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Unermüdlich im Einsatz für Notleidende in der Ukraine

Ehepaar aus Mecklenburg organisiert Hilfen für das umkämpfte Mariupol

Von Anne-Dorle Hoffgaard

18.03.2015 ǀ Linstow.  Das mecklenburgische Ehepaar Heinz und Martina Nitzsche kümmert sich seit 14 Jahren um Suchtkranke, Obdachlose und Hilfesuchende in der umkämpften Ukraine-Stadt Mariupol. Kriegsbedingt sind sie jetzt häufiger im Norden. Ihr Engagement geht aber weiter.

Seit den schweren Kämpfen in der Ost-Ukraine kehren der 70-jährige Mecklenburger Prediger Heinz Nitzsche und seine Frau Martina häufiger nach Linstow (Kreis Rostock) zurück. "Wir mussten unseren Kindern versprechen, dass wir uns nicht in Gefahr begeben", sagt Nitzsche. Aber wenn "die Luft bleifrei ist, dann sind wir auch wieder dort". Die soziale und missionarische Arbeit, die das Ehepaar seit 14 Jahren in der 500.000 Einwohner zählenden Hafenstadt Mariupol aufgebaut hat, läuft weiter. Dafür sorgen die inzwischen 16 ukrainischen Mitarbeiter vor Ort.

Das Team kümmert sich um das kleine Hospiz und das Haus für offene Kinder- und Jugendarbeit. Die Helfer betreuen Alkoholkranke, Drogenabhängige, Aidskranke und Obdachlose. "Überall gibt es bei uns was zu essen, auch zu den Gottesdiensten", sagt Heinz Nitzsche. Für junge Sinti und Roma, mit denen die Ukrainer nicht viel zu tun haben wollen, gibt es eine Fußballgruppe.

Damit die Arbeit im 2.500 Kilometer entfernten Mariupol weiterlaufen kann, sind Heinz und Martina Nitzsche auch in Deutschland unermüdlich im Einsatz. Jeden Tag reise er zu Gemeinden, um Kleidung und andere Hilfsgüter heranzuholen, sagt der gelernte Autoschlosser. Fast jede Woche schicken sie einen Kleinbus nach Mariupol mit Decken für Flüchtlinge, Kleidung und Lebensmitteln. Im Mai oder Juni soll eine Lkw-Ladung auf Reisen gehen. 5.000 bis 6.000 Euro werden monatlich an Spenden gebraucht. Es sei traurig, dass weder das Diakonische Werk noch die Kirche dafür Gelder bereitstellten, beklagt Nitzsche.

Immerhin ist das Ehepaar in Mecklenburg-Vorpommern und weit darüber hinaus seit langem für sein soziales Engagement für Suchtkranke bekannt. Ihre Motivation ziehen beide aus dem christlichen Glauben und dessen Liebesgebot. So kümmerte sich Heinz Nitzsche in den 60er Jahren, als er noch bei der Dresdner Stadtmission tätig war, am Hauptbahnhof der Elbestadt um Alkoholkranke. 1971 rief er im mecklenburgischen Serrahn ein diakonisches Zentrum ins Leben, in dem Suchtkranke betreut werden.

Im Jahr 2001, nach dem Unfalltod ihres jüngsten Sohnes, machte sich das Ehepaar zusammen mit einer Tochter auf zu einer missionarischen Pionierfahrt in die Ukraine. In Mariupol gründeten sie den Blau-Kreuz-Verein, den ersten und bislang einzigen in der Ukraine. Der Schicksalsschlag sei für sie ein Zeichen gewesen, "dass wir für eine neue Aufgabe frei waren, um Gott in der Ukraine zu dienen", sagt Heinz Nitzsche. Schon seit 1992 hatte er Besuche und Hilfstransporte von Serrahn aus nach Russland, in die Ukraine und ins Baltikum unternommen.

Drei Jahre wollte das Ehepaar Nitzsche ursprünglich in Mariupol bleiben, fast 14 Jahre sind inzwischen daraus geworden. Gefragt nach seinen Wünschen, sagt Heinz Nitzsche heute, er hoffe auf ein Ende des Krieges in der Ukraine. Schön wäre auch, wenn er mal sechs Wochen Urlaub machen könnte. Das sei aber schwierig, solange es keinen Nachfolger für seine Arbeit gibt. Ende April will das Ehepaar für ein paar Tage zurück nach Mariupol fahren. Sie bringen eine ukrainische Mitarbeiterin zurück und nehmen dann einen Arzt und seine Frau zu einer vierwöchigen Erholung mit nach Deutschland.
Quelle: epd

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