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Kirchenschiff bekam neuen Halt

Zuganker aus Stahl für den Greifswalder Dom

Gerüstbrücken unterhalb des Deckengewölbes des Doms ermöglichen den Spezialisten den Zugang.
21.03.2015 ǀ Greifswald.  In der zurückliegenden Woche ging die Sanierung des Greifswalder Doms weiter. Im Rahmen des vierten Bauabschnitts wurden neue, zusätzliche Zuganker eingebaut. Sie sind aus Stahl und wurden oberhalb der bestehenden, quer zum Kirchenschiff verlaufenden Holzzuganker zur Verstärkung eingezogen. Die Zuganker zählen zu den wichtigsten statischen Bauelementen im Dom. Sie sind essentiell für die Stabilität des Gotteshauses, da sie einen Großteil der horizontalen Zugkräfte aufnehmen, die am Kirchenschiff wirken. Notwendig wurde der Einbau der Stahlzuganker, da die alten Ankerköpfe verschiedentlich beschädigt und einige der schmiedeeisernen Klammern, mit denen die Kiefernholzbalken mit dem Mauerwerk verbunden sind, sogar gerissen sind. Die alten Balken bleiben erhalten, werden durch die Stahlstäbe aber nun weitgehend entlastet.  

Wie das Zupfen einer Gitarrensaite

Über eigens eingezogene Gerüstbrücken oberhalb der hölzernen Zuganker bewegte sich das mit den Arbeiten beauftragte Team der Firma SHB Wismar („Sicherung Historischer Bauwerke“) in einer Höhe von mehr als 20 Metern über dem Boden. Statiker Jens-Uwe Schwepler hatte nicht nur Augen, sondern auch Ohren für die 16 Meter langen Metallstäbe. Durch die Geräusche, die er durch Klopfen an den Stahlstreben erzeugte, zog er Rückschlüsse auf die richtige Spannung. Unter den faszinierten Zuschauern war auch Dompfarrer Matthias Gürtler, der sich ebenfalls auf das Gerüst in schwindelerregender Höhe begeben hatte. „Das ist wie das Zupfen einer übergroßen Gitarrensaite“, meinte der Pastor. Die neuen Anker wurden für den nötigen Halt mittels Bohrungen durch die zwei Meter dicken Wände nach außen geführt, wo sie gespannt und mit Ankerplatten gesichert wurden. Die rostfreien Stahlanker werden nun mindestens 100 Jahre halten, so Jens-Uwe Schwepler.
Quelle: PEK (sk)

Statiker Jens-Uwe Schwepler hat in einer Höhe von mehr als 20 Metern über den Altarstufen die Spannung des Stahlzugankers im Blick.
Durch Bohrungen wurden die Stahlstreben durch die zwei Meter dicken Wände geführt.