenden Aussprache meldeten sich nur die Gegner des Nordkirchenprojektes zu Wort. Der pensionierte Greifswalder Marienpfarrer Dr. Reinhard Glöckner warnte vor einen „theologischen Beitritt“ zur Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche (VELKD). Dagegen hätten die Pommern das Erbe der Union zu bewahren. Auch hielt er eine Perspektive Europas nach Osten für sinnvoller als „den Blick gegen Westen.“ Die Herausforderung liege an der Grenze zu Polen und nicht in einer Vereinigung von einer West- mit zwei Ostkirchen.
Der frühere Greifswalder Archivar Joachim Wächter wies daraufhin, daß es nicht nur mit Nordelbien eine gemeinsame Geschichte gäbe sondern vor allem mit Brandenburg. Aber er sah es als einen Fortschritt in den Gesprächen an, daß die Frage der pommerschen Identität deutlicher gestellt würde und lobte: „Das ist ein entscheidender Fortschritt. Aber das wäre auch mit der EKBO möglich. Hier muß noch genau überlegt werden: ist der eine oder der andere Weg der Bessere. Im Augenblick sehe ich auf beiden Möglichkeiten Parallelen. Das möchte ich positiv hinstellen.“ Wächter forderte, daß man „die Sondierungsgespräche ernst nehmen solle und nicht gleich zum Abschluß bringen solle,“ sondern in Ruhe überlegen solle, was man dann entscheide.
Das war auffällig an diesem Abend, daß nach der Forderung nach schneller Entscheidung bei den Informationsabenden im Frühjahr nun auf die lange Zeit abgehoben wurde, die man ja für diese Frage habe. So forderte der Eixener Pfarrer Michael Mahlburg: „der Weg muß so lange umkehrbar bleiben, bis es für jede Gemeinde klar ist, was der Weg bedeutet.“
Deutlich wurde aber auch das Anliegen von mehreren Rednern, daß die theologische Tradition der Union ein wesentliches Identitätsmerkmal der Pommerschen Kirche ist, ohne das sie ihre Existenz nicht verstehen kann.
Bischof Abromeit machte in seinem Schlußwort deutlich, daß die Pommersche Kirche mit sieben Veranstaltungen in einen ausführlichen Informationsprozeß eingestiegen sei und daß im November noch vier Kreissynoden sich mit den endgültigen Ergebnissen der Sondierungsgespräche befassen würden, die Landessynode dann aber letztlich über den weiteren Weg entscheiden würde.
Es war ein zwiespältiger Abend.
Verletzungen und Unterstellungen waren zu spüren. Aber ebenfalls persönliche Präsenz und vorbereitete Argumente. Dazu langatmige Ausflüge in die Geschichte – und eine Menge an Engagement für den künftigen Weg der Landeskirche.
Vielleicht hilft zum weiteren Weg die Bemerkung der Stralsunder Superintendentin Helga Ruch, die in der Diskussion dazu aufforderte, in den Wortmeldungen „in der Ich-Form“ zu sprechen. Dann kommt die Diskussion aus der hohen Statementebene bei der eigenen Persönlichkeit an. Und das kann eigentlich nur gut tun, wenn man – wie der mecklenburgische Landesbischof – fragt: „Wie wollen wir glaubwürdig Kirche sein?“
Rainer Neuman
Siehe auch den Bericht über die Informationsveranstaltung für die Landessynodalen: Landessynode und für Pasewalk
Über den Stand der Fusionsgespräche informiert die Internetseite: www.kirche-mv.de/fusion.html
Über die Beschlüsse der Pommerschen Frühjahrssynode informiert: Beschlüsse
(13.10.2007) 
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